*** Raya und der letzte Drache ***

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*** Raya und der letzte Drache ***


 

ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Die Disney Studios haben in knapp hundert Jahren mindestens ebenso viele Animationsfilme produziert, darunter einige ewige Meisterwerke. Was hat Disneys neuester Streich also Neues zu bieten?
 
Ein einsamer Reiter …
 
Im fiktiven asiatischen Land Kumandra leben fünf verschiedene Völker. Einst, im Zeitalter der Drachen, waren diese Völker vereint. Aber in Kumandra gibt es längst keine Drachen mehr. Bei einer Auseinandersetzung um ein mächtiges Artefakt kommt es zu einer Katastrophe. Die junge Kriegerin Raya muss den letzten Drachen erwecken um Ihr Volk zu retten. Aber sie muss auch lernen, zu vertrauen …
 
Zunächst der wichtigste Unterschied zwischen „Raya und der letzte Drache“ und klassischen Disney-Filmen: hier beginnt die Action unmittelbar am Anfang. Keine ewiglange Exposition, keine zwei bis drei Musiknummern vor der Haupthandlung, kein „Kommt erst mein Prinz zu mir“, … nichts davon. Die Vorgeschichte wird schnell mit einem Vorspann im Stil asiatischen Puppentheaters abgehandelt. Dann folgt eine recht gut gemachte, kurze Einbruchs- und Kampfsequenz, dann kommt es zum Verrat und schon bricht die Katastrophe über Kumandra herein und Raya ist auf dem Kriegspfad.
 
 
Auf ihrem Weg findet Raya natürlich Verbündete. Einige sind mehr, andere weniger witzig. Sisu, die letzte überlebende Drachendame, zeigt sich mal in menschlicher Gestalt, dann wieder als Drache. Sie ist für einige Lacher gut. Für die besseren Gags des Films sind ein gar nicht so süßes Kleinkind und Rayas treuer, geländegängiger Reit-Käfer verantwortlich. Andere Gefährten, wie beispielweise ein einäugiger Krieger oder ein junger Restaurantbetreiber, haben nur wenig zum Film beizutragen.
 
Auch Raya selbst wirkt als Charakter etwas unfertig. Wir lernen die Heldin kaum richtig kennen. Und was wir zu sehen bekommen, kommt uns bekannt vor. Wie bereits erwähnt, ist sie eine starke Kriegerin, die keinen Prinzen braucht. Sie will in die Fußstapfen ihres Vaters treten, was nichts Neues ist. Im Laufe der Handlung kommt es zum Konflikt, wenn Raya nicht weiß, ob sie den neuen Gefährten vertrauen soll. Das haben wir so oder so ähnlich auch schon mal gesehen. Der Konflikt ist natürlich bald überwunden und nach einer Reihe von Actionsequenzen geht alles gut aus.
 
Wenn „Raya und der letzte Drache“ funktioniert, dann nicht wegen seines Humors. Der Film ist natürlich durchaus witzig. Kinder zwischen 6 und 12 Jahren werden halbwegs gut unterhalten. Aber der Film bietet niemals die Fülle an Gags für alle Altersklassen wie sie etwa „Der König der Löwen“ oder auch kleinere Disney-Filme wie „Lilo & Stitch“ zu bieten hatten. Auch als Drama funktioniert „Raya“ nur so halbwegs. Klar, am Anfang sieht es finster aus und Ende sind wir alle froh über das Happy End. Aber an die Tragik und Dramatik von Disney-Meisterwerken wie „Die Schöne und Das Biest“ oder auch nur „Cap und Capper“ reicht das alles nicht heran.
 
01 ©2021 Walt Disney Pictures02 ©2021 Walt Disney Pictures03 ©2021 Walt Disney Pictures04 ©2021 Walt Disney Pictures

Die Welt ist zerbrochen
 
Inszeniert wurde der Film von nicht weniger als vier Regisseuren. Zusammen mit den Regie-Neulingen John Ripa und Paul Briggs zeichnen Don Hall und Carlos López Estrada für den fertigen Film verantwortlich. Während Hall für Disney u.a. „Vaiana“, „Baymax“ und „Winnie Puuh“ inszeniert hat, kennt man Estrada als Regisseur von Independent-Filmen wie „Blindspotting“ und Musikvideos für Billie Eilish und Carly Rae Jepsen. Der visuelle Stil des Films wirkt zunächst angenehm anders, vage asiatisch aber dann doch nicht wirklich fremdartig oder neu. Schlachtfelder, Paläste oder Höhlen wirken gefällig. Großen Eindruck hinterlassen die Bilder des Films aber nicht.
 
„Raya und der letzte Drache“ funktioniert vor allem als Action-Spektakel für jüngere Kinofans. Die Heldin muss fast während des ganzen Films kämpfen, fliehen, kämpfen, jemanden verfolgen, dann wieder kämpfen und sich irgendwo einschleichen um dann wieder zu kämpfen. Und diese ganzen Kampf- und Jagdszenen sind sehr gut gemacht. Die wenigen vergleichsweise ruhigen Szenen verbinden bloß die Actionszenen miteinander. Hier erinnert der Film an manche Filme der „Avengers“-Reihe, die ja auch aus dem Hause Disney stammen.
 
Bei der ganzen Action sind die Dialoge beinahe Nebensache. Im englischen Original wird Raya von Kelly Marie Tran gesprochen, die wir aus den „Star Wars“-Episoden 8 und 9 kennen. In der deutschen Fassung leiht youtuberin Christina-Ann Zalamea der Heldin ihre Stimme. Beide machen einen guten Job.
 
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Drache Sisu wird im Original von Awkwafina gesprochen. Wer diese Darstellerin in „Crazy Rich Asians“ oder „Ocean’s 8“ sympathisch fand, wird auch Drachendame Sisu mögen. Wer allerdings die Stimmen von Eddie Murphy als Mushu oder die des großartigen Robin Williams als Flaschengeist in „Aladdin“ im Ohr hat, … wird die Figur der verwirrten Drachendame auch mögen. Bloß vielleicht nicht ganz so sehr.
 
Fazit
 
Mit seiner spannenden Dramaturgie und den vielen Actionszenen bietet „Raya und der letzte Drache“ gut gemachte Unterhaltung für Kinder von 6 – 12 Jahren. Als Meisterwerk wird man den Film aber kaum jemals bewerten.
 
 
Link zum Film >> dplus b

 
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