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Kritik: Hoppers

 
sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Der neue Film der Pixar Animation Studios bietet Filmfans ein einschneidendes Erlebnis, über das sie noch lange sprechen können ….
 
Fahren Sie los! Rakete!
 
Aus der Einladung zur Pressevorführung: „In HOPPERS haben Wissenschaftler entdeckt, wie man menschliches Bewusstsein in lebensechte Robotertiere „hüpfen“ lassen kann, so dass Menschen mit Tieren als Tieren kommunizieren können! Mit Hilfe der neuen Technologie entdeckt Mabel Geheimnisse in der Tierwelt, die alles übertreffen, was sie sich je hätte vorstellen können.
 
Ein Vorteil des Alters ist es, dass man, wenn einem wirklich gar kein anderes Gesprächsthema mehr einfällt, immer noch über den eigenen kleinen Bezug zu historischen Ereignissen erzählen kann. Guido Knopp hat vor einem Vierteljahrhundert ein Vermögen damit gemacht, Greise vor einem dunklen Hintergrund plaudern zu lassen. Aber selbst wenn man nicht hauptberuflich damit beschäftigt ist, das Dritte Reich als unerschöpflichen Quell von Anekdoten zu bagatellisieren, kann man – je nach Alter – darüber erzählen, wo man war als Kennedy erschossen wurde (vor meiner Zeit), oder als die Mauer fiel (daheim vor dem Fernseher), oder als die Flugzeuge ins World Trade Center krachten (im Büro, damals war man dort noch aufs Radio als Informationsquelle angewiesen).
 
Das funktioniert auch mit Filmgeschichte. Ich weiß noch, wo ich den ersten Trailer für „Star Wars: Episode 1“ gesehen habe, dem ersten Star Wars-Film nach 16 Jahren Pause (auf einem winzigen Röhrenmonitor, nach einer download-Zeit von gut 30 Minuten). Apropos, 16 Jahre Pause; ich kann mich noch erinnern, wie meine Begleitung reagiert hat, als ich nach „Rocky Balboa“ erstmal geweint habe. Und natürlich weiß ich noch, wie ich vor mehr als dreißig Jahren „Toy Story“, den ersten Spielfilm von Pixar, gesehen habe und Zeuge des Beginns einer Ära war. Einige Jahre später war „Monster AG“ der erste Pixar-Film, den ich mit meinen kleinen Töchtern gesehen habe. Es folgten „Findet Nemo“, „Die Unglaublichen“ „Cars“ und so weiter.
 
 
Für meine Kinder waren die verschiedenen Filme aus dem Studio mit der Lampe immer die Höhepunkte des jeweiligen Kinojahres. Für mich waren sie Meisterwerke. „WALL·E“ ist und bleibt einer der besten und originellsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten. Die ersten 10 Minuten von „Oben“ brachen mir das Herz und die folgenden 85 Minuten ließen es wieder heilen. „Alles steht Kopf“ brachte mich nicht nur meinen Töchtern näher, sondern auch dem Kind, das ich selbst vor langer Zeit war.
 
Die Pixar Animation Studios waren lange Zeit das einzige Filmstudio, das noch nie einen schlechten Film gemacht hatte. Natürlich produzierte das Unternehmen nicht nur Meisterwerke. Aber selbst seine schwächeren Produktionen lagen nicht nur qualitativ weit über dem Durchschnitt, sie erzählten auch immer eine originelle, interessante Geschichte und vermittelten eine Botschaft, über die man noch lange nachdenken oder sich mit seinen Kindern unterhalten konnte. In „Cars 3“ konnte man erfahren, dass Familie auch etwas mit Verantwortung teilen und abgeben zu tun hat. In „Toy Story 4“ ging es darum, dass man nicht sein ganzes Leben nur für sein Kind da sein muss, sondern irgendwann auch ein eigenes Leben führen darf.
 
„Hoppers“ erzählt keine originelle und interessante Geschichte. Tatsächlich bin ich nicht sicher, ob das, was dieses konfuse Wirrwarr von einigen passablen und etlichen schwachen Scherzchen mit für kleinere Kinder unpassenden Action-Szenen verknüpft, überhaupt als „Geschichte“ zu bezeichnen ist. Falls dieser Film jemals so etwas wie eine Botschaft gehabt haben sollte, wurde sie vermutlich bereits während der ersten von sehr vielen hektischen Überarbeitungen aus dem Drehbuch gestrichen.
 
Regisseur und Co-Autor Daniel Chong hat in diesen Funktionen bisher nur an einer mir unbekannten Fernsehserie namens „We Bare Bears“ mitgearbeitet. Aber der zweite Co-Autor, Jesse Andrews, hat unter anderem an den Drehbüchern zu „Luca“ und „Elio“ mitgeschrieben, zwei Pixar-Filmen mit witzigen, originellen Geschichten und sympathischen Hauptfiguren. Und Executive Producer Pete Docter war als Autor und/oder Regisseur für viele Pixar-Meisterwerke von „Toy Story“ über „Alles steht Kopf“ bis „Soul“ verantwortlich, alles Filme mit großartigen, nachvollziehbaren Protagonisten.
 
