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Kritik: Ella und der schwarze Jaguar

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Autor: Christopher Diekhaus
 
Packende Familienunterhaltung vor atemberaubender Kulisse dürfte Tierfilmexperte Gilles de Maistre („Mia und der weiße Löwe“) im Sinn gehabt haben. „Ella und der schwarze Jaguar“ wird diesem Anspruch aber nicht gerecht.
 
Overacting für Fortgeschrittene
 
Wer immer schon mal wissen wollte, wie eine einzige Figur einen ganzen Film herunterziehen kann, sollte sich Gilles des Maistres neue Regiearbeit unbedingt anschauen. „Ella und der schwarze Jaguar“ schlägt mit der neurotischen Anja (Emily Bett Rickards) dermaßen über die Stränge, dass es fast (wirklich nur fast!) schon wieder lustig ist.
 
Aber der Reihe nach: Im Zentrum des Abenteuerstreifens steht die Teenagerin Ella Edison (Lumi Pollack), die ihre Kindheit im Amazonasdschungel verbrachte und sich dort mit einem schwarzen Jaguar anfreundete, den sie auf den Namen Hope taufte. Nach dem Tod ihrer Mutter (Eva Avila), einer engagierten Tierschutzaktivistin, zog sie mit ihrem Vater Saul (Paul Greene) schließlich nach New York.
 
 
Verärgert über die Anweisung, im Biounterricht Frösche zu sezieren, legt sich die mittlerweile 15-Jährige eines Tages mit ihrer Lehrerin Anja an. Nur wenig später fällt Ella ein Brief aus ihrer alten Heimat in die Hände, in dem Familienfreund Oré (Wayne Charles Baker), Anführer einer indigenen Gemeinschaft, über den Raubbau an der Natur berichtet.
 
Was die Jugendliche besonders aufhorchen lässt: Angeblich streift nur noch ein einziger schwarzer Jaguar durch die Region. Womöglich ihre Freundin Hope? Ja, glaubt Ella und macht sich deshalb, unbemerkt von ihrem Vater, auf den Weg nach Südamerika, um die Raubkatze zu retten. Hinterher eilt ihr – wer sonst!? – ihre auf den Urwald ganz und gar nicht vorbereitete Biolehrerin, eine erste von vielen schwach motivierten Drehbuchwendungen.
 
Starke Nerven braucht es fortan, um Anjas hysterisches Gehabe zu ertragen. Gilles de Maistre und seine für das Skript verantwortliche Ehefrau Prune scheinen sie als eine Art tragische Figur zu sehen, wollen ihr mit einer phobischen Vorgeschichte etwas Tiefe verleihen.
 
Mehr als eine Knallcharge ist Ellas anfangs auf Stöckelschuhen durch den Dschungel stolpernde Begleiterin allerdings nicht. Enormen Anteil daran hat auch Emily Bett Rickards, die, vom Regisseur nicht gebremst (oder aber angespornt?), so tut, als gäbe es einen Oscar für das krasseste Overacting. Schon ihretwegen fällt es schwer, sich richtig auf den Film und seine Geschichte einzulassen.
 
01 ©2023 STUDIOCANAL02 ©2023 STUDIOCANAL03 ©2023 STUDIOCANAL04 ©2023 STUDIOCANAL
 
Bewegende Rückblenden
 
Dummerweise ist Nebenfigur Anja nicht das einzige Problem von „Ella und der schwarze Jaguar“. Gilles und Prune de Maistre hatten bei der Entwicklung ihres neuen Leinwandabenteuers sicher gute Absichten im Hinterkopf, sind aber leider nicht imstande, diese überzeugend umzusetzen. Die Abholzung des Regenwaldes, die Bedrohung für die Tierwelt und die indigenen Bewohner möchte das Duo ins Blickfeld rücken, auch kleinen Zuschauern nahebringen.
 
Dramaturgisches Feingespür sucht man indes vergebens. Eher unbeholfen werden die Themen in den Plot hineingezwängt. Einen Plot, der schon im Mittelteil nicht sonderlich fesselt und gegen Ende regelrecht in sich zusammenfällt. Nur mit einer platten Wendung kann der Showdown auf den Weg gebracht werden. Auf der Zielgeraden passen die zeitlichen Abläufe hinten und vorne nicht. Und Orte, die eigentlich ein gutes Stück auseinander liegen müssten, sind plötzlich nicht weit voneinander entfernt.
 
Am meisten stört jedoch die Heuchelei des Drehbuchs, das behauptet, sich für die Ureinwohner stark zu machen. Im Finale, so viel sei verraten, kramt das Ehepaar de Maistre dann aber wieder das reaktionäre White-savior-Motiv aus der Mottenkiste. Wie so oft lehnen sich die Einheimischen nicht aus eigenem Antrieb gegen Ungerechtigkeiten auf. Erst ein flammender Aufruf einer weißen Figur setzt die lokale Bevölkerung in Bewegung. Vor 30 Jahren hätten wohl die meisten Abenteuerfilme so oder ähnlich argumentiert. Heute aber sollten wir eigentlich viel weiter sein.
 
Ist also alles schlecht? Die ehrliche Antwort lautet: Nein! Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier (beim Dreh wurden zwei echte Jaguare verwendet, die die Ella-Schauspielerinnen über einen langen Zeitraum kennenlernten) kommt zumindest in den Rückblenden voll zur Geltung. Wie Airam Camacho, die Darstellerin der jungen Ella, mit der knuffigen schwarzen Raubkatze interagiert, ist allemal berührend. Hübsch anzusehen sind sicher auch einige der in goldenes Licht getauchten Landschaftsbilder. Kaschieren lässt sich damit freilich nicht, was der Film in erzählerischer Hinsicht verbockt.
 
Fazit
 
Gut gedacht ist nicht gleich gut gemacht. „Ella und der schwarze Jaguar“ möchte auf die Probleme im Amazonasdschungel aufmerksam machen, ist aber ein lieblos zusammengestoppelter Abenteuerstreifen, den eine hochgradig klischeehafte Nebenfigur fast im Alleingang killt. Schade um einige schöne Naturaufnahmen und ein paar Szenen, in denen sich das innige Band zwischen Mensch und Tier vermittelt.
 
 
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