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Kritik: Mrs. Harris und ein Kleid von Dior

 
dfdh kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
In erster Linie ist MRS. HARRIS UND EIN KLEID VON DIOR eine europäische Produktion, auch wenn ein bisschen amerikanisches Geld darin steckt. Der Film fühlt sich aber auch in jeder Sekunde europäisch an, und das nicht nur, weil er in London beginnt und die Handlung dann nach Paris verlagert. Gedreht wurde übrigens auch in Budapest, dessen Architektur der Stadt an der Seine nahekommt.
 
Der große Wunsch
 
London im Jahr 1957: Die Putzfrau Mrs. Harris sieht bei einer ihrer Auftraggeberinnen ein Kleid von Dior. Das gute Stück kostet 500 Pfund und ist damit für Mrs. Harris unerschwinglich. Doch sie beginnt, von einem solchen Kleid zu träumen. Und sie hat Glück. Sie kommt zu etwas Geld. Das Schicksal meint es gut mit ihr, sie hat die 500 Pfund und macht sich auf den Weg nach Paris.
 
Dort findet sie das Geschäftshaus von Christian Dior und möchte ein Kleid erwerben. Aber die kleine Putzfrau aus England wird von oben herab behandelt, bis sich ein Pariser Gentleman ihrer annimmt. Ihr Traum vom Kleid wird greifbar nah.
 
 
Nicht die erste Verfilmung
 
Der Roman von Paul Gallico erschien im Jahr 1958 – und damit nur ein Jahr nach dem, in dem er spielt. Damals war er zeitgenössisch, heutzutage ist eine Umsetzung dann schon eher historisch. Filmisch nahm man sich des Stoffs bereits 1958 vor, und war in einer Folge der Fernseh-Anthologie STUDIO ONE, in der man innerhalb einer Stunde zumeist Geschichten präsentierte, die auf der Bühne weit länger ausgefallen sind.
 
Die zweite und letzte Verfilmung gab es im Jahr 1992 mit dem Fernsehfilm DAS SCHÖNSTE KLEID DER WELT, in dem Angela Lansbury die Rolle der Mrs. Harris spielte. Bei beiden Umsetzungen war es übrigens so, dass der Titel im Original dem Roman entsprach: „Mrs. ‘arris Goes to Paris“. Erst in der neuesten Verfilmung hat man den Namen von Mrs. Harris komplett ausgeschrieben.
 
Ausgesprochen charmant
 
MRS. HARRIS GOES TO PARIS ist ein wirklich schöner Film. Er fühlt sich sogar an wie ein Werk, das in den 1950er oder 1960er Jahren entstanden sein könnte. Das liegt nicht nur an den Farben, der Authentizität des Zeitkolorits und der Art, wie die Figuren sich geben, sondern auch an der stilistischen Umsetzung. Denn dies ist ein eher langsamer Film, manchen vielleicht auch zu langsam, denn mit knapp zwei Stunden ist die Laufzeit auch ziemlich episch – insbesondere für eine Geschichte wie diese.
 
03 ©2022 Universal Pictures04 ©2022 Universal Pictures05 ©2022 Universal Pictures06 ©2022 Universal Pictures
 
Diese Geschichte ist ausgesprochen minimalistisch, aber umso eindrucksvoller ist, wie aus daraus ein den Zuschauer umgarnender abendfüllender Film geworden ist. Zu verdanken ist das auch Hauptdarstellerin Lesley Manville, die als Mrs. Harris immer freundlich, optimistisch, bedacht, offenherzig und ausgesprochen lebensbejahend ist. Sie ist das Herz und das Zentrum dieses Films, das sie umgebende Ensemble funktioniert aber auch wunderbar.
 
Besonders gilt dies für Patrick Wilson, dessen Figur sich der netten Dame aus England annimmt, als man sie bei Dior einfach abkanzeln will. Zwischen den beiden Schauspielern besteht auch reichlich Chemie. Das gilt aber generell. Das Zusammenspiel aller Akteure ist hervorragend. Auch wunderbar: Frankreichs Grande Dame Isabell Huppert, die einen starken Gegenpol zu Mrs. Harris bildet.
 
Fazit
 
Man muss sich vor Augen führen, wie viel Geld 500 Pfund im Jahr 1957 eigentlich waren. Es ist auch heute nicht wenig, aber damals sah es noch ganz anders aus. Heute wäre der Gegenwert etwa bei 13.000 Euro anzusiedeln – eine wirklich formidable Summe für ein Kleid. Weiß man das, wird auch umso klarer, wie groß und teuer der Wunsch ist, dem die nette Mrs. Harris hier eigentlich nachhängt. Davon abgesehen: Ein sehr schöner, charmanter, eleganter Film, der natürlich auf ein eher älteres Publikum ausgerichtet ist, dem aber einen vergnüglichen Kinobesuch garantieren wird.
 
 
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