Es grenzt fast an ein Wunder, dass MASTERS OF THE UNIVERSE tatsächlich den Weg zurück auf die große Leinwand gefunden hat. Über beinahe zwei Jahrzehnte hinweg befand sich das Projekt in einer jener berüchtigten Entwicklungsphasen, die in Hollywood als „Development Hell“ bekannt sind.
Zahlreiche Studios, Produzenten, Autoren und Regisseure versuchten sich daran, He-Man für ein modernes Kinopublikum neu zu erfinden – ohne Erfolg.
Bereits 2007 kursierten Berichte über eine mögliche Verfilmung unter der Regie von John Woo. Daraus wurde jedoch nie mehr als ein Gedankenspiel. Nachdem die Rechte wieder an Mattel zurückgefallen waren, übernahm Sony Pictures das Projekt. Es folgte eine lange Reihe von Neustarts. Namen wie Jon M. Chu, Terry Rossio, McG oder David S. Goyer wurden mit dem Film in Verbindung gebracht. Goyer entwickelte zeitweise sogar eine aufwendige Fantasy-Version, die stilistisch eher an DER HERR DER RINGE als an einen klassischen Spielzeugfilm erinnerte. Die enormen Produktionskosten verhinderten jedoch die Umsetzung.
Eternia-Erde-Eternia
Tatsächlich beginnt die Geschichte auf Eternia. Der junge Adam kämpft mit den Erwartungen seines Vaters König Randor und tut sich schwer, die Rolle des künftigen Herrschers auszufüllen. Als Skeletor und seine Streitkräfte Eternos angreifen, gerät das Schwert der Macht ins Zentrum eines Konflikts, der über das Schicksal des gesamten Planeten entscheidet. Um die Waffe vor dem Bösewicht zu schützen, wird Adam auf die Erde geschickt.
Dort verliert er das Schwert und verbringt viele Jahre damit, nach seiner Herkunft und seiner Bestimmung zu suchen. Erst als das legendäre Artefakt wieder auftaucht, beginnt seine eigentliche Reise zum Helden.
Lang, aber kurzweilig
Die Skepsis vieler Fans war groß. Der einzige bisherige Realfilm aus dem Jahr 1987 mit Dolph Lundgren genießt zwar Kultstatus, gilt aber zugleich als abschreckendes Beispiel. Statt Eternia spielte ein Großteil der Handlung auf der Erde, was bei vielen Anhängern bis heute für Unmut sorgt. Als bekannt wurde, dass auch die neue Verfilmung Prinz Adam teilweise auf die Erde verfrachten würde, wurden schnell Erinnerungen an den damaligen Fehlschlag wach.
Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden setzt der Film auf großes Abenteuerkino. Die Mischung aus Fantasy, Science-Fiction und Action erinnert immer wieder an die Wurzeln der Marke, wirkt dabei aber erstaunlich modern. Besonders auffällig ist der Umgang mit Humor. Während viele aktuelle Blockbuster Schwierigkeiten haben, ernste Momente und komödiantische Einlagen miteinander zu verbinden, gelingt hier häufig genau dieser Balanceakt.
Der Film scheut sich nicht vor Pathos, nimmt sich aber gleichzeitig nie zu ernst. Heroische Auftritte, dramatische Konfrontationen und klassische Fantasy-Motive werden immer wieder mit kleinen humorvollen Spitzen aufgelockert. Dabei verlieren die emotionalen Szenen jedoch nicht an Wirkung. Wenn Figuren Opfer bringen oder tragische Verluste erleiden, bleibt die emotionale Fallhöhe erhalten.
Drei Nachspannsequenzen
Besonders profitiert der Film von seinem Gegenspieler. Skeletor gehört zu den stärksten Figuren der Geschichte. Er ist nicht nur eine permanente Bedrohung für Eternia, sondern besitzt auch eine gewisse Selbstironie, die ihn von vielen modernen Standard-Schurken abhebt. Seine Auftritte gehören regelmäßig zu den Höhepunkten des Films.
Gleichzeitig zeigt die Verfilmung großen Respekt vor der Zeichentrickserie der Achtzigerjahre. Zahlreiche Figuren, Anspielungen und visuelle Ideen stammen direkt aus dem klassischen Vorbild. Dennoch verlässt sich der Film nicht ausschließlich auf Nostalgie. Stattdessen nutzt er bekannte Elemente als Fundament für eine Neuinterpretation, die auch Zuschauer ohne Vorkenntnisse problemlos verstehen können.
Natürlich dürfen auch Hinweise auf mögliche Fortsetzungen nicht fehlen. Mehrere Nachspannszenen erweitern die Welt von Eternia, führen neue Figuren ein und legen den Grundstein für weitere Abenteuer. Einige davon wirken wie direkte Vorbereitungen auf ein Sequel, andere deuten sogar mögliche Spin-offs an.
Fazit
MASTERS OF THE UNIVERSE gelingt das Kunststück, sowohl langjährige Fans als auch Neueinsteiger anzusprechen. Der Film versteht die Faszination der Vorlage, kopiert sie aber nicht einfach. Stattdessen entsteht ein unterhaltsames Fantasy-Abenteuer, das den Grundstein für ein größeres Franchise legen könnte – und nach all den gescheiterten Versuchen der vergangenen Jahrzehnte ist allein das bereits eine bemerkenswerte Leistung.