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*** Gunpowder Milkshake ***

 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Knallharte Action-Thriller mit weiblichen Hauptfiguren sind seltene Ausnahmen und daher zunächst einmal etwas Gutes. Warum erinnert der neue Film mit Karen Gillan und Leena Headey dann an die letzten vier Bundesregierungen?
 
She's a goddess on a highway
 
Sam ist eine Auftragskillerin, die für die gleiche Firma arbeitet, für die auch bereits ihre Mutter tätig war. Als ein Auftrag schief läuft, muss sie sich gegen ihre Auftraggeber wenden um ein kleines Mädchen zu retten. Und schon bald müssen sich drei Generationen von Frauen heftig zur Wehr setzen …
 
Das Wichtigste vorweg: „Gunpowder Milkshake“ ist kein schlechter Film. Man kann sich davon durchaus unterhalten lassen. Der Film hat aber leider viel zu viele Schwächen, um wirklich gut zu sein. Regisseur Navot Papushado hat bisher bloß zwei Horrorfilme inszeniert von denen noch nie jemand auch nur gehört hat (sollte jemand „Rabies – A Big Slasher Massacre“ oder „Big Bad Wolves“ tatsächlich gesehen haben, freue ich mich auf Kommentare). Und das sieht man dem Film deutlich an.
 
 
Man merkt, Papushado weiß ungefähr was er will. Aber man merkt auch, dass er oft nur wenig Ahnung hat, wie er das was er will erreichen soll. Vor allem die Kampfszenen sind zum größten Teil unbeholfen inszeniert. Einzelne Sequenzen wirken so ungelenk, als hätte man die Proben gefilmt und aus Versehen in den fertigen Film geschnitten. „Gunpowder Milkshake“ ist einer dieser vielen Filme, in denen man immer wieder sieht, wie irgendjemand gerade irgendjemand anderen schlägt, sticht, tritt oder sonstwie verletzt. Bloß wer gerade wen schlägt, sticht, tritt oder sonstwie verletzt ist nur selten klar erkennbar.
 
Das ist ein Jammer. Denn Teile des Films sind wunderschön gestaltet. Dazu tragen vor allem die großartige Ausstattung und die überaus interessant ausgewählten Drehorte und ansprechend gestalteten Sets bei. Eine Bowlingbahn und eine Zahnarztpraxis wirken fast hyperrealistisch. Leider trifft das nicht auf die dort stattfindenden Kampfszenen zu. Die Bösewichter sind alle ebenso dumm wie ungeschickt, sodass man gar nicht von „Kämpfen“ im engeren Sinne des Wortes sprechen kann. Wir bekommen also hier weniger „Kampfszenen“ als einfach „Gewaltszenen“ zu sehen.
 
Natürlich wird die Gewalt geradezu lächerlich übertrieben dargestellt. Und sämtliche Bösewichter müssen einen Blutdruck von 10.000 zu 9.990 haben. Denn hier fließt kein Blut. Es spritzt auch nicht. Nein, es schießt bei der geringsten Verletzung meterweit aus den Körpern hervor. In der Welt dieses Films fällt jemandem aus weniger als anderthalb Meter Höhe ein überdimensionaler Zahn auf den Kopf. Was in der Realität vielleicht eine Platzwunde und vielleicht eine Gehirnerschütterung nach sich gezogen hätte, lässt hier einen menschlichen Kopf explodieren. Dafür sind die Heldinnen weitgehend unzerstörbar.
 
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Take another little piece of my heart
 
Also wieder einmal einer dieser unzähligen „John Wick“-Klone, die zurzeit zuhauf ins Kino kommen. Und warum auch nicht? Warum sollen nicht auch einmal Frauen die Heldinnen in einem solchen Film sein? Warum ist „Gunpowder Milkshake“ eine größere Enttäuschung als „John Wick: Kapitel 3“? Weil Papushado und Co-Drehbuchautor Ehud Lavski (jeden Leser, der bisher schon mal einen anderen Film dieses Drehbuchautors im Kino gesehen hat, lade ich gern zum Essen ein) die weiblichen Protagonisten nur aus Marketingzwecken in ihr Drehbuch geschrieben haben. Denn außer der Optik und zwei oder drei Dialogzeilen ist nichts wirklich weiblich an diesen weiblichen Figuren.
 
Im letzten Sommer musste ich Marvels „Black Widow“ als „generisch“ bezeichnen. Und genauso generisch ist leider auch „Gunpowder Milkshake“ ausgefallen. Obwohl sich beide Filme oberflächlich mit den gleichen Themen befassen, befasst sich keiner der beiden Filme tatsächlich damit, was es für ein Kind bedeuten muss, bereits sehr früh Gewalt zu erfahren. Keiner der beiden Filme hat auch nur ein oberflächliches Interesse daran, wie es eine Heranwachsende verändern muss, schon früh zum Kampf und zum Töten gezwungen zu werden. Die schwierigen Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern werden wieder mit wenigen leeren Phrasen und hohlen Dialogzeilen abgehakt.
 
Wir haben hier wieder einen Film über Frauen, der von Kerlen geschrieben und von einem Kerl inszeniert wurde. Ja, wie bereits erwähnt, die Hauptfiguren sind weiblich und werden von weiblichen Darstellerinnen gespielt. Das war es dann aber auch schon wieder. Wir bekommen trotzdem die gleiche unoriginelle Einheits-Action-Kost vorgesetzt wie in Filmen mit Gerard Butler oder Keanu Reeves in den Hauptrollen.
 
