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*** Glass ***


glass kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
      
In „Glass“ führt Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“) die Figuren aus „Unbreakable – Unzerbrechlich“ und „Split“ zusammen und beendet eine Trilogie, die sich auf eher ungewöhnliche Weise mit den Motiven und Erzählmustern des Superheldengenres auseinandersetzt.
 
Willkommen in der Anstalt
 
Nicht wenige Zuschauer staunten, als ganz am Ende von Shyamalans „Split“ plötzlich ein von Bruce Willis gespielter Mann namens David Dunn auftauchte und den bis dahin komplett eigenständigen Film mit dem im Jahr 2000 veröffentlichten Mystery-Drama „Unbreakable – Unzerbrechlich“ in Verbindung brachte. Der kleine Cameo-Auftritt offenbarte, dass beide Werke in ein und demselben Universum spielen, und bereitete den Boden für eine Fortsetzung. Mit „Glass“ kommt nun der abschließende Teil einer Superhelden-Trilogie ins Kino, der die Stärken seiner Vorgänger aufscheinen lässt, insgesamt aber nicht vollauf zufriedenstellend ausfällt.

David Dunn, der in „Unbreakbale – Unzerbrechlich“ ein Zugunglück wie durch ein Wunder schadlos überlebte, im Anschluss von einem Mann namens Elijah Price alias Mr. Glass (Samuel L. Jackson) als Mensch mit übernatürlichen Fähigkeiten identifiziert wurde und am Ende seine Gaben sinnvoll einzusetzen wusste, heftet sich im neuen und letzten Kapitel an die Fersen des psychisch kranken, 23 Identitäten in sich vereinenden Kevin Wendell Crumb (James McAvoy), dessen Geist mit der sogenannten „Bestie“ im Schlussdrittel von „Split“ eine monströse, über Superkräfte verfügende 24. Persönlichkeit ausbildete.
 
 
Schon früh lässt Shyamalan die beiden Männer gewaltsam aufeinandertreffen. Ihr Kampf bricht jedoch plötzlich ab, als eine Spezialeinheit der Polizei die Bühne betritt. Dunn und Crumb landen nur wenig später in einer Psychiatrie, in der auch der hochintelligente Price festgehalten wird, der sich am Ende von „Unbreakable – Unzerbrechlich“ gegenüber David als skrupelloser Attentäter zu erkennen gab. Großes Interesse an den Patienten mit den außergewöhnlichen Fertigkeiten zeigt die ehrgeizige Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson), die unbedingt beweisen will, dass die drei in Wahrheit keine Superhelden sind, sondern unter einer besonderen Form des Größenwahns leiden. Außerhalb der Klinikmauern stoßen Dunns Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) und Crumbs einstiges Entführungsopfer Casey Cooke (Anya Taylor-Joy) auf interessante Hinweise.
 
Ambitioniert, aber nicht immer überzeugend
 
Faszinierend ist vor allem die Art und Weise, wie Shyamalan das aus dem Comic-Kosmos stammende Superheldenphänomen in seiner Trilogie behandelt. Während die Marvel- und DC-Adaptionen häufig auf wuchtige Schlachtsequenzen und Effektkaskaden setzen, vertraut der in Indien geborene Filmemacher auf eine geerdete Herangehensweise, die erstaunlich berührende Momente zu Tage fördert. „Unbreakable – Unzerbrechlich“ präsentiert sich in erster Linie als Charakterdrama über einen Mann, der nach einem einschneidenden Erlebnis wieder etwas Halt sucht. Fantastische Elemente kommen hier erst im finalen Akt zum Vorschein. „Split“ wiederum ist lange Zeit ein waschechter Psychoschocker, bis die „Geburt“ der Bestie den Film in übernatürliche Gefilde überführt.
 
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„Glass“ kommt eine ganze Weile als psychiatrisches Kammerspiel daher und erinnert in seinen Gesprächen zwischen Dr. Staple und den drei besonderen Patienten entfernt an die therapeutischen Begegnungen aus dem Thriller-Meisterwerk „Das Schweigen der Lämmer“, ohne freilich deren Klasse zu erreichen. Die Idee, den Superheldenstatus von Glass, Dunn und Crumb zu hinterfragen, hat durchaus ihren Reiz und garantiert eine Reihe intensiver Szenen, die besonders von McAvoys abermals furioser und furchteinflößender Performance leben. Wie der Schotte – noch öfters als in „Split“ – binnen Sekunden von einer Identität zur nächsten springt, ist schlichtweg atemberaubend.
 
Nach „Unbreakable – Unzerbrechlich“ spielt Shyamalan erneut lustvoll mit den Konventionen des Superheldengenres, kommentiert sie und treibt den Meta-Diskurs im Showdown auf die Spitze. Wer mit dem Schaffen des Regisseurs vertraut ist, weiß, dass er gerne große Wendungen bemüht, die das Publikum nicht selten spalten. Für Diskussionen sorgen dürfte auch dieses Mal das mitunter ein wenig prätentiös wirkende Finale, das erwartungsgemäß einige Twists bereithält, den Bogen aber sicher etwas überspannt. Schon vorher fällt auf, dass der kreative Kopf Probleme hat, seine Figuren sinnvoll unter einen Hut zu bringen. Vor allem bei David Dunn und der in „Split“ noch stark gezeichneten Casey Cooke hat man das Gefühl, dass der Film nicht immer weiß, was er mit ihnen anfangen soll. Da sich überdies das Geschehen zuweilen cleverer gibt, als es tatsächlich ist, geht der Abschluss der Trilogie als wohl schwächster Teil in die Geschichte ein. Nichtsdestotrotz bietet er solide Spannungsunterhaltung mit einigen originellen Einfällen.

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Fazit
 
„Glass“ hat sicherlich mit so mancher Unzulänglichkeit zu kämpfen und erreicht nicht ganz die Qualität von „Unbreakable – Unzerbrechlich“ und „Split“, ist als Schlusskapitel einer ungewöhnlichen Superheldensaga jedoch durchaus annehmbar.
 
 
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