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***Mein ziemlich kleiner Freund***


mzkf kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Auf die Größe kommt es nicht an. Lässt sich leicht sagen, wenn man normalgroß ist. Aber was, wenn man als Mann gerade mal knapp 1,40 Meter zu bieten hat? Dann kann man sich schon klein fühlen, selbst wenn man so gut wie Jean Dujardin aussieht. Wichtiger noch als das Aussehen ist jedoch die Präsenz. Denn ein kleiner Mann kann durchaus groß wirken – selbst neben einer Frau, die ihn wie ein Riese überragt.
 
Wie man Blicke auf sich zieht
 
Sie lernen sich zufällig kennen: Alexandre (Jean Dujardin) und Diane (Virginie Efiras). Er hat ihr Handy gefunden und ruft sie an, um einen Übergabeort auszumachen. Als sie sich in einem Restaurant treffen, ist die hochgewachsene Blondine überrascht. Denn vor ihr steht ein kleiner Mann. Aber: Er hat unglaublich viel Charme und eine hinreißende Ausstrahlung. Zudem ist er selbstbewusst. So lädt Alexandre die Anwältin auf ein kleines Abenteuer ein. Das ist der zarte Anfang einer wunderschönen Romanze, wie sie Diane schon lange – vielleicht aber auch nie – nicht mehr gehabt hat. Aber sie hat ein Problem: Alexandres Größe. Denn fortan werden beide angestarrt, wenn sie sich in die Öffentlichkeit begeben.
 
Der Film spielt mit diesem Voyeurismus der Leute, aber auch damit, dass die weibliche Hauptfigur es durchaus gewohnt ist, die Blicke auf sich zu ziehen. Weil sie großgewachsen und attraktiv ist. Wenn sie über die Straße läuft, dann drehen sich Männer nach ihr um. Das passiert nun immer noch, aber jetzt nimmt sie es anders war. Ein Gefühl von Scham macht sich in ihr breit.
 
Genau das ist der Knackpunkt von „Mein ziemlich kleiner Freund“. Darum ist es im Grunde eher Dianes denn Alexandres Geschichte. Denn er hatte nie eine Wahl. Er wurde so geboren. Sie jedoch kann sich entscheiden: Für den Mann, der sie liebt und den sie liebt, oder für die anderen, die angesichts ihrer Beziehung immer amüsiert lächeln werden. Dies wäre keine romantische Komödie, gingen damit nicht allerhand Irrungen und Wirrungen einher. Wie es ausgeht, kann sich jeder ausmalen, der schon ein paar solcher Streifen gesehen hat.
 
Aber die emotionale Reise dieser Frau ist nichtsdestotrotz interessant. Weil man instinktiv verstehen kann, wieso sie dieses Gefühlschaos erlebt. Man hat eine bestimmte Vorstellung vom Traumleben, dem Traumprinzen, der Traumfrau, aber die Realität ist eine andere – vielleicht sogar bessere, wenn man sich von konventionellen Erwartungen lösen kann.
 
 
Besonders wertvoll
 
Die deutsche Film- und Medienbewertung hat „Mein ziemlich kleiner Freund“ mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Das kann man verstehen, weil trotz all des Humors eine starke Botschaft vorhanden ist. Allerdings muss man auch konstatieren, dass diese reichlich simpel ausgefallen ist: Sei, wer und wie du bist und gib nichts darauf, was andere denken.
 
Es ist keine intellektuelle Großtat, sich ein solches Motto ans Revers zu heften. Sympathisch ist es schon, keine Frage, aber gleich besonders wertvoll. Darüber kann man vortrefflich streiten, was angesichts der Prädikatvergabe in den vergangenen Jahrzehnten auch schon häufig der Fall gewesen ist.
 
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Typische Romcom
 
Sieht man von der Größe des Protagonisten ab, so ist dies eine handelsübliche Romcom, wie man sie jedes Jahr zuhauf im Kino sehen kann. Das macht diese französische Komödie nicht zu einem schlechten Film, nur zu einem, der recht austauschbar bleibt.
 
Er profitiert aber immerhin davon, dass er mit Jean Dujardin einen typischen Leading Man hat, der sich auch genauso benimmt, aber eben etwas klein geraten ist, was im Übrigen hervorragend getrickst ist. Daraus wird Situationskomik gezogen. Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch, dass Dujardin ein sehr filigranes Spiel abliefert. Man merkt seiner Figur schon immer wieder an, dass sie der äußeren Fassade zum Trotz mit ihrem Schicksal hadert. Alexandre macht gute Miene zum bösen Spiel. Er hat sich mit seinem Handicap arrangiert.
 
In ein paar besonders schönen Momenten kann er Menschen in seiner Umwelt mit seiner Offenheit auch richtig auflaufen lassen. Da ist der kleine Mann dann ganz groß.
 
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Fazit
 
Allzu originell ist diese Komödie nicht geraten, sie ist aber vergnüglich. Zudem erlaubt man sich ein paar ernste Momente, die dem Stoff ganz guttun und eine Tiefe mit sich bringen, die in vergleichbaren Produktionen häufig fehlt. In erster Linie gefällt der ziemlich kleine Freund jedoch, weil Dujardins Charme einfach durchdringend und der Humor ehrlich ist.
 
 
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