Dritter Teil und Reboot einer Filmreihe, die auf einem beliebten Survival-Horror-Videospiel der japanischen Firma Konami basiert.
Besser als Teil 2, aber…
Als großer Fan der „Silent Hill“-Games war es dem französischen Filmemacher Christophe Gans („Pakt der Wölfe“) eine Ehre, das Survival-Horror-Franchise für das Kino zu adaptieren. Zusammen mit Oscar-Preisträger Roger Avary (ausgezeichnet für seine Beteiligung am Skript zu „Pulp Fiction“), der das Drehbuch besorgte, verantwortete er den kreativen Transfer auf die Leinwand, der jedoch einige Wünsche offen ließ. Bei den Kritikern kam der 2006 veröffentlichte surreale Schocker „Silent Hill“ nicht allzu gut weg, auch wenn er mit einigen stimmungsvollen Albtraumbildern aufwarten konnte.
Noch eine ganze Spur schlimmer wurde es in der sechs Jahre später an den Start gebrachten Fortsetzung „Silent Hill: Revelation“, die ohne die Mitwirkung von Gans und Avary entstand. Genau die Sorte Film, die man gerade im Horrorgenre viel zu oft vorgesetzt bekommt. Ein Werk ohne Inspiration, konfus, lieblos heruntergekurbelt und teils erschreckend billig aussehend. Kein Wunder, dass die Reihe nach diesem Desaster erst mal tot war.
Wiederbelebungsmaßnahmen leitete ausgerechnet Christophe Gans ein, der sich nach dem ersten Teil mit den Produzenten nicht auf eine gemeinsame Linie für den Fortgang einigen konnte. Nun also die Rückkehr, die bezeichnenderweise schon im Titel beschworen wird. Um ein weiteres Sequel handelt es sich bei „Return to Silent Hill“ allerdings nicht, sondern um ein Reboot, dem als Inspirationsquelle das Spiel „Silent Hill 2“ zugrunde liegt, das als bester Vertreter der Reihe gilt. Gute Voraussetzungen für ein schaurig-schönes Kinoerlebnis! Was uns die Macher jedoch anbieten, verleitet nicht zum Mitleiden, Mitzittern und Mitfiebern. Der dritte Film mag, schon aus handwerklicher Sicht, besser sein als sein Vorgänger. Als Argument für das neue Kapitel taugt diese Feststellung aber nicht.
Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist der Maler James Sunderland (erscheint zwischendurch auf Jack Nicholson in „Shining“ getrimmt: Jeremy Irvine), der uns in einem Rückblick plakativ als lässiger, Geschwindigkeit liebender Lebemann vorgestellt wird. Die zufällige Begegnung mit einer jungen Frau namens Mary Crane (Hannah Emily Anderson) stellt sein Leben auf den Kopf. Schockverliebt zieht er zu ihr in das verschlafene Städtchen Silent Hill und glaubt, das gefunden zu haben, wonach er schon immer gesucht hat.
Wo ist die wahre Liebe?
In der Gegenwart ist James dann nur noch ein Schatten seiner selbst. Dem Alkohol verfallen, weint er seiner mutmaßlich verstorbenen Gattin Mary nach, bis ihn ein geheimnisvoller Brief wieder nach Silent Hill führt, wo sich seit seinem Weggang einiges verändert hat. Der Ort ist in Nebeldunst getaucht, konstant regnet es Asche vom Himmel, und fast keine Menschenseele scheint mehr hier zu wohnen. Auf der Suche nach der womöglich noch lebenden Mary stolpert James schließlich in eine Parallelwelt voller Monsterkreaturen.
Die Hoffnung, eine verloren geglaubte Person zu finden, diente bereits in den ersten beiden „Silent Hill“-Filmen als Handlungsmotor. In diesem Fall verfängt der Ansatz schon deshalb nicht, weil die große, tragische Lovestory aufgesetzt und behauptet wirkt.
Kitschweisheiten aus der Konserve und gebetsmühlenartig wiederholte Beschwörungen sollen im Dialog jene Verbundenheit glaubhaft machen, die im Zusammenspiel der beiden Darsteller und in den Bildern einfach nicht rüberkommen will. James und Mary sind Abziehbilder, obwohl beide schmerzhafte Erlebnisse mit sich herumschleppen. Besonders die von Missbrauch geprägte Leidensgeschichte der jungen Frau, die sich in diversen Flashbacks herauskristallisiert, bleibt ein viel zu wenig beachtetes, rein funktionales Plot-Element.
Nach einem billigen Gimmick riecht auch das Auftauchen von Sunderlands Psychologin (Nicola Alexis), die sich um den Zustand ihres Patienten sorgt. Was den Unterhaltungswert ebenfalls torpediert: Vor allem in den Nebenrollen gibt es einige schauspielerische Ausfälle zu beklagen. Clever und packend gedacht ist sicherlich der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Ebenen. Bei aller Liebe für surreale Spielereien verliert sich der Film in der letzten halben Stunden aber in immer chaotischeren Sprüngen zwischen Erinnerungen, Visionen, Parallelwelt und Gegenwart. Da einem die Figuren herzlich egal sind, sorgt auch der Budenzauber nur für Schulterzucken.
Liefert „Return to Silent Hill“ denn zumindest in der Inszenierung des Schreckens halbwegs ab? Wieder lautet die Antwort: nein! Wenngleich die Impressionen der von Asche bedeckten Geisterstadt etwas Beklemmendes an sich haben, bleibt der Regisseur atmosphärisch-intensiven Horror schuldig.
Ikonische Monster aus der Gamereihe treten auf, werden aber eher pflichtschuldig gegen den nach Hinweisen suchenden James in Stellung gebracht. Was Gans hier größtenteils abspult, sind lärmende Geisterbahnschocks, wie man sie im heutigen Schauerkino zuhauf ertragen muss. Könnte man sich ein bisschen besser in den Protagonisten hineinfühlen, würden die Bedrohungen vielleicht etwas mehr Wirkung zeigen. So aber plätschert der Film bloß seinen mit fettem Pathos garnierten finalen Erkenntnissen entgegen.
Fazit
Seien wir ehrlich: Nach dieser missglückten Neubelebung sollte das „Silent Hill“-Franchise endgültig begraben werden.