Sokolov inszeniert vor allem dramatische Szenen leider sehr ungeschickt und plump. So lässt er es in ganz unterschiedlichen Szenen die über einem Zeitraum von mehreren Jahren an verschiedenen Orten der USA spielen, immer in Strömen regen, weil er seinem Publikum nicht zutraut, die Tragik und/oder Dramatik dieser Szenen zu erfassen. Und das Ausschalten von Deckenlampen erzeugt Geräusche wie zuschlagende Bunkertüren, damit das Publikum auch auf jeden Fall die Bedrohung der plötzlichen Dunkelheit erfassen kann.
Die Actionszenen mit all ihren Verstümmelungen sind dann durchaus flott und unterhaltsam gestaltet. In diesen Szenen lässt auch das Drehbuch von Sokolov und Co-Autor Alex Litvak („Predators“) durchaus originelle, visuelle Einfälle erkennen. Ich will nicht zu viel verraten. Aber selten wurden die Regenerationskräfte von Unsterblichen witziger umgesetzt, etwa wenn eine Enthauptete sich trotz offensichtlicher Einschränkungen nicht von der Jagd abhalten lässt und sie die Situation in weiterer Folge auf höchst kreative Art und Weise trotzdem im Auge behält.
Just a flesh wound
Für eine gelungene Quentin Tarantino/Robert Rodruigez-Kopie braucht es aber vor allem witzige Dialoge. Gewaltpornographie ohne unterhaltsame One-Liner hinterlässt leider immer einen fahlen Nachgeschmack. Hier vermag „They will kill you“ leider gar nicht zu punkten. Wie jedem Präpubertierenden hätte auch Sokolov und Litvak irgendjemand erklären müssen, dass Vulgärsprache alleine noch nicht witzig ist. Abgesehen von einer wirklich köstlichen Bemerkung beim Anblick einer Orgie und einem der berühmtesten Zitate aus „Die Ritter der Kokosnuss“ hat dieser Film nur wenig Wortwitz zu bieten.
Dafür dürfen die verschiedenen Darsteller*innen immer und immer wieder im Dialog erklären, was keinerlei Erklärung bedarf. So kompliziert ist diese ganze Gewaltpornographie nun wieder auch nicht. Wenn am Ende dann noch eine ohnehin vorhersehbare visuelle Pointe im Dialog erläutert wird, ist das längst zu viel des Guten. Die behäbige Inszenierung dieser ewigen Erklärungen beeinträchtigt nicht nur die Leistung der sonst so großartigen Patricia Arquette (Oscar für „Boyhood“). Man könnte fast sagen, Frau Arquette redet sich im Verlauf des Films um (Schweine-)Kopf und Kragen.
Und auch seine anderen Nebendarsteller*innen weiß Kirill Sokolov nicht richtig einzusetzen. Eine junge Darstellerin namens Myha’la Herrold bemüht sich als jüngere Schwester der Heldin. Aber weder sie noch Paterson Joseph („Wonka“) erreichen das Publikum emotional. Tom Felton, unser aller Lieblings-Schnösel aus dieser Serie um eine schwer zu erreichende Internatsschule, kann uns in diesem Film nicht einmal eine negative emotionale Reaktion entlocken.
Bitte beachten: Heather Graham spielt in diesem Film mit. Der Star aus Filmen wie „Boogie Nights“ oder „Hangover“ spielt in „They will kill you“ mit. Das ist eine wichtige Information für alle Filmfans, weil man die Dame mittlerweile leider bereits vor den vielen Verstümmelungen, die ihre Figur im Film erleidet, kaum noch zu erkennen vermag.
Das mit weitem Abstand größte Plus dieses Films ist sicher Hauptdarstellerin Zazie Beetz. Diese Darstellerin fiel vor einigen Jahren in „Deadpool 2“ erstmals positiv auf, bevor ihre Leistung noch das Beste am überschätzten „Joker“ war. Leider war sie seither vor allem in recht schwachen Rollen in Filmen wie „Bullet Train“ oder zuletzt in „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ zu sehen. Sollte „They will kill you“ gerade genug Geld einspielen, um die offensichtlich ohnehin bereits geplante Fortsetzung zu gewährleisten, dann wäre das allein Zazie Beetz‘ Verdienst.
Was Zazie Beetz aus ihrer wirklich lächerlichen Rolle macht und wie darüber hinaus spielt, wie sie immer wieder das Zentrum des Geschehens bildet und die Blicke der Kamera und des Publikums auf sich zieht, wie sie ihre Figur sich durch dieses Höllenhaus kämpfen lässt, während sie selbst sich mit eiserner Entschlossenheit durch diesen extrem mittelmäßigen Film kämpft, das alles macht „They will kill you“ dann doch noch ein bisschen sehenswert.