Das ist überhaupt nicht wie „Avatar“! Wie kann uns Pixar nun also seinen ersten Spielfilm mit einer komplett unsympathischen Hauptfigur präsentieren, die keinerlei erkennbaren eigenen Charakter hat und nur getrieben von den Notwendigkeiten des Drehbuchs, hysterisch und wütend von einer abstrusen Situation in die nächste stürzt? Wie können wir hier in einem Pixar-Film jede Menge unergiebige Nebenfiguren sehen, die nur für ein oder zwei lahme Gags gut sind? Zu sagen, die Handlungen der Figuren würden keinen Sinn ergeben, wäre untertrieben. Die Figuren selbst ergeben samt und sonders keinen Sinn!
 
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Die besten Pixar-Filme regen Kinder und Erwachsene dazu an, sich interessante Fragen zu stellen. Die Fragen die man sich nach „HOPPERS“ stellt lauten u.a.: Was soll das alles? Warum ist der Biber der König der Säugetiere? WTF? Warum haben Gänse gruselige Zähne? Warum sind so viele Tiere auf selbstzerstörerische Art und Weise blutrünstig? Habe ich eben gesehen, wie die Heldin ganz nebenbei ein Tier getötet hat? WTF? Sind die Tiere jetzt also die Bösen? Warum ist die Heldin nicht auf Ritalin? Interessiert es weder die Figuren im Film noch die Filmemacher, dass der Hai seinen Kamikaze-Angriff nicht überlebt hat? Wieviel Tiere und vielleicht sogar Menschen sind im Verlauf der Handlung draufgegangen? Nochmal WTF? Ernsthaft, warum ist die Heldin nicht in psychiatrischer Behandlung? Sorry, aber WTF?
 
Es gibt Filme, die es nicht schaffen, ihrer eigenen internen Logik zu folgen (etwa wenn wir akzeptieren sollen, dass Godzilla so groß ist wie ein Wolkenkratzer, sich aber in einem U-Bahntunnel verstecken kann oder dass die Aliens in „Signs“ ein Problem mit Wasser haben und daher auf dem einzigen Planeten weit und breit landen, der damit bedeckt ist). Dann gibt es WTF-Moments, die nur die Rat- und Hilflosigkeit der Filmemacher verdeutlichen (wie z.B. die Mutter in „Orphan: First Kill“ oder die hanebüchene Rückkehr von Chris Pine in „Wonder Woman 1984“). Und dann gibt es diese inkohärente Abfolge von unsinnigen Szenen, die nun unter dem Namen „HOPPERS“ im Kino läuft. Nichts an diesem Film ergibt Sinn. Nichts wirkt, als hätte irgendjemand sich länger als Zwanzig Sekunden mit der Story beschäftigt.
 
Natürlich ist der Film in technischer Hinsicht gut gemacht. Er vermittelt aber niemals auch nur einen einzigen Moment lang die visuelle Ausdruckskraft, für die Pixar berühmt ist. Man möchte und kann nichts an „Hoppers“ mit Bildern wie dem Abgrund in „Findet Nemo“, den Klippen in „Oben“, dem Jenseits in „Coco“ oder der vermüllten, verlassenen Erde und der Weite des Weltraums in „WALL·E“ vergleichen. Dieser Film bietet uns nicht einmal etwas, das mit den Lichtern in dem Antiquitätenladen in „Toy Story 4“ vergleichbar wäre. Dieser Film hat visuell nicht mehr zu bieten als irgendeine beliebige Produktion irgendeines Filmstudios, das nun auch Animationsfilme für Kinder macht.
 
Zur impulsgesteuerten Antriebslosigkeit des ganzen Projekts passt auch die uninspirierte Synchronisation. Im Original geben eine Auswahl guter, aber nicht überragender Schauspieler laue Scherzchen zum Besten. Für die deutsche Fassung hat man sich nicht einmal so viel Mühe geben wollen und daher sowohl Martina Hill als auch Max Giermann gleich jeweils zwei verschiedene Sprechrollen gegeben. Die Verpflichtung der alten Dame, die seit Jahrzehnten im Privatfernsehen Teenager quält, in einer Rolle, die nur in der deutschen Version „Hai-Di“ heißt, verdeutlicht, wie wenig Mühe man sich mit diesem Werk geben wollte.
 
Fazit
 
Filmfans, die sich und ihren Kindern Karten für „HOPPERS“ kaufen, haben die einmalige Gelegenheit, Filmgeschichte zu erleben. Sie werden später davon berichten können, wo sie waren als man bei Pixar Animation Studios das Interesse an witzigen, originellen Geschichten und visuell beeindruckenden Filmen verloren hat. Sie werden sagen können, sie waren dabei, als Pixar einfach keinen Bock mehr hatte.
 
 
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