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Kritik: The Piano Tuner

 
sub kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Nicht wenige haben THE PIANO TUNER mit BABY DRIVER verglichen. Doch dabei sollte man vorsichtig sein, denn während Edgar Wrights Film über den Fahrer coole Actioneinlagen enthält, ist der Film über den Klavierstimmer eher ein Drama, garniert mit ein paar Heist-Movie-Elementen. Wirklich spannend wird der Film aber nie.
 
Das richtige Gehör
 
Niki White (Leo Woodall) hat ein sehr sensibles Gehör. Darum ist er in seinem Job, dem Stimmen von Klavieren, auch so gut. Aber das echte Leben macht ihm immer wieder zu schaffen, weil laute Geräusche wie Donnerschläge auf ihn einprasseln. Bei einem Job muss er noch spätabends arbeiten, da erst dann Ruhe im Haus herrscht, wenn niemand mehr da ist. Als er etwas im Obergeschoss hört, investigiert er und findet eine Bande, die daran scheitert, den Tresor zu öffnen. Für Niki ist das eine Leichtigkeit und ihm wird ein gut bezahlter, natürlich nicht legaler Job angeboten.
 
Um sich selbstständig zu machen, sucht er nach Krediten an, aber keine Bank will ihm einen gewähren. Darum nimmt er den Job bei den Safeknackern an. Eigentlich eine sichere Sache, denn sie sind Teil einer Sicherheitsfirma, die nur in Häuser einsteigt, bei denen sie genau weiß, dass niemand da ist, und nur wenige Wertgegenstände entwendet. Die, die eh kaum einer vermisst. Aber dennoch beginnt Nikis Leben zu entgleisen …
 
 
Langsam erzählt
 
Die Idee ist an sich ganz gut, die Umsetzung macht aber nichts daraus. Dass Niki die Geräusche des Alltags quälen wird wieder und wieder durchgekaut, der Job als Klavierstimmer nimmt wieder und wieder das Hauptaugenmerk ein, erst nach einer ganzen Weile beginnt die eigentliche Geschichte, und dann hat man im Grunde schon das Interesse verloren. Weil die Figuren auch nicht besonders filigran gestaltet sind. Leo Woodall müht sich, aber auch er kann nicht mehr bieten, als das Skript hergibt.
 
Schauspielerisch ist darum Dustin Hoffman ein Lichtblick, denn in seiner Nebenrolle als Nikkis Mentor ist er schön unangepasst, ein bisschen frech, sehr eigensinnig, kurz: überraschend vielschichtig. Als Drama mit einer stärkeren Konzentration auf Nikki und seinen Mentor hätte THE PIANO TUNER vielleicht funktioniert, als Heist-Movie bleibt er weit unter seinen Möglichkeiten.
 
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Wo ist die Spannung?
 
Die Vorbereitung eines großen Dings, der filigrane Plan, der erst ausgeklügelt und dann durchgeführt werden muss, die Spannung, die mit diesem Kontrast – dem Anspruch und der Umsetzung – umgeht, all das ist eigentlich, was einen Thriller ausmacht. Aber hier findet man derartiges nicht. Vielmehr plätschert der Film recht uninspiriert vor sich hin, ohne auf den Punkt zu kommen.
 
Wenn man wirklich etwas großartig finden kann an THE PIANO TUNER, dann nur das Sounddesign, in seiner minimalen Art, wenn Nikki auf das Zahnrad im Safe hört, aber auch, wenn Umgebungsgeräusche ihn quälen. Aber ein erstklassiges Sounddesign reißt einen Film natürlich nicht raus. Er muss mit seiner Geschichte, aber auch mit seinen Figuren punkten, und nichts davon geschieht hier.
 
Fazit
 
THE PIANO TUNER ist in der Theorie ein toller Film, in der Umsetzung leidet er darunter, dass er sich nicht entscheiden kann, ob er nun Drama oder Thriller sein will, und letzten Endes ist er dann keines von beidem. Zu empfehlen ist der Film im Grunde nur, wenn man entweder ein Fan von Leo Woodall ist, oder den Leerlauf hinnimmt, um Dustin Hoffman noch einmal in einer schönen Altersrolle zu sehen. Davon abgesehen hat der Film aber nicht viel zu bieten.
 
Wenn man ihn sehen will, ist man besser damit bedient, zu warten, bis er bei einem Streaming-Dienst aufschlägt. Das Kaufen des Kinotickets könnte man bei THE PIANO TUNER sehr schnell bereuen …
 
 
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