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***Rock my Heart***

 
rmh kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Im Grunde muss man schon dankbar sein, dass mit „Rock My Heart“ ein Film vorgelegt wird, der nicht auf einem erfolgreichen Mädchenroman oder dergleichen basiert.
 
Eine typische Ingredienz gibt es aber dennoch: Den obligatorischen, überschuldeten Hof, der nur mit einem gewonnenen Rennen gerettet werden kann. Alles altbekannt, könnte man also meinen, aber bei diesem Film gibt es noch etwas mehr: ein Drama um einen sterbenden Teenager.
 
Das Schicksal ist ein mieser Verräter – mit Pferd
 
Jana (Lena Klenke) hat einen Herzfehler, der ihr sehr zusetzt, zu Schwächeanfällen und Ohnmacht führt. Nur eine Operation kann ihr Leben retten, doch die 17-jährige verweigert sich dieser und gerät dadurch immer wieder in Konflikt mit ihrer Mutter (Annette Frier), die ihre Tochter nicht so einfach aufgeben will.
 
Im Grunde interessiert sich Jana, die sich nicht um Regeln schert und der mutigste Mensch ist, den ihr ebenfalls an einem Herzfehler leidende Freund Samy (Emilio Sakraya) je getroffen hat, für nichts mehr. Eigentlich wartet sie nur aufs Sterben, da an eine Zukunft zu denken zu schmerzhaft wäre. Da lernt sie den alten Rennpferdtrainer Paul (Dieter Hallervorden) kennen, der mit Rock My Heart ein großartiges Pferd hat, aber niemandem, dem das Tier vertraut. Jana gegenüber ist er jedoch zutraulich, so dass Paul auf die Idee kommt, mit ihr als Jockey Rock My Heart in ein Rennen zu schicken, bei dem man 100.000 Euro gewinnen kann. Genug, um seinen Hof zu retten. Jana erklärt sich einverstanden, wohlwissend, dass sie nicht nur ein Rennen um das Preisgeld, sondern auch eines gegen die Zeit antritt.
 
 
Tolles Ensemble
 
In den „Fack Ju, Göthe“-Filmen spielte Lena Klenke Laura, hier nun trägt sie einen ganzen Film – und leistet dabei einiges, denn sie bringt genau die richtige Emotionalität in die Geschichte ein. Hätte sie es übertrieben, hätte „Rock My Heart“ leicht am melodramatischen Schwulst ersticken können, aber sie spielt feinsinnig, mit Herz, authentisch. Und sie harmoniert hervorragend mit Dieter Hallervorden, der in den letzten Jahren sehr häufig gezeigt hat, dass Komödianten auch oftmals die besten dramatischen Schauspieler sind. Hier gibt es eine eigene Reise für seine Figur, die weit über das Gewinnen eines Rennens hinausgeht.
 
Das ist auch die eigentliche Essenz dieses Films: Dass er mehr zu bieten vermag, als man es eigentlich erwarten würde. Denn „Rock My Heart“ ist alles andere als ein Mädchenfilm, sondern vielmehr ein durchaus gelungenes Drama für buchstäblich jeden. Das Skript schmeckt die typische Pferdefilmgeschichte mit einer ganz starken Prise „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ab, bleibt dabei aber zurückhaltender.
 
Denn die Geschichte mit Jana und Samy wird vor allem angedeutet. Der Film zeigt genug, damit der Zuschauer im Bilde ist. Der Rest wird nicht erklärt, da die Macher davon ausgehen, dass das Publikum spürt, was hier geschieht.

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Gefährlich, aber gelungen
 
Das ist eine durchaus gefährliche Herangehensweise, da man droht, den Zuschauer verwirrt zurückzulassen. Hier funktioniert es aber, weil das subtile Spiel der Schauspieler reicht, um den Zuschauer verstehen zu lassen.
 
Einerseits, was Jana letzten Endes dazu bringt, dieses Rennen anzutreten, andererseits, wie es um ihr Schicksal bestellt ist. Alles läuft auf ein Happyend zu, sofern eine solche Geschichte überhaupt happy sein kann, aber die Macher haben sich einer gewissen, sehr eindringlichen Ambivalenz verschrieben, die in einem imposanten Schlussbild mündet.
 
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Fazit
 
„Rock My Heart“ ist ein schöner Film, der die typischen Pferde-Geschichten-Konventionen deutlich aufwertet und aus dem Ganzen ein nachvollziehbares, ehrliches, gefühlvolles, menschliches Drama macht, bei dem dem Zuschauer nicht alles haarklein vorgekaut wird, sondern eigene Denkleistung nicht nur erwartet, sondern auch eingefordert wird.
 
Ein sehenswertes Drama mit einem überragenden Dieter Hallervorden und einer bezaubernden Lena Klenke, das in einem bittersüßen Schlussbild endet.
 
 
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