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*** Sweethearts ***


shearts kritik
 
Autor: Tom von der Isar
      
Eine Ganovin die viel Geduld beweist und eine Irre die das fast unmöglich macht. Karoline Herfurth hat eine weibliche Buddy-Komödie inszeniert, die für einige Lacher sorgen dürfte. Aber trifft sie damit tatsächlich den Geschmack des Publikums?
 
Frau Herfurth, bitte werden Sie nicht nervös
 
Karoline Herfurth spielt die von Panikattacken geplagte Franny. Ganz so schlimm sollte sie sich über den Film allerdings nicht sorgen, denn liebe Karoline, bis auf ein zwei Bodenwellen, ist dir mit deiner zweiten Regiearbeit schon jetzt einer der besten Filme des Jahres gelungen. Denn wer "Meine Mutter" Witze wieder populär macht, okay sagen wir mal es versucht, der muss vollkommen verrückt sein oder genau wissen was er tut. Und dieser Spagat ist ihr in jedem Fall gelungen.
 
Hannah Herzsprung spielt die Bankräuberin Mel, so ehrlich und aufregend, dass man ihr auch gerne alleine ohne weitere große Handlung zusehen würde. Und obwohl sich die Geschichte auch manchmal zu sehr in stillen Momenten aufhält, wird man als Zuschauer schnell auch wieder mitgenommen. Ein natürlicher Mix, den man nur noch selten heutzutage sieht.
 
 
Charaktere die (sich) bewegen
 
Sehen ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn man sieht Figuren, die man sofort versteht. Vor allem zwei wirklich starke weibliche Hauptfiguren. Mel, die alleinerziehende Mutter, die sich und ihrer Tochter durch einen Diamantendiebstahl nur ein besseres Leben ermöglichen möchte. Franny die mit ihrer ganzen Schrulligkeit die Flucht samt Geiselnahme nicht gerade einfacher macht.
 
Ein bewegendes Roadmovie und spannender Krimi, der am Ende gar eine Utopie sein soll? Vielleicht weiß der Film nicht was er sein will oder soll. Wenn er uns aber bewegt, ist es dann nicht egal?!
 
Ba-ba Banküberfall
 
Das Böse ist immer und überall. Dass diese Räuberin viel ehrlicher ist, als die meisten Menschen um sie herum und gar nicht so hart wie sie selbst meint, ahnt man früh. Einfach mal nen’ Juwelier überfallen. So schwer kann das doch nicht sein. Wer den zweiten Teil von guten Heist Movies kennt, der weiß was passieren muss: Nichts weniger als Chaos. Dass das erstmal hausgemacht und die Polizei gar nicht das größte Problem darstellt, ist wohl einer der charmantesten Einfälle der Geschichte.
Die Figuren, die hier die Drehbuchautorinnen Monika Fäßler und Karoline Herfurth aufbauen, sind so anders, verstörend und wiederum so menschlich. Aus einer Lebenswirklichkeit, dass man nach kurzer Zeit nicht mehr weiß, zu wem man halten soll und wer eigentlich Irre ist.
 
01 ©2019 Warner Bros Pictures02 ©2019 Warner Bros Pictures03 ©2019 Warner Bros Pictures04 ©2019 Warner Bros Pictures
 
Die Bodenwelle
 
Als Gegenspielerin von Mel (und ihrer Geisel..?) gibt Anneke Kim Sarnau als knallharte SEK-Leiterin Ingrid von Kaiten sehr überzeugend den "Dirty Harry". Mit einem Unterschied: Sie will ihren alten Partner zurück. Denn ihr aktueller Timmsen, ist ihr einfach nicht schlau oder sagen wir besser nicht "tough" genug, wie wohl alle Menschen um sie herum. Frederic Linkemann spielt den zum Assistenten degradierten etwas trotteligen Partner der Kommissarin so gut, dass mir nur "Mr. Bean" ohne Selbstbewusstsein dazu einfällt. So muss man erst mal über einen ganzen Film hinweg ernsthaft spielen, Chapeau!
 
