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*** Skyscraper ***


 
sscraper kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Dwayne Johnson beerbt in seinem neuen Film wieder einmal die Actionhelden der Vergangenheit, wie Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Und wieder einmal erweist er sich als würdiger Erbe. Der ganze Film will aber noch viel mehr. Und manchmal will er ein bisschen zu viel.
 
„Willkommen im Himmel“
 
„The Pearl“ in Hong Kong ist der größte, tollste, exklusivste und komplizierteste Wolkenkratzer der Welt. In diesem Gebäude gibt es nicht nur Büros, Wohnungen, ein Shoppingcenter und einen Hubschrauberlandeplatz. Darin gibt es auch einen Nachbau des Grand Canyons der über ungefähr dreißig Etagen reicht. Und einen tropischem Dschungel. Und einen Wasserfall der über ungefähr neunundzwanzig Etagen reicht. Ganz oben, in einem kugelförmigen Raum mit den Ausmaßen eines Bahnhofs, gibt es auch noch eine Kombination aus Spiegelkabinett und Holo-Deck, wie es vielleicht ein James-Bond-Schurke in seinem Versteck haben könnte.
 
Und dann gibt es auch noch einen Panic-Room der über mehrere Etagen geht und ein Windkraftwerk im zweihundertsten Stock und … Kurz gesagt, es ist ein ganz besonderes Gebäude, in dem Will Saywer (Dwayne Johnson) die Sicherheit überprüfen soll. Im Zuge eines Planes, den wir hier nicht erörtern wollen, weil er einfach zu absurd ist, legen einige Bösewichter Feuer im 96. Stockwerk und sabotieren das automatische Feuerlöschsystem. Und während sich das Feuer zur Spitze vorarbeitet, muss Will seine Familie aus dem Gebäude retten …
 
 
Bereits seit einigen Monaten beschäftigt sich ein Mem im Internet mit dem Vorabplakat zu diesem Film. Menschen mit erstaunlich guten Kenntnissen der Physik und offensichtlich viel zu viel Zeit haben errechnet, dass Dwayne Johnson … ach was, nennen wir ihn einfach bei seinem richtigen Namen, … dass „The Rock“ den auf dem Plakat gezeigten Sprung niemals überleben kann. Was all die vielen Nerds aber komplett vergessen haben, ist WER diesen Sprung ausführt. Es ist „The Rock“.
 
„The Rock“ kann nicht nur diesen Sprung überleben. Er kann noch ganz andere Sachen. Als Tom Cruise an den Fenstern des Burj Khalifa herumklettert ist, hat er dabei High-Tech-Handschuhe vom IMF getragen. „The Rock“ schafft das gleiche mit Klebeband. Mit Klebeband! Und „The Pearl“ ist viel größer als das Burj Khalifa. Und „The Rock“ hat in dem Film bloß ein Bein. Ja, genau. Während Ethan Hunt seinen bloß 120 cm großen Körpern auf zwei Beinen bewegen kann, hat Will Saywer bloß ein Bein, um seine zweieinhalb Meter in das zwölfundsiebzigste Stockwerk zu schaffen. So sieht es nämlich aus!
 
„Sieht das für Sie nach einem Mann mit einem Plan aus?“
 
„Skyscraper“ ist kein Film. Filme haben ein Drehbuch, eine Dramaturgie, Dialoge usw. Das hier ist mehr eine Achterbahnfahrt. Und wie bei einer Achterbahnfahrt gibt es tolle und weniger tolle Abschnitte. Un des gibt Abschnitte, auf denen einem schlecht wird. Ich rate seit Jahren davon ab, Filme in 3D zu sehen (und werde das z.B. bei Pixar-Filmen weiter so halten). In „Skyscraper“ gibt es Szenen, in denen mir hinter meiner Plastikbrille tatsächlich schwindlig wurde. Fantastisch gelungen ist z.B. eine Sequenz in der Will einen Kran erklimmt. An einigen Stellen haben Zuseher während der Pressevorführung laut aufgeschrien.
 
01 ©2018 Universal Pictures02 ©2018 Universal Pictures03 ©2018 Universal Pictures04 ©2018 Universal Pictures
 
Andere Szenen funktionieren leider nur so halbwegs. Ein geplanter Absturz in einem Fahrstuhl klingt spannender wenn Will ihn erklärt, als er dann tatsächlich aussieht. Wenn Will ein Windkraftwerk hoch über Hong Kong erklimmt, ist das wieder atemberaubend. An anderer Stelle fragt man sich wiederum, wozu der Held auf der Flucht vor der Polizei ein Motorrad besteigt, wenn man ihn dann gar nicht fahren sieht? Eine Schießerei am Ende zeigt dann wieder die Schattenseiten der 3D-Projektion. Diese und einige andere Szenen sind so düster, dass man Mühe hat zu erkennen, was genau auf der Leinwand abläuft.
 
„Ich hab mein Schwert niedergelegt“ Das Drehbuch ist kein Drehbuch, sondern eine Reihe von Ausreden für Actionsequenzen. Der Plan der Bösewichter ist so lächerlich kompliziert, er hätte tatsächlich selbst ohne „The Rock“ im Haus nicht funktioniert. Die Nebenhandlung mit einem alten Freund und Kollegen hätte man besser ersatzlos gestrichen. Die Dialoge sind oft unfreiwillig komisch. Nichts gegen lächerliche Dialoge. In „The Rock’s“ letztem Film „Rampage“ waren die Dialoge teilweise komplett absurd. Aber anders als „Rampage“ nimmt sich „Skyscraper“ leider ein bisschen zu ernst. Hätten sich die Filmemacher die Lächerlichkeit ihres Projekts eingestanden, wäre vielleicht ein einheitliches Ganzes entstanden.
 
„Das Gebäude brennt nicht. Nur das 96. Stockwerk brennt.“
 
Dwayne Johnson ist vielleicht einer der unterschätztesten Stars in der Geschichte des Kinos. Der Mann macht knallharte Thriller, Familienkomödien, Katastrophenfilme, Actionspektakel und vieles mehr. Und wie schon in anderen Filmen, rettet er auch hier nicht nur seine Familie, sondern auch den ganzen Film. Dieser Film hätte mit keinem anderen Hauptdarsteller gedreht werden können.
 
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Neve Campbell („Scream“) spielt die Rolle von Wills Ehefrau so, wie sie auch ein paar Tausend andere Schauspielerinnen in Hollywood genauso gespielt hätten.
 
Roland Moller spielt den bösen Bösewicht, der nur Böses tut, sehr böse. Damit stellt er nach „Papillon“ wieder mal keine Person, sondern bloß eine Ansammlung von Filmklischees dar.
 
Was Noah Taylor („Charlie und die Schokoladenfabrik“) und Chin Han („Ghost in the Shell“) spielen müssen, kann man nicht als „Rollen“ bezeichnen. Das sind bloße Handlungselemente.
 
Fazit
 
Viele von uns haben keinen Zweifel, dass „The Rock“ von einem Kran in ein Hochhaus springen kann. Und deshalb gehen wir ins Kino um zu sehen, wie er genau das und noch viel mehr macht. Nur mittendrin wünschen wir uns, er hätte das in einem etwas besseren Film gemacht.
 
 
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