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Kritik: The Magic Flute

 
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Autor: Walter Hummer
 
„Die Zauberflöte“ ist eines von Mozarts bekanntesten Werken und gerade für junges Publikum sein zugänglichstes Werk. Eine Verfilmung für die ganze Familie war daher längst überfällig ...
 
Dies Bildnis ist bezaubernd schön
 
Der siebzehnjährige Tim hat es nicht leicht. Eben ist sein Vater verstorben und nun muss er mitten im Semester auf eine neue Schule wechseln. Schon sein Vater hatte die berühmte „Mozartschule“ besucht. Auf dem Weg nach Salzburg lernt Tim seine Mitschülerin Sophie kennen. Die beiden jungen Menschen finden schnell Gemeinsamkeiten. Aber in der Schule warten nicht nur viel Arbeit, fiese Mitschüler und strenge Lehrer auf ihn ...
 
Die Idee, auf der Grundlage der „Zauberflöte“ einen Film für die ganze Familie zu drehen ist ebenso einfach wie genial. Man muss sich fragen, warum niemand früher darauf gekommen ist. Seit Jahrzehnten wird „Die Zauberflöte“ immer wieder in eigenen Vorstellungen für Kinder und oft genug sogar als Puppentheater aufgeführt. Im Gegensatz zu anderen Werken Mozarts, voll sexueller Nötigung („Die Entführung aus dem Serail“), Ehebruch („La nozze di Figaro“) und grausamen Psychospielchen („Cosi fan tutte“) , ist „Die Zauberflöte“ mit ihren genialen aber eingängigen Melodien und ihrer märchenhaften Handlung wie für Kinder gemacht.
 
 
Deshalb überschlägt sich das Feuilleton auch bereits vor dem Start des neuen Films von Florian Sigl mit Lobeshymnen. Aber dort schreiben auch Leute, die „Die Zauberflöte“ als „Oper“ bezeichnen, obwohl sie ein Singspiel ist. Und dort bezieht man sich auch fast nur auf „Mozarts Oper“, obwohl das Libretto und damit die Handlung und die Dialoge von Emanuel Schikaneder stammen.
 
Aber zurück zum neuen Film auf der Grundlage von Mozarts und Schikaneders Singspiel. Der ist wirklich recht nett geraten. Die Produktion scheint über ein ausreichendes Budget verfügt zu haben. Die computergenerierten Bilder entsprechen dem internationalen Standard. Das ist bei europäischen Koproduktionen nur selten der Fall. Aber alles was durch die Märchenwelt von „The Magic Flute“ kreucht und fleucht, wirkt überzeugend und auch die Hintergründe sehen durchaus interessant aus.
 
Die Drehorte wurden hervorragend ausgesucht. Kleiner Hinweis für filmhistorisch interessierte Leser*innen: wenn Euch die Außenansichten der „Mozartschule“ bekannt vorkommen, dann vermutlich weil ihr gesehen habt, wie Richard Burton selig und der junge Clint Eastwood in „Agenten sterben einsam“ daran herumgeklettert sind. Die Innenaufnahmen der Schule wurden in Schloss Leopoldskron gedreht, das u.a. zwanzig Jahre lang von Max Reinhardt bewohnt wurde und wo bereits Julie Andrews in „The Sound of Music“ gesungen und getanzt hat.
 
Alle Studioaufnahmen entstanden in den Bavaria Studios, womit man dort nach Jahren mal wieder einen richtigen Kinofilm gedreht hat. Auch die Ausstattung und die Kostüme wirken sehr ansprechend. Gerade in Kinderfilmen werden Jugendliche gerne grell und bunt gekleidet. Die jungen Protagonisten laufen hier aber in realistischen Outfits herum. Die altmodisch wirkenden Uniformen der Internatsschule vermitteln die Tradition dieser fiktiven Schule. In der Märchenwelt ist alles bunter, aber nie schrill. Alles wirkt sehr fantasievoll.
 
