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*** The Matrix: Resurrections ***

 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Nach „Star Wars“ bekommt nun also auch die „Matrix“-Trilogie mit deutlichem zeitlichen Abstand eine Fortsetzung. Und die Hauptdarsteller und Produzenten bekommen einen weiteren Zahltag. Aber was bekommt das Publikum?
 
What is real? How do you define „real“?
 
Ich könnte jetzt die Story von „Matrix Resurrections“ zusammenfassen. Aber da diese noch ein bisschen dümmer ist als die der ersten drei Filme, lasse ich das lieber. Damit wäre niemandem geholfen. Kurz zusammengefasst beginnt der neue Film mit einer sehr mittelmäßigen Actionsequenz, der man die Mühe ansieht, an die alten Filme zu erinnern. Dann kommt unheimlich viel Dialog, der halbwegs intelligent klingt, solange man nicht besonders gut zuhört und keine Sekunde darüber nachdenkt. Auch das erinnert stark an die alten Filme. Und dann wird das Ganze zwei Stunden lang nie wirklich besser.
 
Das wäre alles halb so schlimm. Jahr für Jahr kommen jede Menge mittelmäßige Filme ins Kino. Manchmal ist man ja schon dankbar, wenn ein Film wenigstens mittelmäßig ist. Aber dieser Film ist ständig so furchtbar selbstreferenziell. Dauernd bezieht sich alles nur auf die alten Filme, immer und immer wieder. Nichts gegen ein wenig Fan-Service. Immerhin wurde der Film ja hauptsächlich für die Fans gedreht. Aber mehr als zwei Stunden am Stück hält das doch niemand aus, der sich nicht bloß von roten Pillen ernährt.
 
 
Es fängt bereits beim Titel an. „Matrix Auferstehungen“? Ernsthaft? „Auferstehungen“? Plural? Geht das nicht noch expliziter? Warum nicht gleich „Matrix, Neo und Trinity sind wieder da!“? Oder „Matrix, keine Angst, Ihr bekommt alles was Euch früher gefallen hat“? Oder „Matrix, sorry Hugo Weaving hatte keine Zeit und Laurence Fishburne ist fett geworden, aber sonst sind alle da!“?
 
Fan-Service kann was Nettes sein. Und Insider-Jokes lassen einen auf eine ganz besondere Art schmunzeln. Aber wenn man beides reingestopft bekommt, wie zuletzt bei „Episode VII – IX“, wird es schnell zu viel. Hier stopft uns Regisseurin, Co—Autorin und Co-Produzentin Lana Wachowski beides vorne und hinten rein. Ein Dialog über die Pläne von Warner Brothers ist noch witzig. Aber muss ein erwachsener Mann wirklich Action-Figuren von sich selbst rumstehen haben? Spielt er etwa mit sich selbst? Wenn dann die schwarze Katze nicht bloß „deja vu“ heißt, sondern das auch noch auf ihrem Napf stehen hat, könnte der Titel auch „Matrix Force Feeding and Enemas“ lauten.
 
Zusätzlich zur Fan-Service-Zwangsernährung und den Insider-Joke-Einläufen hält es Frau Wachowski für nötig, immer wieder Clips aus den früheren Filmen in ihr aktuelles Machwerk reinzuschneiden. Nicht etwa bloß am Anfang, wenn der Held Mühe hat, sich zu erinnern. Nein, während des ganzen Films sehen wir immer wieder kurze oder längere Ausschnitte aus Teil 1 – 3. Da der größte Teil der Unmengen von Dialog in diesem Film auch immer wieder die Handlung der alten Filme wiedergibt, meint man ein überlanges Fan-Video auf youtube zu sehen. „Matrix Clip-Show“ ist der erste Film der Reihe, der ohne Beteiligung von Lilly Wachowski entstanden ist. Nichts an Teil eins bis drei war subtil oder raffiniert.
 
01 ©2021 Warner Bros Pictures02 ©2021 Warner Bros Pictures03 ©2021 Warner Bros Pictures04 ©2021 Warner Bros Pictures
 
Aber dieser neue Film ist in absolut jeder Hinsicht so plump geraten, man würde am Ende gerne mal einen Film ohne Lanas Wachowskis Beteiligung sehen. In den alten Filmen hat man die hanebüchene Handlung, die gestelzten Dialoge und die hölzernen Darstellungen stets wegen zwei oder drei wirklich herausragenden Actionsequenzen pro Film in Kauf genommen. Vor zweiundzwanzig Jahren haben wir uns auf dem Heimweg über die Story lustig gemacht und Dialoge und Darstellungen einfach unerwähnt gelassen. Aber über die „bullet-time“-Szenen haben wir noch am nächsten Tag gesprochen.
 
