Wenn Simon Verhoeven sich realen Stoffen widmet, zeigt er regelmäßig ein feines Gespür für persönliche Brüche und emotionale Wahrhaftigkeit. Bereits mit seinem Film über die Popgeschichte von Milli Vanilli bewies er, dass ihn Biografien weniger als Abfolge von Fakten interessieren, sondern als Innenansichten von Menschen in Ausnahmesituationen.
Mit der Verfilmung von Joachim Meyerhoffs autobiografischem Roman „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ setzt er diesen Ansatz fort und rückt einen jungen Mann in den Mittelpunkt, der auf der Suche nach sich selbst ist – zwischen familiärer Vergangenheit, künstlerischem Anspruch und der Angst, nicht zu genügen.
Ein Leben auf der Bühne
Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Verlust. Nach dem Tod seines Bruders fasst Joachim einen folgenreichen Entschluss: Er will Schauspieler werden, so wie einst seine Großmutter. Was zunächst wie eine Flucht wirkt, entpuppt sich bald als existenzieller Versuch, dem eigenen Leben eine Richtung zu geben. Joachim bewirbt sich an einer renommierten Schauspielschule in München und wird tatsächlich zum Vorsprechen eingeladen. Gegen alle Zweifel wird er angenommen – doch damit beginnen die eigentlichen Probleme erst. Die Anforderungen des Studiums überfordern ihn, jede Übung wird zur Hürde, jede Aufgabe zur Bewährungsprobe. Während seine Kommilitonen scheinbar mühelos loslassen, scheitert Joachim immer wieder an sich selbst.
Parallel dazu lebt er bei seinen Großeltern, zwei ebenso exzentrischen wie liebevollen Menschen, deren Alltag von Ritualen, Eigenheiten und nicht zuletzt einem großzügigen Umgang mit Alkohol geprägt ist. In diesem Haushalt, der gleichermaßen Geborgenheit wie Überforderung bedeutet, prallen Generationen, Lebensentwürfe und emotionale Altlasten aufeinander. Joachim beobachtet, erinnert sich, schreibt auf – und versucht, Ordnung in ein Innenleben zu bringen, das von Trauer, Unsicherheit und einem diffusen Gefühl des Nicht-Dazugehörens bestimmt ist.