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Kritik: Nope

 
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Autor: Christopher Diekhaus
 
Von Fans des abgründigen Genrekinos gespannt erwartet und abermals kein 08/15-Horror: Auch Jordan Peeles dritte Regiearbeit „Nope“ geht eigene Wege, lässt es manchmal allerdings an Intensität und Spannung vermissen.
 
Rätselhafter Auftakt
 
Wer sich in letzter Zeit ein wenig mit dem US-Horrorkino jenseits der formelhaften Hochglanzgrusler beschäftigt hat, wird mit dem Namen Jordan Peele vertraut sein. 2017 legte der als Comedian bekannt gewordene Afroamerikaner sein abendfüllendes Debüt „Get Out“ vor, eine konstant anwachsendes Unbehagen erzeugende Mischung aus Schauerstück, Thriller und Sozialsatire, die den verborgenen Rassismus vermeintlich liberaler Kreise ebenso clever wie effektiv demaskiert.
 
Auf den mit einem Drehbuch-Oscar ausgezeichneten Erstling ließ Peele 2019 mit „Wir“ eine noch ambitioniertere Doppelgängergeschichte folgen, die sich erneut mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzt. Ganze zwei Werke reichten dem gebürtigen New Yorker aus, um sich als einer der aufregendsten Filmemacher im modernen Horrorkino zu positionieren. Kein Wunder also, dass nicht wenige Fans und Kritiker seiner dritten Arbeit gespannt entgegenfieberten.
 
 
„Nope“, ein umgangssprachlicher englischer Begriff für „Nö“ oder „Nee“, lautet der Titel dieser rund 70 Millionen Dollar schweren Produktion, in der Peele und „Get Out“ Hauptdarsteller Daniel Kaluuya zum zweiten Mal zusammenfinden. Worum es genau geht, verschleiert der Drehbuchautor und Regisseur zunächst geschickt, reißt unterschiedliche Szenarien an, um sich erst nach einer ganzen Weile etwas mehr in die Karten schauen zu lassen. Ganz am Anfang steht eine kryptische, gleich für Irritationen und ein Schaudern sorgende Szene mit einem Affen, der blutverschmiert in einer verwüsteten Sitcom-Kulisse hockt. Irgendetwas ist hier schrecklich schief gelaufen. Weitere Details folgen allerdings erst später.
 
Im Anschluss begegnen wir dem von Kaluuya gespielten verschlossenen OJ Haywood, der seinen Vater (Keith David) in einer nicht weniger mysteriösen Situation verliert. Urplötzlich regnet es auf der einsam gelegenen Ranch, auf der die beiden Pferde für Filmdrehs dressieren, nämlich Alltagsgegenstände vom Himmel. Und eine Münze trifft den alten Mann so unglücklich, dass er kurz darauf verstirbt.
 
01 ©2022 Universal Pictures02 ©2022 Universal Pictures04 ©2022 Universal Pictures03 ©2022 Universal Pictures
 
Sechs Monate später kämpft OJ um den Erhalt des schon vorher angeschlagenen Familienbetriebs und erlebt am Set eines Werbedrehs einen bösen Rückschlag. Wenig Unterstützung bekommt er von seiner quirligen Schwester Em (Keke Palmer), die jedoch Feuer und Flamme ist, als ihr Bruder nach neuerlichen rätselhaften Ereignissen – der Strom setzt kurz aus, und die Tiere spielen verrückt – behauptet, über dem Tal eine Art Ufo gesehen zu haben. Kurzerhand schlägt sie vor, das Flugobjekt auf Film zu bannen und die Aufnahmen zu Geld zu machen.
 
Originelle Bilder
 
Keine Frage, „Nope“ hat so manche interessante Idee im Köcher. Verglichen mit „Get Out“ und „Wir“ gelingt es Peele aber weniger, eine sich stetig verstärkende Atmosphäre der Bedrohung aufzubauen. Einzelne Abschnitte haben echtes Verstörungspotenzial. Besonders die Momente, die sich um den Sitcom-Affen Gordy und Ricky Park (Steven Yeun) drehen, der in der Nähe des Haywoods-Anwesens eine Westernattraktion betreibt und seine traumatische Vergangenheit als Kinderstar gewinnbringend auszuschlachten versucht. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass eben dieser Nebenstrang einen spannenderen Hauptplot abgegeben hätte als die Erlebnisse von OJ, Em und dem ihnen unter die Arme greifenden Technikexperten Angel Torres (Brandon Perea).
 
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Auch wenn der sich zu einem Horror-Science-Fiction-Mix entwickelnde Film einen reizvollen Monsterlook zu bieten hat und den Zuschauer in der zweiten Hälfte mit einem krachenden Sounddesign zu überraschen weiß, wird es nur selten richtig unheimlich. Nicht ganz so konsequent und kraftvoll verbindet der Regisseur in diesem Fall zudem seine Geschichte mit kritischen Reflexionen. Ins Visier nimmt Peele unverkennbar den Drang nach Geltung in unserer zunehmend digital geprägten Gesellschaft, den Hunger auf Spektakelimpressionen und die ausbeuterischen Mechanismen der Unterhaltungsindustrie. Zweifellos fruchtbare Diskussionspunkte, die allerdings etwas verwässert daherkommen. Merkwürdig ist beispielsweise, warum das Drehbuch mit seinen dem großen Knüller, den unglaublichen Aufnahmen nachjagenden Protagonisten verhältnismäßig gnädig umgeht.
 
„Nope“ hat seine Schwächen, reicht nicht an die beiden Vorgängerfilme heran, strahlt aber dennoch weitaus mehr Originalität aus als viele andere Beiträge aus dem Horror-, Mystery- und Science-Fiction-Bereich. Festmachen lässt sich dies auch sehr gut am Finale, das mit seinen wuchtig-innovativen, zum Teil herrlich bizarren Bildern geradezu nach einer großen Leinwand schreit. Ein Peele mit Macken ist immer noch ein Ereignis!
 
Fazit
 
Der Scifi-Grusler „Nope“ mag Jordan Peeles bislang schwächster Film sein, besitzt jedoch genügend Eigenständigkeit und Ausdruckskraft, um sich der Kategorie „Enttäuschung“ zu entziehen.
 
 
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