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*** The Happytime Murders ***


 
thtm kritik
 
Autor: Walter Hummer
     
In einer Welt, in der Puppen und Menschen nebeneinander leben, müssen eine menschliche Polizistin und ein Puppen-Detektiv zusammen eine Mordserie aufklären. Sowohl Menschen als auch Puppen können in dieser Welt Fernsehstars oder Verkäufer, aber auch Dealer, Junkies, Prostituierte und auch Mörder sein. Wenn sie doch bloß auch witzig sein könnten …
 
Heiße Kuh, geil gemolken
 
Phil Philips war mal der erste Puppen-Polizeibeamte von Los Angeles. Aber seit einer Schießerei, bei der ein Unschuldiger ums Leben kam, arbeitet er als Privatdetektiv. Doch dann wird sein Bruder, der einstigen Star der Puppen-Fernsehserie „Happytime Gang“, ermordet. Phil entdeckt, dass jemand alle ehemaligen Darsteller der Serie töten möchte. Nun muss er mit seiner alten Partnerin zusammenarbeiten. Doch Detective Connie Edwards (Melissa McCarthy) ist auf ihren alten Partner gar nicht gut zu sprechen …
 
Natürlich sieht man sich als Filmkritiker jeden Film mit der gleichen professionellen Unvoreingenommenheit an. Aber auf manche Filme freut man sich eben ein bisschen mehr, als auf andere. Ich freue mich zum Beispiel auf jeden Western, weil ich Western schon als Kind mochte. Und ich freue mich immer auf Filme mit Eva Green, weil Eva Green einfach scharf … ähm, ich meine, … weil Eva Green einfach eine der vielseitigsten und interessantesten Darstellerinnen unserer Zeit ist.
 
 
Und ich freue mich immer auf Filme mit originellen Konzepten, weil ich einfach schon genug Filme gesehen habe, die nach immer wieder gleichen Standardformeln entstanden sind. Daher war ich natürlich sehr gespannt auf „The Happytime Murders“. „Muppets“ meets „Pulp Fiction“. Mit diesem Konzept müsste der Film nur halbwegs witzig sein … oder nur halbwegs spannend … oder nur halbwegs cool, um irgendwie unterhaltsam zu sein. Leider ist er nichts davon.
 
Wie jeder Mensch lache ich gern. Und ich lache auch gern über schräge Gags. Ich lache auch gerne über geschmacklose Gags. Viele Leute können nicht verstehen, was ich an Mel Brooks „The Producers (Frühling für Hitler)“ witzig finde oder warum ich „Borat“ für einen der besten Filme seiner Art halte. Sei’s drum. Ob ein Gag „zu weit“ geht oder nicht, ist eine Geschmacksfrage. Keine Geschmacksfrage ist es aber, ob ein Gag funktioniert oder nicht.
 
Und ja, ich hätte gerne über einen Pornodreh mit Puppen gelacht. Ich hätte auch gerne über Puppenprostituierte und -dealer gelacht. Und ich hätte auch gerne darüber gelacht, wie mehreren Puppen die Köpfe weggeschossen werden. Aber dazu hätten die Gags witzig sein müssen. Dazu hätte das Timing der Gags funktionieren müssen. Dazu hätten echte Comedy-Autoren witzige Szenen schreiben müssen. Selten hat man einen Film gesehen, in dem in so kurzer Zeit so viele Witze absolut kein bisschen lustig sind. In „The Happytime Murders“ reiht sich Gag an Gag und kein einziger funktioniert. Der Film hat gute Chancen damit einen neuen Negativ-Rekord aufzustellen.
 
Wortwitz funktioniert hier gar nicht. An einer Stelle des Films sagt eine der beiden Hauptfiguren zur anderen, „Fick Dich!“ worauf die andere mit, „Fick Du Dich auch!“ antwortet, worauf die erste Figur „Fick Du Dich mehr!“ ausruft. Und dieser Dialog ist typisch für den ganzen Film. Die deutsche Synchronisation macht das Ganze nicht besser. Meinen die Dialogautoren denn tatsächlich, heute würde irgendjemand noch „Ringelpiez mit Anfassen“ sagen? Und selbst wenn, wie soll das denn cool oder witzig klingen?
 
