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***Die versunkene Stadt Z***

dvsz kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Die versunkene Stadt Z ist ein biographisch angelegter Film über den Forscher Percy Fawcett, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Amazonasgebiet erforschte und seit sei-ner dritten Expedition 1925 als verschollen gilt.
 
Die versunkene Stadt Z ist ein biographisch angelegter Film über den Forscher Percy Fawcett, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Amazonasgebiet erforschte und seit sei-ner dritten Expedition 1925 als verschollen gilt.
 
Ein Film mit Brad Pitt… als ausführender Produzent
 
Dieser Film wurde von Brad Pitts Produktionsfirma mitfinanziert und er agiert als ausführender Pro-duzent. Darüber hinaus ist jedoch unübersehbar, dass noch vor ein paar Jahren wohl Brad Pitt selbst die Hauptrolle übernommen hätte. Allein die optische Ähnlichkeit mit dem relativ unbekannten Hauptdarsteller Charlie Hunnam ist frappierend. Doch der Protagonist dieses Films ist auch emotio-nal eine Collage aus dessen Pendants in Sieben Jahre Tibet, Fury und World War Z.
 
Der junge Forscher kämpft gegen das vornehmlich adlige Establishment, deren indirekte Missach-tung und teilweise massiven Vorurteile. Angetrieben von diesem Ehrgeiz unternimmt er eine wag-halsige Mission entlang des zu dieser Zeit größtenteils unerforschten Amazonasgebietes. Obwohl er im Auftrag der Royal Geographical Society die Landschaft nur kartographieren soll, beginnt er sich bald auch für die Ureinwohner und deren Vergangenheit zu interessieren.
 
Anhand von gefundenen Tonscherben und Hinweisen der indigenen Leute vermutet er die Stadt einer untergegangen Hochkultur im Urwald. Diese These versucht er Zeit seines Lebens zu verifi-zieren und weder die eigene Familie, selbstgefällige Pseudoforscher noch ein Weltkrieg können ihn von seinen Expeditionen abhalten. Dabei steht im eine eingeschworene Crew zur Seite, darunter auch Mr. Costin. dessen langem Bart versteckt sich sogar ein nicht unbekanntes Gesicht, der Cha-rakter wird nämlich von Robert Pattinson gespielt.
 
 
Die Handlung mäandert dahin wie der Amazonas
 
Es ist wohl der Versuch unternommen worden, mit Bedacht die einzelnen Stationen dieses For-scherlebens einigermaßen vollständig wiederzugeben. Man merkt dem Film an, wie er versucht die Balance zu finden zwischen einem klassischen Spannungsbogen für konventionelle Zuschauer, einer akkuraten Wiedergabe für biographisch versierte Liebhaber und einer kritisch-modernen Aus-einandersetzung mit dieser Person. Nur leider kann ein Film nicht alles gleichzeitig sein.
 
Kein einziger Konflikt in diesem Film wird wirklich ernsthaft zu Ende geführt. Der Disput zwischen Vater und Sohn löst sich in Luft auf, ebenso wie die Diskussion mit der Gattin (Sienna Miller) über die Rolle der Frau. Auch die anfänglichen Alkoholprobleme von Mr. Costin, das Zerwürfnis mit der Royal Geographical Society, die Unterdrückung der Ureinwohner verlieren sich als Themen im Lau-fe der Geschichte, bis der Hauptdarsteller schließlich selbst verloren geht. Ob das jedoch Absicht ist, sei dahingestellt.
 
Das Einzige was man dabei als gespannter Zuschauer nicht sieht, ist die titelgebende Stadt. Die Zeit im ersten Weltkrieg wird ebenso ausführlich bebildert wie die etwas sehr Testosteron-schwangeren Sitzungen in der Forscher Society, sogar der Familienentwicklung wird Raum gege-ben. Allein die eigentlichen Errungenschaften von Fawcett, das Vordringen in das Amazonasgebiet, die ganzen Entbehrungen während der Expedition werden seltsam flach abgehandelt. Auch optisch hält sich der Film gerade an den spannenden Stellen sehr zurück (Kamera: Darius Khondji).

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Warum eigentlich keine Dokumentation über das Thema
 
Man muss sich daher ernsthaft fragen, ob eine Dokumentation den Absichten der Filmemacher (Buch und Regie: James Gray) wohl mehr entgegen gekommen wäre. Nicht nur haben sich Doku-mentationen in den letzten Jahren der Dramaturgie fiktionaler Erzählformen zunehmend geöffnet, auch optisch sind Filme wie Das Geheimnis der Bäume oder Das Salz der Erde durchaus impo-sant. Wenn man jedoch auf dem rein fiktionalen Ansatz des Films besteht, hört der Film leider ge-nau da auf wo es endlich Raum für Fantasie gegeben hätte.
 
Darüber hinaus ist es vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen gerade aus ethnologischer Sicht problematisch, die im Amazonas ansäßigen Menschen so unbedarft in ihrem „natürlichen“ Zustand darzustellen. Seit Jahren schwelt in der Wissenschaft ein heftiger Streit um die rassistische Vorein-genommenheit dieser frühen Forscher und die Authentizität damaliger Filmaufnahmen. Die Film-schaffenden tappen hier wohl unbemerkt in dieselbe Falle wie die Forschergemeinschaft, die in die-sem Film ihre eigenen Ansichten mit Vorurteilen vermischt so unreflektiert wiedergeben.
 
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Fazit
 
Trotz einer faszinierenden Prämisse versucht dieser Film viel, doch schafft leider so wenig. Ernst-haft Interessierten wäre demnach eher ein Studium der Ethnologie oder Archäologie nahezulegen. Alle anderen könnten sich auch zur Unterhaltung einfach nochmal Indiana Jones anschauen.
 
 
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