Mit ihrem Film legt Maggie Gyllenhaal eine eigenständige, zeitgenössische Interpretation von James Whales Klassiker FRANKENSTEINS BRAUT aus dem Jahr 1935 vor, macht aber etwas gänzlich Eigenes daraus. Herausgekommen ist ein Film, der etwas Theatralisches hat, was der Geschichte, aber auch der Vorlage mehr als gerecht wird.
Chicago
Im Chicago der 1930er Jahre sucht Frankensteins Monster die Hilfe der exzentrischen Wissenschaftlerin Dr. Euphronius. Sein Ziel: nicht länger allein zu sein. Gemeinsam wagen sie ein gewagtes Experiment und holen eine ermordete Frau aus dem Tod zurück, damit sie ihm als Gefährtin dienen kann. Doch die Wiederbelebung hat Folgen, die niemand vorhergesehen hat. Zwischen Monster und Braut entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung, während die Polizei auf den Plan tritt und das Ereignis die gesellschaftlichen Verhältnisse der Stadt erschüttert.
Eigenständige Neuinterpretation
Gyllenhaals Version bewegt sich stilistisch zwischen verschiedenen Genres. Manche Szenen erinnern an Theaterinszenierungen, andere schlagen bewusst experimentelle Wege ein – etwa wenn Mary Shelley aus dem Reich der Toten mit der Braut spricht.
Gleichzeitig beschwört der Film die Ästhetik der Dreißigerjahre herauf und überrascht sogar mit einer eindrucksvollen Tanzeinlage, die beinahe überdreht wirkt, ohne jedoch den Rahmen zu sprengen. Immer wieder balanciert Gyllenhaal diese stilistischen Ausschläge aus und formt unter ihrer sicheren Regie eine bemerkenswert geschlossene Vision.
Ein Film über Selbstbestimmung
Für Gyllenhaal steckt in der Geschichte mehr, als es zunächst scheint. In einem Interview erklärte sie, dass sich ihr Film auch mit dem Thema Einvernehmlichkeit beschäftigt. Der Braut wird diese nämlich verwehrt: Sie wird nach ihrem Tod zurück ins Leben gezwungen, ohne gefragt zu werden, ob sie überhaupt existieren oder jemandes Partnerin sein möchte. Zwar könne man argumentieren, dass niemand um seine Geburt gebeten habe, so Gyllenhaal – doch im Fall der Braut sei die Situation anders, weil sie mit einem klaren Zweck erschaffen werde.
Der Film greift dieses Motiv auf und entwickelt daraus eine ungewöhnliche Perspektive. Zwar gab es nach FRANKENSTEINS BRAUT bereits weitere Interpretationen der Figur – etwa DIE BRAUT aus den frühen 1980er Jahren mit Jennifer Beals und Sting –, doch diese blieben stark vom männlichen Blick geprägt. Erst Gyllenhaals Version stellt die Figur wirklich ins Zentrum ihrer eigenen Geschichte.
Ihr Film zeichnet ein Frauenbild, das von Selbstbestimmung geprägt ist: unabhängig, leidenschaftlich und voller Lebenslust. Die Beziehung zwischen der Braut und Frank – so nennt sich das Monster – entsteht nicht aus Vorbestimmung, sondern aus einer emotionalen Dynamik, die später infrage gestellt wird, als die Braut beginnt, über ihr früheres Leben nachzudenken.
Herausragendes Ensemble
Die Rolle der Braut übernimmt Jessie Buckley, eine der profiliertesten britischen Schauspielerinnen ihrer Generation. Sie wurde bereits für den Oscar nominiert und steht auch für ihre Leistung in HAMNET erneut auf der Kandidatenliste. Buckley verleiht der Figur große Intensität und wird zur treibenden Kraft der Geschichte.
Das Monster spielt Christian Bale, der erneut eine seiner typischen, körperlich wie emotional intensiven Darstellungen liefert. Zum Ensemble gehören außerdem Penélope Cruz, Annette Bening, Jake Gyllenhaal und Peter Sarsgaard, der privat mit Maggie Gyllenhaal verheiratet ist.
Fazit
Der Film ist ein überbordendes Werk, feministisch in seiner Aussage, geprägt von der klaren Vision einer Künstlerin, die in dem Stoff mehr sah, als bisher daraus gemacht wurde. Zugleich ist THE BRIDE! ein Zitatenschatz, der Theater, Film und gesellschaftliches Leben aufgreift, miteinander kombiniert und etwas ganz Neues daraus entstehen lässt.
Gyllenhaal gelingt es damit knapp 100 Jahre nach James Whales FRANKENSTEINS BRAUT die Geschichte auf eine geradezu einzigartige Weise zu erzählen – als einen Stoff, der zwar in der Vergangenheit spielt, aber nicht moderner sein könnte.