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Kritik: Orphan: First Kill

 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Das Prequel zu “Orphan” aus dem Jahr 2009 lässt einen an „Star Wars“ und „The Sixth Sense“ denken. Aber leider aus den falschen Gründen …
 
You've got to give a little, take a little …
 
Estland 2007: in einer Anstalt für abnorme Rechtsbrecher lernen wir Leena kennen. Gleich wird uns erklärt, Leena sei eine erwachsene Frau von einunddreißig Jahren, die wegen eines Drüsendefekts wie ein neunjähriges Mädchen aussehe. Tatsächlich wird diese Leena bloß in Totalaufnahmen von hinten manchmal von einem Körperdouble dargestellt, das wohl noch ein kleines Mädchen ist. In Nahaufnahmen ist immer die aus dem Film von 2009 bekannte Darstellerin Isabelle Fuhrman zu sehen. Wer das Gesicht der mittlerweile deutlich über zwanzigjährigen Frau für das einer Neunjährigen hält, sollte besser selbst nicht unbetreut auf die Straße gelassen werden.
 
Zurück zur Handlung: weil sämtliche anderen Figuren dieses Films Idioten und/oder geisteskrank sind, kann die „kleine“ Leena einen Mord begehen, fliehen, noch einen Mord begehen und anschließend irgendwie nach Russland gelangen. Weil bei den Ermittlungsbehörden in Russland und den USA niemand an Fingerabdrücke, einen DNA-Test oder auch nur einen Gebissabgleich denkt, kann Leena sich als die vermisste Tochter eines amerikanischen Ehepaares ausgeben und kommt als „Esther“ bei dieser Familie unter. Nach einem weiteren Mord und einer komplett bescheuerten „überraschenden Wendung“ passieren noch einige Morde und nach gut 90 Minuten haben wir dann eines der überflüssigsten Prequels der Filmgeschichte hinter uns gebracht.
 
 
Eine wunderbare Nummer des großartigen Patton Oswalt trägt den Titel „At Midnight, I will kill George Lucas with a shovel“. Ich würde niemals so weit gehen wollen. Schon mal, weil so ein Mord mit einer Schaufel sicher eine Sauerei verursachen würde. Aber ich finde schon lange, Altmeister Lucas verdient einen Arschtritt. Man muss den alten Mann ja nicht schwer verletzen. Ich spreche hier von einem Arschtritt, wie ihn einander etwa pubertierende Teenager gegenseitig verabreichen. Freundschaftlich, aber doch bestimmt. Schmerzhaft, aber nicht tatsächlich verletzend. Eine Ermahnung an das Gesäß, sozusagen.
 
Verdient hat sich George Lucas diese Behandlung, weil er mit seinem Beispiel den Rest von Hollywood auf die saudumme Idee gebracht hat, jeder noch so mittelmäßige Film, der nur halbwegs seine Kosten eingespielt hat, verdiene ein noch schwächeres Prequel. Dafür verdient der Altmeister zumindest einen Arschtritt. Dafür und für die noch dümmere Idee mit der Fernsehserie zwischen den Filmen. Bei Disney hat man mittlerweile doch längst vergessen, dass „Star Wars“ mal eine Serie von Spielfilmen fürs Kino war.
 
Und wenn wir schon das feste Schuhwerk anhaben, dann spendieren wir auch noch M. Night Shyamalan einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten. Er hat mit „The Sixth Sense“, und „Unbreakable“ den Trend zur „überraschenden Wendung“ begründet. Kurze Zeit später hat er mit „The Village“ den Filmemachern der Welt vermittelt, überraschende Wendungen könnten gar nicht blöd genug sein. Je absurder und unrealistischer, umso besser. Dafür hat sich auch Herr Night Shyamalan einen Arschtritt verdient. Und dann natürlich noch für „Das Mädchen aus dem Wasser“. Und für „Die Legende von Aang“. Für „After Earth“ sowieso.
 
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Mal ernsthaft, wer hat denn bitteschön um ein Prequel zu „Orphan“ gebeten? Hat das Studio irgendwo einen eigenen Server voller Mails, Tweets, facebook-updates, youtube-Videos und TikToks in denen Millionen Mitglieder der unzähligen „Orphan“-Fanclubs der Welt darum flehen, eines der größten Löcher in der Handlung des durchaus passablen Films von 2009 mit einem strohdummen Prequel zu stopfen, das nur aus Handlungslöchern besteht?
 
