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*** Rate Your Date ***


ryd kritik
 
Autor: Walter Hummer
      
Niemand sieht sich romantische Komödien wegen der spannenden Handlung an. Aber was, wenn die Handlung komplett vorhersehbar ist? Und weder witzig noch besonders romantisch?
 
Hot Summer
 
Teresa ist jung und attraktiv aber verwirrt. Deshalb schläft sie dauernd mit fremden Männern. Weil sie aber ein Herz aus Gold hat, ist sie die Hauptfigur in dieser romantischen Komödie. Oder muss sie ein Herz aus Geld haben, weil sie die Hauptfigur in einer romantischen Komödie ist?
 
Anton ist jung und attraktiv und weiß genau was er will. Er will seine langjährige Freundin Cissi heiraten. Die ist zwar jung und attraktiv aber auch eine doofe Zicke und will vor der Hochzeit noch jede Menge Sex mit anderen jungen und attraktiven Männern. Weil Anton auch ein Herz aus Gold hat, ist er nicht bloß die männliche Hauptfigur in dieser romantischen Komödie. Er geht auch noch auf den dämlichen Vorschlag seiner Freundin ein. Wer will wetten, ob er auf Teresa treffen wird, die viel besser zu ihm passen würde?
 
 
Patricia ist jung und attraktiv und Teresas beste Freundin, weil die weibliche Hauptfigur in einer romantischen Komödie eine beste Freundin haben muss. Steht so in der Verordnung für romantische Komödien. Weil die beste Freundin stets verfügbar sein muss, teilen die beiden Frauen ihr 150-Quadratmeter-Loft in Berlin Mitte miteinander. Patricia hat einen Sohn, der sicher mal sehr attraktiv werden wird. Bisher ist er bloß süß. Sein Vater war jung und attraktiv aber leider unzuverlässig, weshalb Patricia nicht bloß die beste Freundin, sondern auch die Stimme der Vernunft in diesem Film spielen darf.
 
Paul ist Antons bester Freund. Weil er zwar jung aber ein bisschen weniger attraktiv als der Rest der Besetzung ist, muss er die komische Nebenfigur spielen. Das merkt man vor allem an seiner lächerlichen Art sich zu kleiden. An seinen Dialogen oder Aktionen merkt man das weniger. Die sind nämlich nie wirklich witzig.
 
Irgendwann beschließen Teresa und Anton gemeinsam eine App zu entwickeln. Patricia und Paul werden auch an dem Projekt beteiligt und an der Stelle ist die ganze Handlung bereits so uninteressant und vorhersehbar, dass jeder Leser den Rest mit Heldin und Heldin kommen zusammen, dann folgt die Krise, dann kommen sie doch wieder zusammen und am Ende sind alle glücklich, wirklich selbst ergänzen kann.
 
That’s why I’m here!
 
Ich will gar nicht davon anfangen, warum so viele romantische Komödien über junge und attraktive Menschen gedreht werden. Offensichtlich besteht ein großer Markt für diese Art von Filmen. Oder die Studios meinen, es bestünde ein großer Markt für diese Art von Filmen. Das ist mir auch gleichgültig. Nicht gleichgültig ist mir, warum so viele dieser Filme so schlecht gemacht sind.
 
Warum sehen wir Teresa zum ersten Mal in einem dieser Clubs, die es nur in dieser Art von Filmen gibt? Denn nur dort gibt es Clubs, in den man sich in aller Ruhe unterhalten kann, sodass sogar Leute zwei Meter weiter einen verstehen können. Sogar der Barmann kann sich an der Unterhaltung beteiligen. Wenn ich in einen Club gehe, muss ich den Barmann aus nächster Nähe anbrüllen, damit er vielleicht mit viel Glück versteht, dass ich etwas zu trinken will. Was ich zu trinken will, versteht er meist schon nicht mehr.
 
