*** Malasana 32: Haus des Bösen ***

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*** Malasana 32: Haus des Bösen ***


 

ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
„Poltergeist“ im Madrid der 1970er Jahre: „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ wandelt auf den Spuren klassischer Haunted-House-Werke, will aber ein bisschen mehr sein als ein Konventionen abhakender Gruselstreifen. Ob das gelingt?
 
Spuk im neuen Heim
 
Von der Stadt aufs Land. Dorthin, wo man vermeintlich eher Ruhe finden und besser neue Kräfte tanken kann. Diese Bewegung steht am Beginn vieler Geisterhausfilme. Genau in die entgegengesetzte Richtung geht es in Albert Pintós zweiter Spielfilmarbeit „Malasaña 32 – Haus des Bösen“, die ursprünglich schon 2020 in den deutschen Kinos starten sollte, allerdings vom Corona-Lockdown eingeholt wurde.
 
Der spanische Gruselthriller, der angeblich lose auf wahren Begebenheiten beruht, handelt von einer sechsköpfigen Familie, die im Jahr 1976 der Provinz den Rücken kehrt und in Madrid nach einem erfüllteren Leben sucht. All ihr Geld haben die Olmedos in den Kredit für eine voll möblierte Wohnung in der zentral gelegenen Calle de Manuela Malasaña 32 gesteckt und können schon deshalb nicht mehr umkehren.
 
 
Dass längst nicht alle Mitglieder hinter dem Umzug stehen, wird bereits bei der Ankunft in der Hauptstadt deutlich. Der Traum von etwas mehr Wohlstand scheint nicht der einzige Grund gewesen zu sein, warum die Olmedos ihre Heimat verlassen haben. Kryptische Andeutungen lassen auch auf eine soziale Ächtung schließen. Während sich Candela (Bea Segura) und ihr pragmatisch-zuversichtlicher Gatte Manolo (Iván Marcos) von nun an stark auf ihre neuen Jobs konzentrieren, müssen die Kinder Amparo (Begoña Vegas), Pepe (Sergio Castellanos) und Rafael (Iván Renedo) sowie ihr dementer Großvater Fermín (José Luis de Madariaga) mit der Umstellung größtenteils allein fertigwerden.
 
Neben dem alten Mann und Nesthäkchen Rafael spürt vor allem die an der Schwelle zum Erwachsensein stehende Amparo, dass in der neuen Wohnung eine gefährliche Präsenz ihr Unwesen treibt. Dank eines schleichend beunruhigenden Prologs aus dem Jahr 1972 hat der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt, anders als die Protagonisten, bereits eine grobe Ahnung von der ominösen Vergangenheit des Olmedo-Domizils.
 
Zeitkolorit, aber auch viel uninspirierte Routine
 
Die Zutaten für einen Horrorfilm, der über das reine Erschrecken hinausgeht, sind definitiv vorhanden. Regisseur Pintó und seine vier (!) Drehbuchautoren siedeln die Handlung keineswegs zufällig während der sogenannten transición an, jener Phase in der Geschichte Spaniens, die den langsamen Übergang von der repressiven Franco-Ära zu einer modernen Demokratie markiert. Ein Abschnitt großer Hoffnungen, aber ebenso großer Widersprüche und Reibungen zwischen alten und neuen Kräften. Ein liberaler Geist traf hier auf die Schatten eines brutalen Unterdrückungssystems. Im Subtext von „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ schwingen manche Konflikte und Probleme der damaligen Zeit mit, die von der Ausstattungsabteilung detailverliebt nachgebildet wird. Für frischen Wind sorgen auch die spannungsgeladenen, sich als kompliziert entpuppenden Familienverhältnisse des Films.
 
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Mit den politischen und historischen Untertönen und den Brüchen in den Beziehungen der Figuren macht der Haunted-House-Beitrag einen Schritt weg vom üblichen Gruseleinheitsbrei. Seine Themen und Konflikte entschlossen angehen will er aber leider nicht. Die ehrenwerten Ansätze treten zu oft hinter hübsch fotografiertem, allerdings weitgehend überraschungsfreiem Genregeklapper zurück. Pintó spult dann eben doch meistens nur ein Standardprogramm ab, in dem wirklich erschütternde Schauermomente oder starke emotionale Szenen fehlen.
 
Den Bogen von der glanzlosen Routine zum Geschmacklosen schlägt „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ im letzten Drittel, wo eine behinderte Person auf eine denkbar klischeehafte Rolle reduziert wird und eine vielleicht mit guten Absichten erdachte, aber fragwürdig umgesetzte Auflösung auf das Publikum wartet. Der Film will gewiss Mitgefühl für ein grausig-traumatisches Schicksal wecken, verknappt es jedoch so sehr, dass es eine reißerische Note bekommt. Auf ähnliche Weise wurde dieses Motiv schon in zahlreichen anderen Horrorarbeiten ausgeschlachtet.
 
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Fazit
 
Spannende Untertöne klingen an, optische Reize lassen sich nicht bestreiten, „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ tendiert, auch wegen einer problematischen Abschlusswendung, dennoch mehr zum formelhaften Mittelmaß.
 
 
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