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*** White Boy Rick ***


wbr kritik
 
Autor: Allan F
      
Drogen. Bandenkriminalität. Korruption. Matthew Mcconaughey. Da sollte doch eigentlich nichts schief gehen. Schauen wir mal…
 
Aufstieg und Fall
 
Irgendwann in den 80ern. Detroit. Reagan-Ära. Die Depression in der Motor City der USA ist an allen Ecken deutlich spürbar. Die Kriminalitätsrate geht durch die Decke - Drogen und Mord geben in den Straßen den Ton an. Irgendwo in diesem Sumpf versucht Richard Wershe (Matthew Mcconaughey) sich mit kleinen Waffenschiebereien über Wasser zu halten. Sein Sohn, Richard Wershe Junior (Richie Merritt) ist 14 und lernt von seinem Vater alles für ein Leben auf der Straße. Alles für den schnellen Dollar. Als irgendwann Undercover-Cops den Jungen mit Geld locken, um Drogendealer zu bespitzeln, greift er natürlich zu. Und so wird aus Richard Wershe Junior der jüngste Drogendealer und Polizeiinformant: White Boy Rick.
 
Soweit die Basis des Films mal - ohne zu spoilern. Basierend auf dem realen Schicksal des Richard Wershe Junior, der nun bereits seit fast 30 Jahren im Gefängnis sitzt, wird im Film der tragische Werdegang Wershes vom kleinen Informant zum erfolgreichen Drogenboss porträitiert. Der Trailer im Vorfeld ließ auf ein Crime-Drama à la „Donnie Brasco“ oder „Goodfellas“ hoffen. Denn der Fall „White Boy Rick“ beschäftigt Behörden und Bevölkerung der USA gleichermaßen – auch Jahrzehnte nach der Inhaftierung Wershes. Somit bietet der Fall genügend brisantes Material für einen Blockbuster dieser Größenordnung.
 
 
Aber leider weit gefehlt…
 
Schwarz und Weiß
 
…denn „White Boy Rick“ macht aus all den Möglichkeiten nicht wirklich was. Konzentriert wird sich nur auf den Aufstieg und Fall, bis der böse Bube im Gefängnis sitzt. Schade, denn was bis zum heutigen Tag (!) noch für neue und haarsträubende Entwicklungen im Leben des Richard Wershe Junior ans Tageslicht kommen, wäre schon eine TV-Serie wert. Aber naja. Wir sind bereits 10 Minuten im Film und es sind schon alle Charaktere und deren Motive klar. Viel mehr Background gibt es dann später im Film auch nicht mehr für den Zuschauer. Ich habe also keine große Verbundenheit zu irgendeinem der Charaktere verspürt, was bei diesem Stoff aus dem echten Leben ein doppelter Fail in meinen Augen ist. Besonders die Beziehung Vater-Sohn-Tochter Wershe lässt mich absolut kalt, denn so ist auch die Chemie der drei Darsteller zueinander. Einen echten Funken Familienbande unter der ganzen Milieu-Problematik fehlt mir gänzlich bzw. wollte bei mir einfach nicht überspringen. Besonders die Storyline der Schwester war einfach reinquetscht und passt nur zähneknirschend ins Gesamtbild des Streifens.
 
Aber auch am Gesamtbild kann ich kein wirklich gutes Haar lassen, denn der Film schwankt so aggressiv zwischen Gangster-Film und Familien-Drama, dass mir nicht viel Zeit bleibt, bei dem einen oder anderen Motiv Emotionen für die Charaktere und deren Situation zu entwicklen. Wie in vielen Filme heute, hier auch wieder ein schlimmer Anfall von „Im-Drehbuch-steht-es-so-also-ist-es-so!“. Der Film plätschert vor sich hin, Dinge passieren einfach, eine organische Entfaltung der Charaktere und des Plots sucht man hier vergebens. Da kann auch der gute Matthew M. nichts retten, seine Starpower reicht einfach nicht, den Rest gut da stehen zu lassen. Der Cast ist ok, aber irgendwie hat keiner richtig was zu tun.
 
01 ©2019 Sony Pictures02 ©2019 Sony Pictures03 ©2019 Sony Pictures04 ©2019 Sony Pictures
 
Der britische Regisseur-Newcomer Yann Demange setzt auf Tristesse in Farben und Bildern, welche die Geschichte visuell schön trägt. Passend für eine Serie auf Netflix, für einen Kinobesuch war ich aber etwas enttäuscht. Selbst die Las Vegas-Montage war, wie der Rest des Films, sehr unspektakulär und unspannend in Szene gesetzt. Also, wenn man in Vegas keine guten Bilder für seinen Film rausholt, dann weiß ich auch nicht so recht. Versteht mich nicht falsch, die Stadt Detroit ist der heimliche Star des Films. Dreckig, düster und beklemmend – aber sicherlich hätte hier auch noch mehr rausgeholt werden können.
 
Der Soundtrack sei noch positiv erwähnt. Manchmal ein bisschen zu „80s-in-your-face“, aber dennoch auch mit vielen kleinen Überraschungen in der Songauswahl.

Fazit
 
Ich erwartete Großes für die Augen. Wie gesagt, der Trailer hatte für mich schon „Donnie Brasco“ und „Goodfellas“-Flavour mit einem neuen Spin. Leider ist das Endergebnis blass, unspektakulär und irgendwie ein totales Chaos. Teilweise fühlte es sich eher wie „Winter´s Bone“ oder „Out of the furnace“ an. Also entscheiden, wer er inhaltlich sein möchte, kann „White Boy Rick“ irgendwie nicht so richtig. Am Ende war es mir eigentlich echt egal, was mit allen passiert.
 
Und das ist das Traurige daran. Hier wurde eine echt spannende Geschichte, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann, irgendwie zu einem halbgaren B-Titel für die Streaming-Dienste verarbeitet. Als ich im Vorfeld recherchierte und mir eine 40-minütige Doku über den Fall reingezogen habe, habe ich um einiges mehr mit den Beteiligten mitgelitten. Wenn der Film hilft, Bewusstsein für das Schicksal von Richard Wershe Junior zu schaffen, dann will ich nichts gesagt haben. Aber einfach als Film an sich: Lame.
 
 
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