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Ach, ich fühl’s, es ist verschwunden
 
Leider kann man das über die Regie von Florian Sigl nicht sagen. Der junge Regisseur hat bei der Arbeit an der Neuinterpretation eines der größten Werke des Musiktheaters auf seine Erfahrungen aus Werken wie „Huk24 - Hausrat einfach einfach versichern“, „Volkswagen Beetle Dune – Badespaß“ aber vor allem „Ricola - Hustenkonzert“ zurückgreifen können. Sigl hat bisher nur Werbefilme gedreht. „The Magic Flute“ ist nicht nur sein erster Kinofilm sondern überhaupt seine erste Arbeit mit mehr als einer Minute Laufzeit. Und das merkt man während des Films leider immer wieder.
 
Warum wurde ein so teures, komplexes und durchaus prestigeträchtiges Projekt einem so unerfahrenen Regisseur anvertraut? Denn auch wenn die Szenen in der Märchenwelt zum großen Teil funktionieren, sind es doch die kleinen Sequenzen dazwischen, die einem kaum jemals die richtige Stimmung vermitteln. Ein erstes Zusammentreffen zwischen zwei jungen Menschen läuft viel zu schnell ab und ist viel zu schnell vorbei, um romantisch zu wirken. Vermutlich hatte Sigl noch nicht realisiert, dass er nun mehr als 45 Sekunden Zeit hat, um eine Szene zu gestalten. Eine traurige Nebenhandlung um Mobbing und Selbstmord berührt uns emotional ungefähr so wie Sigls Frühwerk „L'Oréal - Anti Haarbruch“.
 
Schade ist das auch für die jungen Hauptdarsteller. Der junge Brite Jack Wolfe hat bereits ihn einigen Fernsehproduktionen wie z.B. „The Witcher“ mitgewirkt. In seiner ersten Hauptrolle wirkt er sehr sympathisch. Aber nach mehr als zwei Stunden reicht das irgendwann nicht mehr für einen Helden.
 
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Niamh McCormack kennt man ebenfalls aus „The Witcher“. Die junge Frau wirkt in ihren Szenen bezaubernd. Aber die Drehbuchautoren rund um Florian Sigl hatten zu wenig Interesse an ihrer Figur um sie zu einem echten Charakter fertigzuschreiben. Und Regisseur Sigl hat mit seiner Schauspielerin vermutlich zu wenig an ihrer Rolle gearbeitet. So reicht McCormack Ausstrahlung alleine auch nicht aus, um zwei Stunden interessant zu bleiben.
 
Iwan Rheon („Game of Thrones“) als Papageno, Stéfi Celma als Papagena, Sabine Devieilhe als Königin der Nacht und die anderen Darsteller der Märchenwelt spielen alle routiniert. Synchronarbeit bei Gesangsparts ist sicher ein schwieriges Unterfangen. In „The Magic Flute“ passen die Lippenbewegungen der Schauspieler*innen aber immer wieder überhaupt nicht zur Tonspur. Hier hätte man nacharbeiten müssen, weil diese Fehler von den Leistungen der Darsteller*innen ablenken.
 
Die Besetzung von F. Murray Abraham als Schulleiter ist reines „stunt casting“, um Aufmerksamkeit für den Film zu generieren. Für unsere jüngeren Leser*innen: Abraham hat seinen einzigen Oscar vor bald vierzig Jahren für die Darstellung des Antonio Salieri in Miloš Formans „Amadeus“ verliehen bekommen. Die Rolle des Schulleiters in „The Magic Flute“ hätte jeder andere ältere Schauspieler ebenso gut gespielt.
 
Startenor Rolando Villazón hat einen Gastauftritt, der die Kinder im Publikum noch weniger interessieren wird als die Besetzung von F. Murray Abraham. Aber dem Feuilleton gefällt so etwas.
 
Fazit
 
Eine sehr gute Idee, gefällig umgesetzt: „Die Zauberflöte“ als moderner Fantasy-Film für die ganze Familie. Auch wenn die unerfahrene Regie für einige Misstöne sorgt, können Kinder hier ganz einfach zum ersten Mal die Musik Mozarts erfahren.
 
 
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