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Kritik: Michael

 
sub kritik
 
Autoren: Melanie Fibich / Tobias Landmann
 
Kann der King of Pop auch zum King of Kino werden? Das Michael Jackson Biopic macht ordentlich Lärm…
 
Die Entstehung einer Legende
 
Der junge Michael soll mit vier seiner Brüder als „Jackson 5“ eine Musikkarriere starten. Der Vater und Manager drängt seine Söhne an ihre Grenzen zu gehen, um den Traum vom Reichtum zu ermöglichen. Als die Gruppe tatsächlich berühmt wird und immer größere Locations bespielt, fängt Michael an über seine Eigenständigkeit nachzudenken. Schon bald will er sich von seinen Brüdern trennen und eine Solo Karriere starten, die weltweit Anklang findet. Doch was passiert hinter den Kulissen des Aufstiegs zum King of Pop?
 
Es bleibt in der Familie
 
Jaafar Jackson spielt seinen Onkel Michael sehr überzeugend. Immer wieder tun sich Kamerawinkel auf, in denen die beiden sich tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sind. Seine Stimme im Original ist zu Beginn erstmal sehr gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich extrem nah an Michaels echter Stimmlage. Besonders stechen die Performances heraus, in denen Jaafar die typischen Michael-Moves tanzt, denn hier stimmt absolut jede Bewegung. Man wird gerade zu gefesselt und will keine Sekunde verpassen.
 
Junges und altbekanntes Talent
 
Auch Michaels jüngere Version, gespielt vom aktuell 12 Jährigen Juliano Valdi ist wirklich gut gelungen. Sowohl die dramatischen Szenen, als auch die Auftritte vor Publikum, werden durch Julianos aufgewertet, denn trotz seines Alters spielt er mit viel Selbstbewusstsein und Talent.
 
Colman Domingo durfte in die Rolle des Vaters schlüpfen und damit quasi in die Antagonisten Rolle, denn er ist der unberechenbare, psychologische Terrorist im Film. Neben Domingo ist auch der Security Mann von Michael, gespielt von KeiLyn Durrel Jones, ein großes Highlight, denn die beiden Charaktere bringen insgesamt am meisten Emotionen ein und machen Michael um einiges menschlicher.
 
 
Die Schattenseiten
 
Die Schwestern von Michael werden quasi komplett ignoriert und sind kaum wahrnehmbar. So wird Janet Jackson, die unter Anderem am Thriller Album mitgearbeitet hatte, nicht einmal erwähnt. Auch die eigentlich relevanten Brüder verfallen in den Hintergrund und bleiben flache Neben-Charaktere.
 
Die schlechteste Schauspielleistung kommt aber definitiv aus dem Konzert-Publikum, denn dieses ist extrem unrealistisch und unangenehm anzuschauen. Jeder der „Fans“ sieht aus, als wenn er aus dem Jahr 2026 stammt und genau weiß, was ein Smartphone ist, was die Illusion des Filmes andauernd bricht. Insgesamt ist das Schauspiel jedoch bei keiner Rolle herausragend. Selbst die eigentlich wichtige Rolle der Mutter, bleibt flach, was aber auch auf die Qualität der gegebenen Dialoge rückführbar ist.
 
Es hat so gut angefangen…
 
Der Film beginnt erstmal sehr hypnotisch und zeigt uns den einzigen Konzert Moment in dem wirklich eine gute Atmosphäre aufgebaut wird…denn hier werden die Fans auch nicht gezeigt sondern nur durch Sound dargestellt. Seine Kindheit, die wir in der ersten Filmhälfte verfolgen, erklärt natürlich warum Michael so ist, wie er ist.
 
Dank dieser Einleitung ist der Film auch für Nicht-Hardcore Fans sehr verständlich und nachvollziehbar. Nach der Jackson 5 Zeit wiederholt sich die Geschichte jedoch quasi nur noch und der Kampf, um seine Selbstständigkeit nimmt den gesamten Plot ein. Dadurch wird die Geschichte ab der Hälfte eher zäh und man trauert um die Spielzeit die besser hätte genutzt werden können. Auch die Songs nehmen viel Zeit ein, jedoch machen diese im Kino auch wirklich richtig Spaß.
 