01 ©2019 Twentieth Century Fox02 ©2019 Twentieth Century Fox03 ©2019 Twentieth Century Fox04 ©2019 Twentieth Century Fox
 
Warum läuft in diesem Club Musik, die wie der Soundtrack zu einem Tatort aus den 80er-Jahren klingt? Warum stehen die Hauptfiguren im Regen, nur weil sie gerade eine Krise erleben? Und warum regnet es nur dort wo die Hauptfiguren stehen und zwanzig Meter hinter ihnen nicht mehr? Und warum laufen die Liebenden einander just im richtigen Augenblick zufällig über den Weg? Berlin hat mehr als drei Millionen Einwohner, hätten sich die Drehbuchautoren Katy Eyssen und David Dietl nicht wenigstens für das Ende mal etwas einfallen lassen können?
 
Man kann so eine Handlung sich doch auch entwickeln lassen. Man kann so einen Film auch in der Realität spielen lassen. Aber dazu muss man sich beim Verfassen des Drehbuchs auch mal anstrengen und sich mal tatsächlich ein paar Ideen haben. Die Handlung von „Rate Your Date“ wirkt wie mit einem Baukasten erstellt. Ich habe schon Werbespots für Tiefkühlpizza mit raffinierter Handlung gesehen. Und wie aus einem Werbespot wirken auch die handelnden Figuren.
 
Attraktive junge Menschen in Berlin Mitte
 
Alicia von Rittberg haben wir u.a. in „Fury – Herz aus Stahl“ und der Fernsehserie „Charité“ gesehen. Weil sie in diesen Projekten echte Charaktere dargestellt hat, konnte sie dort zeigen, was für eine kompetente Darstellerin sie ist. In ihrer Rolle als Teresa schafft sie es, sehr sympathisch zu wirken. Mehr ist mit einer solchen Rolle nicht zu erreichen.
 
Der Schweizer Marc Benjamin hat bisher kleinere Rollen in internationalen Produktionen wie „Eddie the Eagle“ oder größere Rollen in Filmen wie „Vielmachglas“ gespielt. In seiner Rolle als Anton muss er stottern, wenn die Handlung es erfordert, nicht wenn ein Stotterer stottern würde. Er muss abwechselnd unsensibel und einfühlsam sein, je nachdem was die Story gerade braucht. Er muss wissen, was er will und verwirrt sein, wann immer es den Autoren eben passt. Auch Benjamin schafft es halbwegs sympathisch zu wirken.
 
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Die Rolle der besten Freundin in einer romantischen Komödie ist immer undankbar. Nilam Farooq („Soko Leipzig“) muss diese Rolle in „Rate Your Date“ spielen. Daher besteht ihr Dialog zu einem großen Teil aus Kalendersprüchen. Wenn sie am Ende trotzdem die sympathischste Darstellung des Films abliefert, ist das eine große Leistung.

Alle Darsteller dieses Films verdienen unser Mitleid. Aber niemand so sehr wie Edin Hasanovic („Schuld sind immer die Anderen“). Seine Rolle als Paul stammt direkt aus einer miesen Sitcom. Nicht aus einer mittelmäßigen Sitcom, sondern aus einer wirklich letztklassigen Sitcom. Die Art von Sitcom, deren Hauptdarsteller Jahre zuvor schon eine Sitcom hatte, danach keine Sitcoms mehr machen wollte, mangels Erfolges nun aber doch wieder eine Sitcom macht. Und in so einer Sitcom sieht man solche Nebenfiguren. Die Figur des Paul muss Kniestrümpfe zu Shorts tragen UND ein Segway fahren. Ein Segway! Das ist ein visueller Gag aus der Frühzeit dieses Jahrhunderts.
 
Fazit
 
Eine romantische Komödie, die weder besonders romantisch ist noch besonders komödiantisch. Wer demnächst eine romantische Komödie im Kino sehen will oder muss, weil die Freundin zum Ausgleich dafür dann auch in „Captain Marvel“ mitgehen würde, sollte sich vielleicht nach einem anderen Film umsehen oder sich fragen ob es das Wert ist. Die Freundin in „Captain Marvel“ mitzunehmen ist ohnehin keine gute Idee. Die fragt dann ja doch dauernd, warum Nick Fury keine Augenklappe trägt …
 
 
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