„Matrix Party like it’s 1999“ hat nichts Vergleichbares zu bieten. Der Film zeigt uns nichts, das wir nicht schon unzählige Male besser gesehen hätten. Das ist vielleicht nicht allein Lana Wachowskis Schuld. Die Jahrtausendwende war eine Zeit des Umbruchs für das Kino und die Wachowskis waren auf ihrem schöpferischen Höhepunkt. Der erste Film war damals einfach etwas ganz Besonderes, etwas Rares. Mittlerweile kommen jedes Jahre ein Dutzend Filme dieser Art in die Kinos. Alleine Marvel bringt Jahr für Jahr zwei bis drei Filme raus, deren schwächster mindestens so viel zu bieten hat wie „Matrix we’ve seen it all before“.
 
Die Action in diese Film ist einfach nichts Besonderes. Die Anfangssequenz ist eine Referenz an Teil Eins, aber nicht mehr. Die obligatorische Kampftrainingssequenz im japanischen Teehaus hält keinem Vergleich mit dem Original stand. Ein Kampf in einem verfallenen Warenhaus wirkt absolut generisch. Und eine Auseinandersetzung in einem Coffee-Shop ist so unübersichtlich gestaltet, dass sie schnell uninteressant wirkt. In „Matrix light“ bekommen wird also die wirre Handlung, die lächerlichen Dialoge und die holzschnittartigen Charaktere von früher, aber nicht die herausragende Action.
 
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Never send a human to do a machine’s job
 
Die Wachowskis waren nie Regisseure, die aus ihren Schauspielern das Beste herausgeholt hätten. Und Lana Wachowski scheint diesmal einfach nicht besonders viel Interesse an den Darstellungen gehabt zu haben. Keanu Reeves hat während seiner gesamten Karriere ebenso oft daneben gegriffen wie er sein Ziel erreicht hat. Seine Leistung in „My Private Idaho“ war großartig, die in „Bram Stoker’s Dracula“ war erbärmlich. Er war fantastisch in „Point Break“ und eine Zumutung in „Little Buddha“.
 
Reeves phlegmatisches Spiel hat in Filmen wie „I love you to death“ oder „Bill & Ted“ gepasst. Er kann aber auch sehr viel Energie vermitteln, wie in „Speed“. Die „John Wick“-Filme funktionieren unter anderem deshalb, weil Reeves dort beides miteinander kombiniert. In „Matrix Geriatrics“ bekommen wir nur das Phlegma. Von der Energie bekommen wir nichts zu sehen.
 
Ganz schnell, was war der letzte Nicht-Matrix-Film mit Carrie-Ann Moss, den Ihr im Kino gesehen habt? „Disturbia“ lief vor vierzehn Jahren, „Red Planet“ und „Memento“ vor mehr als zwanzig Jahren. Wir wollen Frau Moss nach so langer Zeit die Mitwirkung an einem erfolgreichen Film gönnen. Aber ausdrucksstärker, frischer oder lebendiger ist ihre Art zu spielen in den letzten Jahrzehnten nicht geworden.
 
Yahya Abdul-Mateen II („Greatest Showman“, „Aquaman“) ersetzt Laurence Fishburne als Morpheus. Der junge Darsteller ist natürlich fünfundzwanzig Jahre jünger und wirkt deutlich sportlicher als Fishburne. Aber Abdul-Mateen hat nicht einmal halbwegs die Ausstrahlung, die Fishburne hatte. Er wirkt so fehlbesetzt, man möchte Mitleid mit ihm haben.
 
Keinerlei Mitleid hat man mit Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“). Er spielt eine Rolle, die Wachowski und ihren Co-Autoren David Mitchell („Cloud Atlas“) und Aleksandar Hemon auf dem Papier wohl wie eine gute Idee vorgekommen sein muss. Tatsächlich hätte diese Figur anders geschrieben und anders dargestellt werden müssen. So wie wir sie in „Matrix No Surprises“ zu sehen bekommen, funktioniert sie leider gar nicht.
 
Warum Jada Pinkett-Smith auf Greisin geschminkt wurde, während Lambert Wilson nur dreckig und unrasiert auftrit, ist unklar. Indien wurde wohl als wichtiger Absatzmarkt erkannt, daher darf uns Bollywood-Star Priyanka Chopra Jonas auch die Handlung erklären. Jessica Yu Li Henwick ist Halb-Chinesin, wenn sie uns die Handlung erklärt haben wir diese Milliarde Kinofans auch bedient. Und dass Max Riemelt direkt nach „Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee“ nun den ersten Widerstandskämpfer mit deutschem Akzent geben darf, mag man witzig finden. Gebraucht hätte es keinen dieser Auftritte.
 
Halbwegs interessant ist bloß die Leistung von Jonathan Groff („Hamilton“, „Frozen“). Er bietet uns eine Neu-Interpretation von Agent Smith, die das einzige originelle an „Matrix not much new“ ist. Ähnlichkeiten mit der selbstgefälligen Art mancher Hersteller von Elektroautos sind dabei wohl rein zufällig.
 
Fazit
 
„Matrix times have changed“ bietet dem Publikum jede Menge Fan-Service und Insider-Jokes. Davon abgesehen gibt es eine lächerliche Handlung, lahme Dialoge, klischeehafte Charaktere und leider bloß passable, generische Action.
 
 
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