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Kritik: Strange World

 
dfdh kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Kurzweiliger Abenteuertrip mit überraschender Wendung. Vor allem auf der Zielgeraden, da, wo es noch einmal richtig zählt, kann der neue Animationsfilm aus dem Hause Disney punkten.
 
Von Vätern und Söhnen
 
Soll der Sohn in die Fußstapfen des Vaters treten, ihm nacheifern oder einen eigenen Weg beschreiten, sich gar komplett vom ihm abwenden? Nicht wenige Filme stellen diese Frage in den Mittelpunkt, nutzen sie als dramaturgischen Motor. Auch im Disney-Animationstreifen „Strange World“ bildet der klassische Konflikt das Herz der Handlung – und löst sich auf recht erwartbare Weise. Das Drumherum ist allerdings origineller und faszinierender, als man es aus vielen ähnlich gelagerten Geschichten kennt.
 
Nachdem sein ebenso sturer wie ehrgeiziger Forschervater Jaeger (Stimme im Original: Dennis Quaid) vor 25 Jahren bei einer Expedition spurlos verschwand, hat sich Searcher Clade (Jake Gyllenhaal) längst vom Leben als Abenteurer verabschiedet, in das in sein Senior mit aller Macht hineinmanövrieren wollte. In seiner Heimat Avalonia erfreut er sich dennoch großer Beliebtheit, da er von der damaligen Unternehmung eine Pando genannte Pflanze mitbrachte, die Energie erzeugen kann. Searchers Fund hat für einen Entwicklungssprung gesorgt, was ihm mit einer Statue neben einem Standbild seines legendären Vaters gedankt wird.
 
 
Sonnen will er sich jedoch nicht im Ruhm. Vielmehr gilt seine ganze Leidenschaft und Aufmerksamkeit seiner Pando-Farm, die er zusammen mit seiner Ehefrau Meridian (Gabrielle Union) betreibt. Auch Filius Ethan (Jaboukie Young-White), der den landwirtschaftlichen Betrieb einmal übernehmen soll, packt fleißig mit an. Als Hinweise auftauchen, dass das unterirdisch verbundene Pando-Geflecht, fault und kaputtgehen könnte, erklärt sich Searcher widerwillig bereit, an einer Reise in den unerforschten Untergrund teilzunehmen. Zu seinem Erstaunen hetzt seine Gattin dem Expeditionstrupp nach, da sich Ethan, wie sie richtig vermutet, heimlich an Bord des Flugschiffes geschlichen hat.
 
Bunt und aufregend
 
Spätestens seit dem Streit mit seinem Vater während des Abenteuers vor 25 Jahren ist für Searcher klar, dass er nicht so werden will wie Jaeger, der nur seine eigenen Interessen und Ziele kannte. Manchmal – so wird deutlich, wenn wir kurz in den Kopf des Protagonisten schauen – packt ihn sogar die Angstvorstellung, sein Sohn könne zu einem egoistisch-rücksichtslosen Abbild seines verschollenen alten Mannes mutieren. Dramatisches Gewicht bekommt das von Qui Nguyen verfasste Drehbuch dadurch, dass Searcher selbst dem Muster Jaegers folgt, vor allem seine Passion, die Farm, im Blick hat und Ethan nicht fragt, was er eigentlich möchte.
 
01 ©2022 Disney03 ©2022 Disney02 ©2022 Disney04 ©2022 Disney

„Strange World“ belässt es allerdings nicht nur bei diesem Konflikt, sondern etabliert eine zusätzliche Parallele zwischen Searcher und seinem Vater, die das Duo von Ethan trennt. Während die beiden älteren Männer, Entdeckern und Eroberern aus der Kolonialzeit gleich, ihre Umwelt in gewisser Weise untertan machen möchten, dabei auch Waffen einsetzen, verkörpert der Teenager eine junge Generation, die eine sensibilisierte Perspektive hat und für ein Leben in Einklang mit der Natur und ihren Ressourcen eintritt. Ohne allzu belehrend zu werden, weist der Film auf akute Probleme hin und bezieht Stellung zu ihnen.
 
Wie man es von Arbeiten der Walt Disney Animation Studios gewohnt ist, serviert uns „Strange World“ viele kraftvolle, detailreich ausgestaltete Bilder. Besonders die titelgebende fremde Welt unter der Erde zeichnen Don Hall und Mitregisseur Qui Nguyen in anziehend leuchtenden Farben und bevölkern sie mit skurrilen, Wassertieren ähnelnden Wesen. Zu einem heimlichen Star entwickelt sich der blaue, verformbare Kleks, mit dem sich Ethan unterwegs anfreundet.
 
Von einem kurzweilig-charmanten zu einem eindrücklichen Abenteuer wandelt sich das Ganze dank eines unerwarteten Twists, der die keine großen Ruhepausen zulassende Erzählung auf eine neue Ebene hievt. Eine Wendung, die auch erklärt, warum es vorher so schwer war, einen eindeutigen Antagonisten zu identifizieren. Bei aller Freude über den schönen Abschluss gibt es jedoch einen Wermutstropfen: Auch wenn es löblich ist, dass Disney mit Ethan eine offen schwule Figur in einen Animationsfilm einbaut, mutet es schon seltsam verzagt an, wenn er seinen Schwarm nur umarmen darf, während seine Eltern mehrmals küssend gezeigt werden. Trotz verstärkter Diversitätsbekräftigungen muss der Mauskonzern offenkundig noch etwas Weg bis zu echter Gleichberechtigung zurücklegen.
 
Fazit
 
Farbenfrohes Animationsabenteuer mit schönen Botschaften und einer Überraschung, die wohl nur wenige Zuschauer kommen sehen dürften.
 
 
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