Die Geschichte, die sich die Autoren David Coggeshall, David Leslie Johnson-McGoldrick und Alex Mace da ausgedacht haben, ist von Anfang an so voller Löcher, man hätte das Drehbuch vielleicht als Badeschwamm benutzen können. Die überraschende Wendung in der Mitte - nicht am Ende - des Films ist schon bescheuert und sorgt für einen der lächerlichsten „WTF?!“-Momente der Filmgeschichte. Wie der Film danach aber noch eine gute halbe Stunde weiter läuft, ist einfach nur noch gaga.
 
Und doch ist das Drehbuch nicht der größte Schwachpunkt des Films. Zum einen lassen einige wenige gutgeschriebene kleine Szenen, herrlich morbide Einblicke in das Leben und das Selbstverständnis privilegierter, weißer Amerikaner zu und erkennen, welches Potential diese Geschichte in fähigeren Händen gehabt hätte. Zum anderen schneidet die Regie im direkten Vergleich zum Drehbuch noch schlechter ab.
 
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And let your poor heart break a little
 
William Brent Bell hat bisher vor allem billige Horrorstreifen inszeniert, von denen ich bisher nur „The Boy“ kannte. Seine Regiearbeit an „Orphan: First Kill” ist irgendwo zwischen „überfordert“ und „dilettantisch“ zu bewerten. Er wählt Bildausschnitte für die man auch im ersten Jahr von jeder Filmschule fliegen würde. Seine Schnitte tragen nichts zum Fluss des Films bei, sondern stören diesen. Und regelmäßig bekommen wir unscharfe Bilder zu sehen, für die sich jeder Hobbyfilmer schämen würde. Ob der Regisseur mit den Schauspielern überhaupt je an ihren Rollen gearbeitet hat, ist nicht zu erkennen.
 
Der recht unbekannte Rossif Sutherland spielt den Familienvater als Chargenrolle. Der ebenso unbekannte Matthew Finlan spielt den verwöhnten Sohn als miese Chargenrolle. Der kaum bekanntere Hiro Kanagawa spielt den Ermittler als Statisten.
 
Isabelle Fuhrman spielt die mörderische Kindfrau in einzelnen Szenen gar nicht schlecht. Aber man hätte ihr einen besseren Regisseur und einen besseren Film gewünscht. Das Gesicht der mittlerweile eindeutig erwachsenen Darstellerin kann beim besten Willen niemand für das eines kleinen Mädchens halten. Da helfen auch die teilweise recht plumpen Filmtricks nichts. Wenn das kindliche Körperdouble der erwachsenen Darstellerin in manchen Szenen plötzlich eine andere Frisur hat, wirkt das lächerlich.
 
Nicht nur Isabelle Fuhrman, sondern auch Julia Stiles hätte man einen besseren Regisseur und einen besseren Film gewünscht. Und zwar vom ganzen Herzen. Stiles wurde 1999 mit „10 things I hate about you“ an der Seite des jungen Heath Ledger bekannt. Danach wirkte sie eher farblos und langweilig neben Matt Damon in „Die Bourne Irgendwas“ und „Die Bourne Irgendwas Anderes“. Und neben Matt Damon farblos und langweilig zu wirken, ist schon eine Leistung.
 
Hier wirkt Julia Stiles nun alles andere als farblos und langweilig. Ihre Darstellung der entschlossenen, privilegierten Über-Mutter ist großartig anzusehen. Stiles muss nach der bereits erwähnten bescheuerten „überraschenden Wendung“ den Rest des Films fast allein stemmen. Dass sie das sogar beinahe schafft, spricht sehr für sie. Stiles‘ Leistung und einer der lächerlichsten „WTF?!“-Momente der Filmgeschichte machen den Film beinahe, aber nur beinahe interessant.
 
Fazit
 
Ein schwaches Prequel und eine absurde überraschende Wendung. Sonst hat Regisseur William Brent Bell leider nichts von George Lucas und M. Night Shyamalan gelernt. Und doch verdient er für seine Arbeit an „Orphan: First Kill” die gleiche Belohnung wie die beiden Meisterregisseure.
 
 
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