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Aber auch was den visuellen Humor betrifft, zeigen Regisseur Brian Henson (der Sohn des berühmten Jim Henson, Erfinder der „Sesam Straße“ und der „Muppets“) und seine Autoren Todd Berger und Dee Austin Robertson kein geschickteres Händchen. Kein Gag kommt überraschend. Niemals. Jeder Gag wird ewig lang angekündigt. Und wenn der Gag dann zu sehen ist, sprechen die Figuren dann noch so lange von dem was eben zu sehen ist, bis die Pointe zu Tode gequatscht wurde. Beispiel gefällig? Der Held fährt zu einem Pornoladen und erzählt, dass er nun zu einem Pornoladen fährt.
 
Beim Betreten des Pornoladens erzählt der Held, welche Abartigkeiten dort verkauft werden. Dann sehen wir, wie eine auf dem Rücken liegende Kuh von einem Oktopus gemolken wird. Überall spritzt die Milch herum. Der Held spricht den Besitzer des Pornoladens darauf an, dass gerade eine Kuh von einem Oktopus gemolken wird. Darauf wird weiter darüber gesprochen, wie die Kuh von dem Oktopus gemolken wird, während man im Hintergrund sieht, wie die Kuh weiter von dem Oktopus gemolken wird. Aaaaaarghhhh! Man möchte die Filmemacher bei den Ohren packen und ihre Köpfe auf die Tischplatte knallen. Oder sie zumindest immer und immer auf eine Tafel schreiben lassen „Bei Comedy ist das Timing das Wichtigste. Bei Comedy ist das Timing das Wichtigste.“ Und das müssten sie so lange wiederholen, bis sie es verstanden haben.
 
„Spritz meinen Namen, Baby“
 
„The Happytime Murders“ ist also leider nicht witzig. Ist der Film denn wenigstens spannend? Hm … sicher darf man von einem Film wie diesem keine allzu raffinierte Krimihandlung erwarten. Aber der Plot ist einfach lächerlich. Ich habe Kasperl und seinen Freund Pezi schon kompliziertere Verbrechen auflösen sehen.
 
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Ist der Film denn dann wenigstens irgendwie cool? Hm … eine Hauptfigur ist eine blaue Stoffpuppe. Und die andere wird von Melissa McCarthy gespielt, die sich kleidet wie eine Hausfrau auf dem Weg zum Elternabend. Da fällt der coolness-Faktor eher gering aus. Die blaue Stoffpuppe fährt in einigen wenigen Szenen einen wunderschönen alten Dodge Dart Swinger, falls das jemandem was sagt. Aber sonst …
 
Von Puppen und Menschen …
 
Melissa McCarthy („Bautalarm“) kann wirklich witzig sein. In Filmen, in denen sie die Hauptrolle spielt, hat sie bisher kaum jemals gezeigt, was in ihr steckt. Bereits seit einigen Jahren wünscht man ihr endlich mal einen Film, in dem sie ihr Talent zeigen kann. „The Happytime Murders“ ist nicht dieser Film.
 
Joel McHale („Community“) spielt eine Rolle, die nichts zur Handlung beiträgt. Da seine Figur auch nicht witzig ist, fragt man sich, ob die Filmemacher ihm noch etwas schuldig waren. Oder er den Filmemachern …?
 
Elizabeth Banks spielt eine Rolle, die ihren überflüssigen Auftritt in „Pitch Perfect 3“ nur noch zur zweitdümmsten Darstellung ihrer Karriere werden lässt.
 
Keine der Puppen wirkt irgendwie interessant oder witzig. Miss Piggy hatte in einer ihrer Pfoten mehr Persönlichkeit als alle Puppen dieses Films.
 
Fazit
 
Die Zeit ist reif für einen Film, in dem Puppen dealen, töten, bumsen und ihre unrasierten Geschlechtsteile zeigen. Wenn „The Happytime Murders“ nicht funktioniert, liegt das nicht am falschen Konzept, sondern daran, dass praktisch alles andere an dem Film misslungen ist.
 
 
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