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In diesem Film geht es um Mütter und Töchter. Aber der Generationenkonflikt wird hier genauso oberflächlich behandelt wie in „Angel Has Fallen“. Nämlich praktisch gar nicht. Und die Frauen regieren auf Verletzungen, die sie direkt auf die Intensivstation befördern sollten, ebenso wie Herr Wick, wenn er mal wieder von Profis mit Baseballschlägern verprügelt oder von einem Balkon geworfen wird. Nämlich praktisch gar nicht. Hier ist nichts anders und nichts weiblich. Die Frauen in diesem Film genauso unrealistisch und unsinnig agieren zu lassen wie ihre männlichen Kollegen in deren Filmen und das dann als Film über starke Frauen zu vermarkten, ist fake-Feminismus.
 
Wer Filme wie „Gunpowder Milkshake“ für feministisch hält, hält es wohl auch für einen Fortschritt, mit Angela Merkel nun sechzehn Jahre lang eine Frau an der Spitze der Bundesregierung gehabt zu haben. Aber wie diese Art von Film zwar weibliche Hauptfiguren hat und trotzdem von Männern für Männer gemacht wird, war auch Angela Merkel bloß eine weibliche Protagonistin, die Politik von Männern für Männer dargestellt hat.
 
Die einzige Maßnahme, während Merkels sechzehnjähriger Amtszeit, die direkt etwas mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft zu tun hatte, war die „Herdprämie“. Für alle die sich nicht erinnern: hier wurden Steuergelder dafür verwendet, Frauen daheim und vom Arbeitsmarkt fern zu halten. Filme wie „Gunpowder Milkshake“ helfen der Wahrnehmung von Frauen im Film ungefähr ebenso viel wie die Herdprämie der Wahrnehmung der Frauen in der Politik.
 
Die Autoren Papushado und Lavski haben keine Ahnung von Frauen. Halb so wild. Da geht es ihnen wie 99,99% aller Männer. Aber dann sollen sie bitte kein Drehbuch über starke Frauenfiguren schreiben. Und Papushado hat keine Ahnung, wie er mit Frauen umgehen soll. Das merkt man daran, dass er es schafft großartige weibliche Darstellerinnen in seinem Film zu haben, die selten zuvor farbloser und uninteressanter gewirkt haben. Dann soll er doch bitteschön mit Männern arbeiten. Das machen die meisten anderen Filmemacher in Hollywood ebenso. Ich spinn jetzt mal rum und formuliere eine verrückte Idee: Könnten solche Filme nicht vielleicht auch mal von Frauen geschrieben und inszeniert werden?
 
It’s all over now, baby blue
 
Die Besetzung von „Gunpowder Milkshake“ ist ein Traum. Was Regisseur Navot Papushado mit diesem Dream-Team von großartigen Darstellerinnen angestellt hat, ist ein Alptraum. Karen Gillan hat selbst unter der Maske der „Nebula“ in „Guardians of the Galaxy“ dramatische Intensität vermitteln können. Und in „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ war sie großartig als unsicheres Mädchen im Körper einer Figur aus einem Computerspiel. Hier schafft sie es nie richtig, die Zerrissenheit ihrer Figur zu vermitteln. Unter Papushados Regie wirkt sie in Actionszenen oft nicht hart genug und in emotionalen Szenen zu blass.
 
Lena Headey kann im richtigen Projekt eine Naturgewalt sein. Sie war das mit Abstand Beste an Zack Snyders „300“. In „Terminator S.C.C.“ war sie die zweitbeste Darstellerin der Sarah Connor aller Zeiten. Sie war furchteinflößend in „Dredd“. Sie war das emotionale und rationale Zentrum von „The Purge“. Und sie hat in dieser Serie mitgespielt, in der es um Drachen, Sex und Kaffeetassen geht und soll auch darin großartig gewesen sein. In „Gunpowder Milkshake“ freut man sich, sie zu sehen. Mehr aber auch nicht.
 
Ich habe mich auch gefreut, Carla Gugino zu sehen, für die ich seit langer Zeit eine kleine Schwäche habe (nicht so wie für Eva Green, aber doch). Gugino ist eine großartige, wandelbare Darstellerin, die fast alles sein kann. Sie war bezaubernd in „Snake Eyes“, atemberaubend in „Spy Kids“, sexy und gefährlich in „Sin City“, charismatisch in „Watchmen“ und rätselhaft in „Sucker Punch“. In „Gunpowder Milkshake“ zeigt sie eine weitere Facette ihres Könnens und beweist, dass sie auch langweilig sein kann.
 
Michele Yeoh ist vermutlich der größte weibliche Actionstar Asiens. Im Westen kennen wir sie aus „Tiger & Dragon“ und „Tomorrow Never Dies“. Hier darf sie Bösewichter mit einer Kette würgen. Davon abgesehen weiß Regisseur Papushado mit ihr kaum etwas anzufangen.
Angela Bassett hat beeindruckende Leistungen in so unterschiedlichen Filmen wie „Malcolm X“, „Strange Days“ oder „Black Panther“ gezeigt. Und sie war fantastisch als Tina Turner in „What’s love got to do with it“. Aber viel mehr als ein müder Scherz mit ihrem Rollennamen wollte den Machern dieses Films nicht für diese großartige Schauspielerin einfallen. Ich hoffe zumindest, dass es Absicht war ihre Figur im Film „Anna May“ zu nennen, weil das wie die beiden Vornamen von „Anna Mae Bullock“ klingt.
 
Fazit
 
Ein weiterer Action-Thriller mit weiblichen Hauptfiguren, dessen teilweise großartigen Bilder nicht darüber hinwegtäuschen können, dass hier wieder Kerle einen generischen Film für Kerle gemacht haben und gar kein echtes Interesse an ihren weiblichen Hauptfiguren hatten.
 
 
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