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*** Just Mercy ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Regisseur Destin Daniel Cretton hat bisher mit „Die Hütte“ und „Schloss aus Glas“ zwei sehr einfache Filme über sehr komplizierte Themen gedreht. Bei „Just Mercy“ geht er ähnlich vor.
 
„one of you niggers did it”
 
Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) hat es geschafft. 1989 hat der junge Schwarze aus einfachen Verhältnissen sein Jurastudium an der Eliteuni Harvard abgeschlossen und ist in Alabama als Rechtsanwalt zugelassen. Aber statt in einer großen Anwaltskanzlei lukrative Deals abzuschließen, entscheidet er sich, zum Tode Verurteilten Rechtshilfe zu leisten. Zusammen mit der ehrgeizigen, kämpferischen Eva Ansley (Brie Larson) vertritt er hoffnungslose Fälle wie Walter McMillan, genannt „Johnny D“ (Jamie Foxx). Der schwarze Familienvater sitzt für den Mord an einer jungen Frau in der Todeszelle. Aber schnell wird klar, Johnny D kann den Mord gar nicht begangen haben …
 
Vor Fünfundzwanzig Jahren drehte Tim Robbins mit Susan Sarandon und Sean Penn ein Meisterwerk. „Dead Man Walking“ ist bis heute einer der besten Filme der Filmgeschichte und definitiv der beste Film über die Todesstrafe. Regisseur Robbins schrieb das Drehbuch damals nach einer Vorlage eines realen Vorbilds, der Ordensschwester Helen Prejean. Und Robbins hat es sich in seinem Film nie leicht gemacht. In seinem Film war niemand eindeutig böse. Alle Protagonisten waren einfach nur Menschen. Selbst die Heldin machte Fehler. Der zum Tode Verurteilte in „Dead Man Walking“ hatte das Verbrechen damals eindeutig begangen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es bis heute unmöglich sich der zutiefst menschlichen Botschaft dieses Films zu entziehen.
 
 
Destin Daniel Cretton hat das Drehbuch zu „Just Mercy“ ebenso nach der Vorlage eines realen Vorbilds verfasst. Und wie damals Tim Robbins kann er sich als Regisseur auf ein Ensemble erfahrener Darsteller verlassen, die alle großartige Leistungen zeigen. Und auch sein Film berührt. Leider macht er es sich damit immer wieder viel zu leicht.
 
Im Crettons Film werden drei Männer gezeigt, die alle drei zu Unrecht in der Todeszelle sitzen. Einer der Männer hat die ihm zur Last gelegte Tat zwar begangen, war aber aufgrund einer Posttraumatischen Belastungsstörung eindeutig nicht schuldfähig und hätte niemals verurteilt werden dürfen. Die anderen beiden haben die Taten gar nicht begangen und wurden von korrupten Polizeibeamten hereingelegt, die anschließenden Prozesse wurden von rassistischen Juristen schnell und fehlerhaft abgewickelt. Mit der Aussage, einer von Zehn zum Tode Verurteilten sei unschuldig, fällt die Botschaft des Films zumindest unklar, wenn nicht sogar problematisch aus. Ist die Todesstrafe etwa nur bei Unschuldigen unmenschlich?
 
Davon abgesehen machen Regie und Drehbuch vieles richtig, aber sie machen es sich eben leider immer wieder viel zu leicht. Wenn ein Todeskandidat zu den Klängen von „The old rugged cross“ auf dem elektrischen Stuhl festgeschnallt wird, berührt uns das. Aber wenn die anderen Insassen dazu mit ihren Blechtassen gegen die Gitterstäbe schlagen, wird das fast ein bisschen viel. Wenn ein Wärter den schwarzen Anwalt zu Beginn des Films schikaniert, zeigt das, wie dünn die Fassade des Rechtssystems im Süden der USA ist. Uns wird vermittelt wie nur der Anzug des jungen Anwalts ihn von den unglücklichen Insassen unterscheidet. Wenn ebendieser rassistische Wärter im weiteren Verlauf des Films Verständnis für diese Insassen entwickelt, wirkt das aufgesetzt.
 
