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*** Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ***

 
tboem kritik
 
Autor: Sascha Fersch
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Meisterwerk, voller widersprüchlicher Momente und Tragik. Er zeichnet mit abgründigem Humor eine zutiefst zynische Welt.
 
Über den Alltag der einfachen Menschen im Mittleren Westen Dieser Film zeichnet Figuren die heute genau so im Mittleren Westen leben könnten. Er schafft es dabei gleichzeitig seine Figuren emotional ernst zu nehmen und trotzdem so viel Distanz aufzubauen, dass der Zuschauer auch über deren Aktionen lachen kann. In einer Kleinstadt in Missouri läuft das Leben im Grunde beschaulich, der örtliche Polizeichef ist bei den Leuten hochrespektiert, man trifft sich abends in der einzigen Bar und kommt mehr oder weniger miteinander klar. Die meisten sind Alkoholiker, manche sind aggressiv, andere wiederum melancholisch, jeder hat seine Probleme.
 
Die trügerische Ruhe wird plötzlich gestört, als die alleinerziehende Mutter Mildred (Frances McDormand) beschließt, drei Werbetafeln an der abgelegenen Landstraße außerhalb der Stadt zu mieten und dort ihre Anklageschrift zu plakatieren. Darauf wird der Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) gefragt, warum es bezüglich eines bestimmten Kriminalfalles noch keine Festnahme gab. Die ein halbes Jahr zurückliegende Tat war ungewöhnlich brutal und dreht sich um Mildreds Tochter, die an eben dieser Landstraße zuerst vergewaltigt und dann verbrannt wurde. Obwohl natürlich jeder diese Geschichte kennt, fühlt sich Mildred von den Behörden alleingelassen und ist dementsprechend fertig mit der Welt.
 
 
Als die neue Inschrift auf den Reklametafeln die Runde macht, sind alle sehr schnell dabei Mildred zu verurteilen für diese unerhörte Verleumdung des angesehen Polizeichefs, der zu allem Überfluss noch Krebs im Endstadium hat. Der einzige der Verständnis für die Aktion der Mutter zeigt, ist erstaunlicherweise Willoughby selbst, der aber gesundheitlich nicht mehr in der Lage scheint, sich des Falles ernsthaft anzunehmen. Es kommt zu einer Hexenjagd auf Mildred, die jedoch alle Schikanen mit der Kraft der Verzweiflung übersteht und ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Als die Billboards schließlich in Flammen stehen, beschließt sie, die Polizeistation in die Luft zu jagen.
 
Und wie immer sind aller guten Dinge drei
 
Martin McDonagh (Buch&Regie) ist hier ein Geniestreich gelungen, seine lange Erfahrung als Theaterautor schimmert auch in seinen Drehbüchern durch und sorgt dafür, dass die Dialoge frisch und knackig daher kommen, nicht so abgegriffen wie sonst so häufig in amerikanischen Filmen. Das ganze Setting erinnert ein bisschen an Fargo, was damals den Coen-Brüder ihren ersten Oscar einbrachte. Und das liegt nicht zuletzt wieder einmal an einer großartig spielenden Frances McDormand, die damals ebenso einen Oscar für die beste Hauptrolle bekam.
 
Dieser dritte Langfilm von Martin McDonagh setzt die Richtung seines bisherigen Schaffenswerkes konsequent fort, wie immer dient eine brutale und ins absurde gesteigerte Tonalität als Hintergrund für höchst emotionale und tiefgründige Charaktere. Diese psychologische Figurenzeichnung, gepaart mit banalen Momenten und brutalen Handlungen zeichnete schon die Vorgänger Brügge sehen… und sterben? sowie 7 Psychos aus. Doch wo bei Ersterem noch gewisse Längen in der Handlung zu finden waren und beim Zweiten die Figuren etwas zu überzeichnet geraten sind, ist dieser Film auf den Punkt. Bis in die kleinste Nebenrolle.
 
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Apropos kleinste Nebenrolle, Peter Dinklage spielt den ortsansässigen Kleinwüchsigen wie immer sehr unprätentiös, ebenso souverän agiert das gesamte Ensemble und der heimliche Star des Films, der Polizeibeamte Dixon, verkörpert von Sam Rockwell. Der ist nach 7 Psychos wieder mit von der Partie, genauso wie Woody Harrelson. Auch bei Martin McDonagh lässt sich also eine Vorliebe ausmachen, für die wiederholte Zusammenarbeit mit bereits früher eingesetzten Schauspielern. Er behauptet mit diesem Werk endgültig seinen Platz als einer der großen Autorenfilmer neben Quentin Tarantino, Wes Anderson und den Coen-Brüdern.
 
Wenn die Welt aus den Fugen gerät zeigt sich das Menschliche
 
So poetisch und ruhig die Bilder teilweise sind (Kamera: Ben Davis) so explosiv ist die Stimmung des Films, nicht nur wird Bezug genommen auf etliche Gegenwartsdebatten der amerikanischen Gesellschaft, sondern auch die Tragik der Einzelschicksale fesselt einen derart, dass dieser Film im Flug vergeht. Man wird fassungslos hineingesogen in eine Welt, in der man keine Sekunde Zuhause sein möchte, und trotzdem kann man nicht loslassen. Die einzelnen Szenen sind meisterhaft inszeniert und gespielt, die Dialoge unerwartet und die Dramaturgie so wendungsreich, dass die Entwicklung der einzelnen Figuren bis zum Ende kaum absehbar ist.
 
Natürlich wird manchen dieser Film nicht zusagen, er ist etwas unbequem, etwas brutal und etwas abgedreht, aber er zeigt hervorragend, dass Arthouse-Kino auch unterhaltsam sein kann und dass schwere Stoffe auch in einem humorvollen Tonfall erzählt werden können. Es ist Martin McDonagh nur zu wünschen, dass nach seinem Kurzfilm-Oscar im Jahr 2006 nun endlich der Oscar für das Beste Drehbuch folgt.
 
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Bei den Golden Globes hat es ja bereits geklappt. Der Film wurde mit gleich vier der begehrten Trophäen ausgezeichnet (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin, Bester Nebendarsteller und Bestes Filmdrehbuch).
 
Fazit
 
Schauen sie diesen Film.
 
 
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