Sicherheitsabstand
 
Die Dialoge werden zu keinem Zeitpunkt wirklich tiefgründig und kratzen nur an der Oberfläche. Vor allem Michael gibt kaum Anhaltspunkte zu seiner Gedankenwelt, weil er sich fast nie jemandem anvertraut und wenn er dies tut, driften seine Gesprächspartner schnell vom Thema ab. Natürlich war Michael als Person nie super gesprächig und wollte gerne mysteriös bleiben, jedoch geht das Publikum ja gerade in diesen Film, um doch mal hinter Michaels Fassade zu schauen und mit ihm mitzufühlen.
 
Dafür wird jedoch kein Platz geboten und es wird durchgehend ein Abstand zu Michaels Gefühlen und Gedanken gewahrt. Dieser Abstand lässt Michael etwas befremdlich wirken, was dem Original eben aber auch tatsächlich gerecht wird. Auch die Einleitung von Jacksons zahlreichen unangemessenen Haustieren wirkt überaus unsympathisch, spiegelt jedoch auch hier die Realität wieder.
 
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Falsche Prioritäten
 
Statt wirklich langer Konzertszenen und einigen unnötigen anderen Momenten, wäre es viel schöner gewesen mehr Zeit mit Michael alleine zu verbringen und zu sehen, wie er seine Songtexte schreibt oder den Weg zu seinem einzigartigen Style findet. Eine Shoppingtour oder ein Gespräch mit einem Modedesigner wären da wesentlich spannender gewesen. Dazu kommt, dass auch seine Religiosität kaum erwähnt wird, obwohl diese ihn stark motiviert hatte.
 
Dieser Punkt hätte mehr Einblick in seinen Charakter gegeben und sein Wesen deutlicher gemacht. Die Produktion vom Klassiker-Album „Bad“ wurde komplett ausgelassen, genauso wie die Anschuldigungen gegen ihn. Stattdessen wurde er ohne jegliche Kritik mit Kindern zusammen präsentiert. Eine Begründung dafür ist, dass es nach dem Dreh rechtliche Probleme gab und Einiges neu gefilmt werden musste, wo laut Gerüchten auch die Anschuldigungen rausgefallen sind. Vielleicht werden diese Lücken jedoch im zweiten Teil gefüllt, denn das wäre dringend nötig.
 
Die Wahrheit?
 
Nicht alles ist schlecht, denn einige schöne Details wie beispielsweise seine Liebe zu Disney und Charlie Chaplin oder seine extravaganten Essgewohnheiten werden passend eingebaut. Wie wahrheitsgetreu die ganze Darstellung von Michaels Leben ist, bleibt jedoch trotzdem fraglich und sollte mit kritischem Auge betrachtet werden, denn nicht nur rechtliche Probleme, sondern auch der Einfluss der Familie auf den Film, haben das Ergebnis vermutlich beeinflusst. Wer also faktenbasiert etwas über Michaels Geschichte lernen möchte, sollte eher andere Quellen heranziehen. 
 
Die Sonnenseiten
 
Eins muss gesagt werden: Die Musik ist immer noch ein Kracher und macht extrem viel Spaß im Kinosaal. Daher wird der Film wohl auch sehr laut gezeigt und befindet sich gerade so an der Grenze, wo es in den Ohren wehtut. Wenn die Stühle jedoch zu „Beat it“ vibrieren, hat man das Gefühl, dass es sich dafür lohnt. Auch das Bild sticht heraus durch wunderschönes Colour Grading und tolle Farben, die besonders in Michaels Kindheit mit goldenen Tönen auffallen.
 
Einige Szenen wirken jedoch zu perfekt, denn ein paar weniger glatte Bilder hätten auf jeden Fall positiv zur Nahbarkeit beigetragen. Wenn wir Michael jedoch mal mit der Kamera näher kommen, wird sichtbar, dass die Maske eine gute Arbeit geleistet hat und Jaafar äußerlich so nah wie möglich an Michael gebracht hat. Auch die Filmsets wirken zeitgetreu und sehr liebevoll kuratiert.
 
Fazit
 
Michael ist ein sehr mittelmäßiges Biopic. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gerade atemberaubend. Es ist eher für Publikum produziert, dass Michael Jackson nicht bis ins Detail kannte und einfach nur Lust auf seine Musik hat. Trotzdem wird besonders jetzt der Ausblick auf einen zweiten Teil sehr interessant, denn es gibt einige wirklich spannende Inhaltslücken die gefüllt werden wollen. 
 
 
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