Wenn der Staatsanwalt die Revision eines offensichtlichen Fehlurteils aus rein politischen Gründen hartnäckig blockiert, gewährt uns das einen furchtbaren Einblick in das amerikanische Justizsystem. Wenn diese Revision am Ende des Films nur deshalb gelingt, weil derselbe Staatanwalt plötzlich ein Gewissen entwickelt, hat das etwas von der Dramaturgie eines billigen Fernsehfilms. Was wenn der Staatsanwalt nicht plötzlich diese späte Einsicht gezeigt hätte? Wozu all die juristische Arbeit, wenn man nur der richtigen Person zur rechten Zeit ins Gewissen reden muss?
 
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„you’re takin‘ one for your hommies”
 
Wo Drehbuch und Regie viele schwierigen Fragen offen lassen, so lässt die Besetzung Großteils keine Missverständnisse zu. Eine Reihe von bekannten und weniger bekannten Darstellern zeigt beeindruckende Leistungen.
 
Jamie Foxx hat 2005 einen Oscar für seine Darstellung des Ray Charles in „Ray“ erhalten. Seit „Django Unchained“ hat er sein Talent in so unterschiedlichen Filmen wie dem unausgewogenen „The Amazing Spider-Man 2“, dem furchtbaren Remake von „Annie“ und der komplett misslungenen Neuverfilmung von „Robin Hood“ verschwendet. Hier spielt er eindrucksvoll einen Mann, der meint, am Ende eines schrecklichen Weges angekommen zu sein und nur langsam wieder Hoffnung schöpfen kann.
 
Michael B. Jordan („Creed“, „Fantastic Four”) spielt den jungen Anwalt mit einer sympathischen Energie und unerschütterlicher Entschlossenheit. Es ist vermutlich nicht seine Schuld, wenn seiner Darstellung die Tiefe fehlt, Ein besserer Drehbuchautor hätte seine Figur auch einmal zweifeln lassen. Ein besserer Regisseur hätte ihn in einigen entscheidenden Szenen mehr Emotionen zeigen lassen.
 
Rob Morgan („Stranger Things“) beeindruckt als zum Tode Verurteilter Vietnam-Veteran. Der immer verlässliche und seit Jahren unterschätzte Tim Blake Nelson (der Dritte flüchtige Sträfling aus „O Brother, where art thou?“) brilliert in der Rolle eines Mannes, der nie eine Chance hatte seit er als Kind körperlich und geistig zerstört wurde. Es sind unter anderem seine drei Szenen, die den Film die nötige emotionale Wucht verleihen.
 
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Die großartige Brie Larson (Oscar für „Raum“) kann dem Film keine wie auch immer geartete Wucht verleihen. Sie kann dem Film gar nichts verleihen. Ihre Rolle wirkt wie ein nachträglicher Einfall. Würde sie Jordans Figur nicht ein oder zweimal ein Stichwort geben, könnte man ihre Szenen ersatzlos aus dem Film entfernen und hätte den mit 137 Minuten etwas lang geratenen Film dadurch aufgewertet.
 
Der Brite Rafe Spall („Life of Pi”) liefert einen durchaus überzeugenden Südstaaten-Akzent ab. Aber seine Rolle des Staatsanwalts ist ein pures Klischee. Das gilt auch für jede andere Figur auf der „Gegenseite“ des Rechtssystems.
 
Fazit
 
„Just Mercy“ ist ein Film über ein schwieriges Thema, der es sich leider immer wieder zu leicht macht. Hervorragende Darsteller überspielen das passable Drehbuch und die wenig inspirierte Regie. So hat man am Ende einen recht unausgewogenen, aber halbwegs gelungenen Film.
 
 
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