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Kritik: Raus aus dem Teich

sub kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
There’s no place like home! Denkt sich Entenpapa Mack, den seine Familie dann aber doch zu einer Reise Richtung Süden überredet.
 
Gruselgeschichten gegen Neugier
 
Einen ikonischen Status wie der Disney-Konzern hat die Animationsschmiede Illumination noch lange nicht. Einige beachtliche Erfolge gehen allerdings sehr wohl auf das Konto der 2007 von Chris Meledandri gegründeten Produktionsfirma. Schon mit dem ersten Langfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“ landete man einen überraschenden Kritiker- und Publikumshit. Fortsetzungen, Spin-offs und andere Werke, etwa „Der Lorax“ oder „Pets“, ließen das Portfolio über die Jahre stetig anwachsen und machten Illumination zu einem neuen Big Player unter den Animationsstudios.
 
Kurz vor Weihnachten rauscht nun ein neues Abenteuer aus dem Hause Meledandri auf die Leinwände, dessen Originaltitel „Migration“, in Zeiten wie diesen, möglicherweise falsche Erwartungen weckt. Die Flüchtlingsschicksale aus der realen Welt schlagen sich jedenfalls nicht in der Geschichte um eine gen Süden aufbrechende Entenfamilie nieder. Die schwungvolle Benennung „Raus aus dem Teich“, die der Film hierzulande trägt, fasst dann auch viel treffender die eher schlichte Konstruktion des Drehbuchs zusammen.
 
Für Entenvater Mack (deutsche Stimme: Elyas M’Barek) steht außer Frage: Viel mehr als seinen geliebten Heimatteich irgendwo im Nordosten der USA braucht er nicht, um rundum glücklich zu sein. Die Welt jenseits des eigenen Gewässers sei lebensgefährlich, bläut er seinen Kindern Dax (Julius Weckauf) und Gwen (Luiza Kampf) daher in seinen düster ausgeschmückten Gruselerzählungen immer wieder ein. Nicht, dass die beiden noch auf dumme Gedanken kommen!
 
 
Als jedoch ein Schwarm Zugvogelenten Rast im Habitat der Familie macht und von den Vorzügen Jamaikas schwärmt, ist es um die ohnehin weniger engstirnige Mutter Pam (Nazan Eckes) und ihren Nachwuchs geschehen. Warum nicht einfach mal einen Schauplatzwechsel wagen? Mack ziert sich zunächst, gibt aber schließlich klein bei und bricht mit seinen Liebsten und dem tollpatschigen Onkel Dan (Axel Lutter) in Richtung Karibik auf. Erwartungsgemäß verläuft der Trip nicht ohne Umwege und Probleme.
 
Bösewicht zum Abgewöhnen
 
Wie wichtig es ist, die eigene Komfortzone zu verlassen, seinen Horizont zu erweitern und mit Vorurteilen aufzuräumen – all das hätte man im Drehbuch auf mitreißende, berührende und durchaus bissige Weise beschreiben können. Was Mike White, seines Zeichens Schöpfer der knackig-satirischen Serie „The White Lotus“, aber aus der von ihm und Hauptregisseur Benjamin Renner („Ernest & Célestine“) erdachten Grundidee entwickelt, kommt nicht über formelhaftes Family-Entertainment hinaus.
 
01 ©2023 Universal Pictures02 ©2023 Universal Pictures03 ©2023 Universal Pictures04 ©2023 Universal Pictures
 
„Raus aus dem Teich“ ist kein bisschen doppelbödig, zeichnet die tierischen Protagonisten mit groben Strichen, setzt auf mechanische Gefühlsmomente und glaubt, die Reise mit knalliger Action aufpeppen zu müssen. Als Gipfel der Beliebigkeit erweist sich ein grotesk kostümierter, fieser Chefkoch, der nichts Nennenswertes von sich geben darf, bloß mit Knurrgeräuschen auffällt. Ein Schurke der plumpsten Kategorie, der irgendwie aus einem völlig anderen Film zu stammen scheint.
 
Inhaltich hat der neue Illumination-Titel nicht viel zu bieten. Vor den Augen der Zuschauer entfaltet sich dafür allerdings eine liebevoll animierte, abwechslungsreiche Welt. Bereits die in kräftigen Herbstfarben erstrahlende Heimat der Entenfamilie ist herrlich anzuschauen. Erstaunlich auch, wie überzeugend Wasser und seine Bewegungen mittlerweile digital nachgestellt werden können. Spektakulär sind nicht zuletzt der Flug durch die Wolken und die imposanten Ansichten New York Citys, wo Mack, Pam, Dax, Gwen und Dan einen längeren Zwischenstopp einlegen.
 
Visuelle Brillanz, das zeigt „Raus aus dem Teich“ sehr deutlich, reicht freilich nicht aus, um das Publikum über die gesamte Laufzeit zu fesseln. Nebenbei bemerkt ist etwas nebulös, warum die Prüfer der FSK den Film ohne Altersbeschränkung durchgewunken haben. Einige Szenen geraten durchaus etwas düsterer und könnten ohne weiteres auf die ganz Kleinen verstörend wirken.
 
Fazit
Das Entenanimationsabenteuer wartet mit schön gestalteten Bildern auf. Dahinter kommt aber eine weitgehend uninspirierte, mit willkürlichen Actioneinlagen „garnierte“ Schau-über-den-Tellerrand-hinaus-Erzählung zum Vorschein. Klarer Fall: Hier ist jemand irgendwann vom Kurs abgekommen!
 
 
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