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*** Irresistible: Unwiderstehlich ***


 

ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Raus aufs Land und fleißig Stimmen sammeln! Diesem Motto folgt in der Politsatire „Irresistible – Unwiderstehlich“ ein Wahlkampfstratege der Demokraten, der in einer konservativ geprägten Kleinstadt in Wisconsin einen Ex-Soldaten im Ruhestand zum neuen Bürgermeister machen will.
 
Spielfreudiger Steve Carell
 
Viele Jahre lang setzte sich Jon Stewart in der satirischen Nachrichtensendung „The Daily Show“ mit dem politischen Geschehen in den Vereinigten Staaten auseinander und begrüßte dabei regelmäßig Steve Carell als Korrespondenten.
 
Mit „Irresistible – Unwiderstehlich“ erreicht nun eine neue Zusammenarbeit der beiden Comedy-Spezialisten die deutschen Leinwände. Unter Stewarts Regie wirft sich der US-Darsteller, der für seine Darbietung in der Sitcom „The Office“ einen Golden Globe Award erhielt, mit sichtbarem Eifer in die Rolle des Wahlkampfstrategen Gary Zimmer, den der überraschende Sieg Donald Trumps dazu anspornt, im amerikanischen Hinterland wieder verstärkt für die Partei der Demokraten zu werben.
 
 
Aufhänger seines neuen Vorhabens ist ein viral gegangenes Video des pensionierten Colonels Jack Hastings (Chris Cooper), der sich in der Kleinstadt Deerlaken in Wisconsin mit einer Brandrede für die Rechte der dort lebenden Migranten starkmacht. Gestützt von den Analysen seiner Mitarbeiter sieht Gary in dem kernigen Veteranen einen geeigneten demokratischen Bürgermeisterkandidaten und reist höchstpersönlich in die Provinz, um den Witwer von seinen Nominierungsplänen zu überzeugen.
 
Seine anfängliche Skepsis legt Hastings zu Zimmers Freude ab. Schon bald bereitet dem aus Washington kommenden Politexperten jedoch das Auftauchen seiner republikanischen Erzfeindin Faith Brewster (Rose Byrne) Kopfzerbrechen, die die Wiederwahl des amtierenden Stadtoberhauptes sichern will und dafür alle möglichen Geschütze auffährt.
 
Stewart, der ebenfalls das Drehbuch schrieb, bedient sich in seiner zweiten Regiearbeit des im Komödienbereich sehr beliebten Fish-out-of-Water-Musters. Sowohl Gary als auch Jack tauchen in Bereiche ein, die ihnen völlig fremd sind. Während Zimmer den Hauptstadtluxus hinter sich lässt und den Sprung aufs Land wagt, wo die Uhren etwas anders ticken, muss sich Hastings plötzlich auf politischem Parkett beweisen und seine Visionen für die fiktive Ortschaft Deerlaken bei öffentlichen Auftritten vermitteln. Beiden fällt es zunächst nicht leicht, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Und gerade daraus versucht der Film, humoristisches Kapital zu schlagen.
 
Zwischen platten Späßen und geschickten Pointen
 
Die Qualität der Gags schwankt dabei zwischen plump und pfiffig. Schlichte Situationskomik, die an das Klischee der leicht rückständigen Landeier andockt, steht neben herrlich amüsanten Onelinern wie Garys knackiger Beschreibung seines Kandidaten als Bill Clinton mit Impulskontrolle. Zunehmend ermüdend sind hingegen die sexuell aufgeladenen Wortwechsel, die sich Zimmer und seine Lieblingswidersacherin Brewster ständig liefern. Gewiss sollen die anzüglichen Tiraden zeigen, wie enthemmt in den Vereinigten Staaten die Sprache in der politischen Auseinandersetzung geworden ist. Aus den unflätigen Zusammenstößen der Kontrahenten ist die Luft jedoch schon nach kurzer Zeit raus.
 
Auch wenn so mancher platte Witz gerissen wird, sind die Ambitionen des Regisseurs nicht zu übersehen. Stewart will die tiefe Spaltung seines Landes und die Entfremdung zwischen der Politikelite und den Menschen im sogenannten heartland abbilden und schneidet in diesem Zusammenhang viele kritische Aspekte an: Ganze Regionen sind wirtschaftlich ausgestorben. Die Bevölkerung in der Provinz fühlt sich verachtet und nicht ernstgenommen. Erregungsmedien betreiben billige Propaganda. Falschinformationen sind ein beliebtes Kampfmittel, um die eigenen Ziele zu erreichen. Und immer häufiger steht der persönliche Erfolg über dem Gemeinschaftswohl.
 
„Irresistible – Unwiderstehlich“ nimmt sich einiges vor, verdichtet manche Probleme prägnant, schafft es aber nicht, aus seinem bunten Themenstrauß eine rundum bissige und durchweg stimmige Satire zu formen. Gerade vor dem Hintergrund des großen Twistes im letzten Akt muss man konstatieren, dass der Film einen leichtfertigen Fehler begeht. Obwohl sich das Drehbuch für die Sorgen und Nöte der Bewohner Deerlakens zu interessieren scheint, werden weder Hastings noch seine Tochter Diana (Mackenzie Davis) zu gleichberechtigten Figuren ausgebaut – was sich nach der recht abrupten Schlusswendung umso unbefriedigender anfühlt.
 
Fazit
 
Viele spannende Ansätze und eine unsaubere Konstruktion: Jon Stewarts Blick auf das politische System der USA und die tiefen Gräben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist stellenweise unterhaltsam, hätte aber noch weitaus packender und gewitzter werden können.
 
 
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