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Kritik: Silent Night - Stumme Rache

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Autorin: Melanie Fibich
 
Regisseur John Woo ist für Actionklassiker, wie „Mission Impossible 2“ oder „Paycheck“ bekannt, doch kann er auch dieses Mal überzeugen?
 
Weihnachten im Kugelhagel
 
Brian Godlock (Joel Kinnaman) und seine Frau Saya Godlock (Catalina Sandino Moreno) feiern zusammen mit ihrem Sohn (Anthony Giulietti) im Garten Weihnachten, als eine Gang-Schießerei das Familienglück beendet. Der Sohn bekommt eine Kugel ab und stirbt, Brian nimmt sofort die Verfolgung auf und verliert dabei durch einen Schuss seine Stimme.
 
Es folgt eine stumme Rachejagd auf die Gangs der Stadt, ohne Dialog und dafür mit umso mehr Waffen. Totenstille Jeder kennt sie: Actionfilme mit dummen Dialogen und sinnloser Story. In "Silent Night" gibt es dieses Mal gar keine Dialoge. Erklärt wird dies mit einem Schuss durch die Stimmbänder für den Protagonisten Brian.
 
Nach diesem Schuss kann jedoch auf einmal irgendwie niemand mehr sprechen. Während diese Prämisse am Anfang noch sehr aufgezwungen wirkt, wird es im Verlauf des Filmes etwas besser. Einige Szenen funktionieren gut ohne unnötiges Rumgelaber und beschleunigen das Geschehen. Dann gibt es aber wieder Momente, in denen der ein oder andere Dialog nicht geschadet hätte.
 
 
The same procedure as every year - Nichts Neues im weihnachtlichen Actionbereich
 
Neben einigen sehr sichtbaren Nikon und Ford Produktplazierung bekommen wir zu Anfang erstmal Nichts - Nach dem Schuss in den Hals gibt es nur Charakterentwicklung. Untypisch aber nicht unbedingt schlecht, denn die Entwicklung vom Familienvater zum Massenmörder muss erstmal gemacht werden. Neben Erinnerungen an gemeinsame Zeiten mit dem Sohn, gibt es Waffentraining, Autofahrübungen und YouTube-Tutorials für Kampftaktiken.
 
Nach einiger Zeit fragt man sich dann aber: Wann geht es denn jetzt endlich mal los? Außerdem wird die Ehefrau und Mutter des gemeinsamen Sohnes von Brian total ignoriert. Für ihn gibt es nur noch Rache. In einer Beziehung während schwierigen Zeiten zusammenhalten? Sowas gibt es nicht. Während das in 2008 vielleicht noch spannend war, ist es in 2023 echt überholt und langweilig.
 
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Generell sind alle Charaktere im Film absolute Stereotypen, die sich seit Jahren nicht geändert haben. Die heulende Ehefrau, der rachebesessene Mann, der Latino-Bösewicht in seiner Gangsterhöhle und seine drogenabhängige Geliebte, die von der Rache verschont wird, nur weil sie eine Frau ist. Das kennt man alles und das überrascht nicht mehr.
 
Aber vielleicht muss es das auch nicht. Joel Kinnaman überzeugt, die Action ist solide. Es gibt Verfolgungsjagden, Schießereien und Faustkämpfe. Durchaus spannend, aber eben nicht revolutionär. Dahingegen sticht die Schauspielarbeit von Joel Kinnaman für mich positiv heraus. Egal wie irrational seine Rolle handelt, man kauft es ihm ab und auch seine Wut spielt er gut.
 
Wenn es beim Training mit dem Auto einen Erfolg für ihn gibt, sehen wir auch mal ein kleines Schmunzeln und Brian wirkt direkt etwas menschlicher. Der etwas neuartige Schnitt-Stil passt gut zum Film und verbessert diesen sogar teilweise, während einige crashende Autos wiederrum sehr unrealistisch wirken.
 
Ein solider Unterhaltungsfilm
 
Wer mit „Silent Night“ ein neues „Stirb langsam“ oder einen zweiten John Wick erwartet wird leider enttäuscht. Der Versuch experimentell zu arbeiten, mit fehlenden Dialogen und mehr Charakterentwicklung, funktioniert nur in Teilen gut. Der Schnitt und die Schauspielerei sind jedoch gut gemacht und die Spannung bleibt den ganzen Film über erhalten. Wenn man zu Weihnachten einfach nur einen klassischen Actionfilm sehen will, ohne hohe Erwartungen zu haben, kommt man mit „Silent Night“ auf seine Kosten.
 
 
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