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*** Good Boys ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Komödien über verliebte Teenager, die Unsinn anstellen weil Hormone durch ihren Körper toben, gibt es wie Sand am Meer. „Good Boys“ erzählt diese altbekannte Geschichte aus der Sicht von drei Zwölfjährigen.
 
“Der menschliche Körper ist mir ein totales Mysterium”
 
Max ist Zwölf Jahre alt und verliebt in die hübsche Brixlee. Zwar hat er noch nie ein Wort mit dem Mädchen gewechselt. Aber das soll sich auf einer „Knutschparty“ endlich ändern. Zusammen mit seinen Freunden, dem herzensguten Lucas und dem großmäuligen Thor versucht er rechtzeitig vor der Party alles über das Küssen zu lernen. Dabei läuft einiges schief. So verlieren die drei Burschen die Drohne von Max‘ Vater, kommen irrtümlich in den Besitz von Drogen, werden verfolgt, verkaufen die Sexpuppe von Thors Eltern, überqueren zu Fuß eine Autobahn, kaufen Drogen um diese gegen eine neue Drohne zu tauschen, verwüsten ein Haus und klauen Bier. Am Ende ihres Abenteuers werden die drei Freunde einiges gelernt haben. Auch über das Küssen …
 
Schlimmer als schlechte Filme sind langweilige Filme. Und am langweiligsten sind Filme die immer und immer wieder das Gleiche nach dem gleichen Muster zeigen. Leider werden in Hollywood kaum noch andere Filme produziert, weil die Studios einfach keine Risiken mehr eingehen wollen. Die Macher von „Good Boys“ haben sich etwas getraut. Sie haben mal etwas anderes versucht. Dabei ist ihr Konzept gar nicht so abwegig. Nachdem vor zwei Jahren mit „Es“ überzeugend der Horror des Erwachsenwerdens aus der Sicht von Zwölfjährigen vermittelt wurde, wird nun die erste Sehnsucht aus diesem Blickwinkel gezeigt. Und was kann ein böser Clown schon anstellen, das für einen Zwölfjährigen schlimmer wäre als die Aussicht, seinen Schwarm von einem anderen geküsst zu sehen?
 

„Ich hab dabei fast einen Steifen gekriegt“
 
Eines vorweg: wer ein Problem damit hat, wenn Zwölfjährige mit Freunden über ihre körperliche Begierden sprechen, Sexspielzeug aus dem Schrank der Eltern klauen, über die Anzahl ihrer Schamhaare spekulieren, Bier trinken, ihre Eltern anlügen und ganz allgemein jede Menge Unsinn anstellen, sollte diesen Film meiden. Und am besten auch die reale Welt. Denn auch wenn es bei mir schon ein paar Jahrzehnte her ist, seit ich selbst ein Zwölfjähriger war, kann ich nur bestätigen: all das tun Burschen in dem Alter. Und noch viel mehr, wenn sie nur die Gelegenheit dazu bekommen.
 
Denn Zwölfjährige verhalten sich genauso, wie in diesem Film beschrieben. Als ich in dem Alter war, hätte ich jedem meiner Freunde jederzeit ohne zu Zögern eine Niere gespendet … selbst wenn ich damals gewusst hätte, wofür ich meine Nieren brauche. Hätte aber nur die allergeringste Aussicht bestanden, die Lippen meines heimlichen Schwarms aus der Schule küssen zu dürfen, hätte mein bester Freund eben noch eine Weile an der Dialyse hängend auf die Niere warten müssen. Es hätte vermutlich auch nicht lange gedauert.
 
Ich meine, … als ich Zwölf war, … mhm, … nein, das hätte sicher nicht lange gedauert … Zurück zum Thema: Man könnte diesen Film leicht als Mischung aus „Es“ und „Ananas Express“ abtun. Man bekäme dann immer noch einen unterhaltsamen, herrlich komischen Film zu sehen. Aber die beiden Drehbuchautoren Lee Eisenberg und Gene Stupnitsky („Bad Teacher“) zeigen immer wieder wie gut sie sich an ihre eigene Kindheit erinnern können. Wenn selbst der nette und kluge Max nur ein Opfer seiner Hormone ist oder wenn Thor sein Talent verleugnet, nur um zu den „coolen Typen“ zu gehören oder wenn der besonnene Lucas mit der Scheidung seiner Eltern überfordert ist, gewährt uns dieser Film immer wieder tiefe Einblicke in die Welt der Präpubertierenden.
 
Und genau dieses Wissen darum, wie Burschen in dem Alter denken, fühlen und handeln, macht diesen Film so herrlich witzig. Einerseits sind die drei Helden naiv und meinen, Thors Eltern hätten eine „Wiederbelebungspuppe“ und „Waffen“ im Schrank und eine „Schaukel“ im Schlafzimmer. Andererseits äußert Max dann doch einen Verdacht, was der Käufer tatsächlich mit der Puppe vorhaben könnte. Eine Sequenz am Ende des Films, in der Maxs Erfahrungen mit Beziehungen gezeigt werden, ist zum Brüllen komisch. Wenn man dann noch erfährt, über welchen Zeitraum der junge Held diese Erfahrungen sammeln durfte, lacht man Tränen und weint gleichzeitig vor Rührung.
 
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Zugegeben, einige der Gags fallen nicht eben subtil aus. Und ja, Regisseur Gene Stupnitsky hetzt an einigen Stellen ein bisschen arg eilig durch die Handlung. Aber dann überrascht der Film immer wieder mit herrlichen visuellen Gags und wunderbar schrägem Wortwitz. All das wird mit wirklich erstklassigem Sinn für Timing präsentiert. Die größte Stärke dieses Films ist aber die Besetzung.
 
„Bean-Bag-Boys fürs Leben“
 
Jacob Tremblay war gerade mal acht Jahre alt, als er 2015 in „Raum“ eine fantastische Leistung zeigte. Mittlerweile ist er Zwölf und zeigt, was für ein großartiger komischer Darsteller auch noch in ihm steckt. Wenn der junge Mann so weiter macht, wird er einer der interessantesten Schauspieler der nächsten Jahrzehnte werden.
 
Der noch unbekannte Brady Noon schafft es, der Figur des angeberischen, egoistischen Thor echte Tiefe zu verleihen. Nebenbei singt er wie ein Engel.
 
Keith L. Williams („Last Men on Earth“) ist einfach großartig in seiner Rolle als stets ehrlicher Lucas. Der junge Schauspieler berührt unser Herz und reizt unser Zwerchfell in so schnellem Wechsel, dass einem davon schwindlig werden kann.
 
Der erwachsenen Darsteller wie Will Forte und Molly Gordon sind bestenfalls Stichwortgeber für die jungen Darsteller. Dieser Film lebt von seinen drei jungen Stars.
 
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Fazit
 
Ja, in diesem Film sprechen Zwölfjährige über Sex, hantieren mit Drogen und Sexspielzeug, trinken Bier und fluchen. Aber sie tun noch viel mehr. Und das alles ist rasend komisch geschrieben und flott inszeniert und von drei begabten jungen Darstellern großartig gespielt. Ein Film für jeden, der sich noch an die Zeit erinnern kann, als er seine Schamhaare gezählt hat.
 
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