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Kritik: Rheingold

 
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Autor: Peter Osteried
 
Die Biographie des Rappers Xatar hat Regisseur Fatih Akin wohl fasziniert. Es ist auch eine wilde Geschichte – von einem Flüchtling aus dem Irak, der hier erst ein Gangster wird und dann im Knast zum erfolgreichen Rapper.
 
Der Film basiert auf der Autobiographie von Giwar Hajabi, wirkt aber fast schon märchenhaft - und das nicht nur, weil Akin am Ende das Rheingold und die es umzingelnden Seejungfrauen zeigt. Das ist nur der krönende Abschluss eines Films, der ein Leben wie ein Märchen aussehen lässt.
 
Ab in den Knast
 
Mitte der 1980er Jahre kommt Giwar Hajabi mit seiner Familie in Deutschland an. Im Irak wurde der Vater, ein gefeierter Komponist, gefoltert, in Bonn gelingt es ihm, Fuß zu fassen. Aber danach verlässt er auch die Familie. Das ist der Moment, an dem Giwar nicht mehr Klavierstunden nimmt. Stattdessen verkauft er Pornos in der Schule und fliegt raus. Auf der Straße vercheckt er dann Drogen. Natürlich wird er verprügelt, und ebenso natürlich lernt er, sich zu verteidigen, um sich an den Schlägern zu rächen. Aber der Weg führt in den Knast.
 
Wieder raus, versucht Giwar immer noch, ans große Geld zu kommen. Er reist nach Holland, knüpft Kontakte, gerät wieder tief in die Scheiße, und fast ebenso leicht wieder raus. Bis er mit ein paar Kumpels das ganz große Ding plant: Ein paar hundert Kilogramm Gold klauen!
 
 
Zu glatt
 
Das Leben von Giwar Hajabi alias Xatar (kurdisch: gefährlich) mag ja anmuten, als wäre es ein Märchen, aber eine derartige Umsetzung kann ihm dann doch nicht wirklich gerecht werden, oder? Denn Fatih Akin lässt seinen Helden zwar allerhand Probleme meistern, das aber immer auf eine Art, die die Authentizität der Geschichte untergräbt.
 
Bei „Rheingold“ sieht alles immer einfach aus. Man fliegt von der Schule, verkauft man halt Drogen. Man wird verprügelt, lernt man halt zu kämpfen. Man verliert Koks im Wert von einer halben Million, klaut man halt Gold. Sitzt man im Knast, ist das Ringelpiez mit Anfassen. Sogar im syrischen Foltergefängnis.
 
Denn in dem landet Giwar auch. Das sieht man schon in den ersten Minuten des Films. Der Verhörspezialist fragt nach dem Gold – wohl im Auftrag der Deutschen. So richtig klar wird das nicht. Das einzige Gold, das er hat, ist ein vergoldeter Zahn. Den zeigt Giwar trotzig. Dann wird er ihm herausgerissen. Aber nicht mal das lässt wirkliches Gefühl zu. Der Film wirkt immer aalglatt. Wenn der Verhörspezialist sagt, dass Giwar Schmerzen erduldet hat, wie sie nur politischen Gefangenen zugefügt werden, soll das wohl auch richtig krass wirken.
 
01 ©2022 Warner Bros Pictures02 ©2022 Warner Bros Pictures03 ©2022 Warner Bros Pictures04 ©2022 Warner Bros Pictures
 
Wie ein Märchen
 
Giwars Leben in „Rheingold“ ist im Grunde formelhaft. Er hat zwar allerhand Probleme, aber daraus entsteht nie echtes Drama. Der Film ist niemals grimmig, niemals roh, nie mit den Ecken und Kanten versehen, die eine Gangster-Geschichte wie diese benötigt. Im Gegenteil, das alles kommt handzahm daher. Alle sind irgendwie nett und freundlich, selbst der Onkel des organisierten Verbrechens in Amsterdam, der schon mal einen Typen in seinem Wohnzimmer abknallt, aber der sonst doch richtig freundlich ist.
 
Das Knastleben in Deutschland wird ebenfalls nur angerissen. Und auch hier: Alles Eitelsonnenschien. Fast schon wie ein Urlaub, bei dem man endlich mal machen kann, was man schon immer wollte – den kreativen Säften freien Lauf lassen.
 
Das klingt jetzt alles bitterlich negativ. Ist es irgendwie auch, aber zugutehalten muss man „Rheingold“, dass er durchaus gut unterhalten kann, und das über eine Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden hinweg. Zudem ist der Film bis in die letzten Rollen gut besetzt - nicht mit großen Namen, aber mit fähigen Schauspielern.
 
Vor allem Hauptdarsteller Emilio Sakriya ist wirklich hervorragend – er verschwindet ganz und gar hinter der Rolle und macht sie dadurch für den Zuschauer greifbarer. Dabei zeigt er ein schauspielerisches Potenzial, welches  bei seinen früheren, oft seichteren Rollen nicht unbedingt erkennbar war.
 
Fatih Akins Inszenierung ist, wie man das von ihm erwartet, makellos. Aber: Dies ist ein gänzlich anderer Film, als die, für die man Akin kennt. Es fehlt das Grimmige, sowie das Ernsthafte, vor allem aber das gnadenlos Realistische, das Werke wie GEGEN DIE WAND oder DER GOLDENE HANDSCHUH so intensiv werden ließ.
 
Seine Filme gehen normalerweise an die Nieren, bei „Rheingold“ ist das nicht der Fall. Dieser Film ist leichte Kost - das ist zwar per se nicht schlecht, aber der Film sticht damit aus dem Gesamtwerk des Regisseurs heraus.
 
Fazit
 
„Rheingold“ hätte ein besserer Film sein können, daran besteht gar kein Zweifel. Trotzdem sorgt der Streifen durch seine aalglatte Art zumindest für lockere Unterhaltung. Easy Listening zum Ansehen, könnte man also sagen. Eben ein Biopic, das nicht weh tut, auch wenn es das hätte tun sollen.
 
 
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