Wobei hier auch eine der wenigen störenden Bodenwellen aufkommt. Denn er ist wohl der einzige Charakter im Film, der bis zum Ende des Films keine Wandlung durchmacht. Aber dazu wäre wahrstheinlich eine Serie nötig, um allen Charakteren gerecht zu werden. Neben Frederick Lau als Good Cop und Ronald Zehrfeld als Bad Guy Gatsky überzeugt auch durchweg der Rest des nicht gerade unbekannten Casts. David Schütter, Nilam Farooq, Ruby O. Fee, Uwe Preuss, David Bredin, Jascha Rust, Katrin Sass, Kida Khodr Ramadan und Cordula Stratmann.
 
Die 80er haben angerufen, sie wollen ihr Licht zurück
 
Bei ihrer bereits zweiten Regiearbeit geht Karoline Herfurth in die vollen. Sie spielt nicht nur oscarverdächtig gut, sondern hat auch den so oft verschrienen "Hollywood Look" in Szene gesetzt. Karoline lässt ganz unmerklich und sanft eine 80er Stimmung aufkommen, spielt Songs die innerlich zum Tanzen anregen und dann merkt man es auf einmal, hey das ist das Licht aus meinem Partykeller.
 
Überhaupt ist Licht und Sezenenbild in jedem Detail stimmig. Für mich die beste Lichtsetzung in einem deutschen Film überhaupt. Dazu gehört natürlich auch das Kassettenradio aus Plastik und in bunt mit entsprechenden Songs, die Entführte und Entführerin, dieses so ungleiche Team, plötzlich zu einem BFF Moment verschmelzen lässt. Auch wenn Frederick Lau als Polizist Harry (sehr spannender Charakter, undurchsichtig, um dann fast eine eigene Heldenreise durchzumachen!) derweil bewusstlos an der Heizung festhängt.
 
Schräg durch und durch, aber eine Harmonie die wir uns in unserem Leben genau so wünschen, wenn mal wieder alles nach Weltuntergang, oder zumindest wolkenverhangen, aussieht. So treffsicher wie hier Setting und Tonalität der Produktion gewählt wurde, wünsche ich mir bei jedem Film.
 
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Deine Mutter schaut Kino!
 
Wer hier süßes Herzkino vermutet, der bleibt besser zuhause. Deine Mutter bleibt zuhause! Stimmt, oder äh nicht!? Dieser Film ist jedenfalls ein herrlicher Spass für die ganze Familie.
 
Und man merkt den Autoren die Liebe zu den 80’ern an. Wer mal einen Film fast ohne Handy sehen will, der ist hier richtig. Deine Mutter... jep der Film könnte aus der guten alten Zeit stammen, als Filme noch angeblich immer gut oder besser waren. Dass er heute gedreht wurde, macht ihn also nur noch beeindruckender.
 
Ein Spielfilm, so verspielt wie die Kunstform an sich, so ehrlich wie das Leben
 
Die zwei Hauptdarstellerinnen spielen so ungleich und ziehen sich doch so unweigerlich an, das verspricht eine Menge Zunder! Spannendes neues deutsches Herzkino, das sich selbst nicht zu ernst nimmt.
 
Karoline schafft es mit ihrer bereits zweiten Regiearbeit nach SMS für Dich, sich selbst zu übertreffen. Sweethearts ist anders, mindestens doppelt so gut wie ihr Erstlingswerk, dennoch gibt es bereits eindeutig eine eigene Handschrift zu erkennen. Herausgekommen ist dabei eine sehr herzliche Kleinganoven-Komödie, die gerade mit den kleinen Dingen und Unzulänglichkeiten spielt, die wir alle so gut von uns selbst kennen. Um daraus dann die Liebenswürdigkeit und Stärken einer jeden Person zu zeigen. Eine Art Idealbild-Wunsch für unser Miteinander in der Gesellschaft.
 
 
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