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*** Crawl ***


 

ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Hilfe, die Alligatoren kommen! Eingesperrt in einem niedrigen Keller, müssen sich in Alexandre Ajas neuer Regiearbeit eine Leistungsschwimmerin und ihr schwer verletzter Vater gegen gefräßige Reptilien zur Wehr setzen.
 
Ohne Augenzwinkern
 
Filme, in denen Tiere zu einer tödlichen Bedrohung werden, kann man heute nur noch selten ernst nehmen. Schuld daran sind die absurden, betont trashig gehaltenen Hai-Eskapaden der „Sharknado“-Reihe und deren Nachahmungen. Wirklich spannende Werke über animalische Attacken, die ohne pseudocoole Ironie-Einlagen auskommen, lassen sich in den letzten Jahren an einer Hand abzählen. Halbwegs gelungen war der 2016 veröffentlichte Survival-Thriller „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“, in dem eine von Blake Lively gespielte Surferin versehentlich in das Fress- und Jagdrevier eines großen Raubfisches eindringt. Ähnlich dicht und packend fällt nun auch Alexandre Ajas straff inszenierter Alligatoren-Schocker „Crawl“ aus, dem der Verzicht auf augenzwinkernde Momente sichtlich guttut.
 
Dass der französische Regisseur weiß, wie man Nervenkitzel produziert, zeigt schon der Einstieg. Einen Schwimmwettkampf, an dem die ehrgeizige Leistungssportlerin Haley (Kaya Scodelario) teilnimmt, fängt der Filmemacher aus unterschiedlichen Perspektiven – unter und über Wasser – ein und erzeugt damit gleich ein Knistern. Da sie ihren Vater Dave (Barry Pepper) nicht erreichen kann, macht sich die leicht besorgte junge Frau nur wenig später auf den Weg zu seiner aktuellen Adresse.
 

 
Die in den Medien verbreiteten Hurrikan-Warnungen für Florida missachtet Haley dabei ebenso wie die Polizeisperre, die das evakuierte Sturmgebiet abriegelt. Während das Unwetter immer stärker wird, fährt sie auf Seitenstraßen zu ihrem Ziel, wo sie allerdings bloß den Hund Sugar antrifft. Kurzerhand packt sie den Vierbeiner in ihren Wagen und düst zum alten Familienhaus, das seit der Trennung ihrer Eltern zum Verkauf steht. Im dortigen Kriechkeller findet sie ihren bewusstlosen, übel zugerichteten Vater, der offenbar von Alligatoren angegriffen wurde.
 
Starke Hauptdarstellerin
 
„Crawl“ wird sicher nicht zu einem Klassiker des Tierhorrors avancieren, bietet keine besonders originellen Ideen auf, serviert dem Publikum aber genau das, was man von einem deftigen Adrenalin-Thriller erwarten darf. Schoss Aja in seinem Fun-Splatter „Piranha 3D“ 2010 noch wild mit bescheuerten Einfällen und gewollt lächerlichen Gewalteskapaden um sich, nimmt er seine ebenfalls etwas grotesk wirkende Alligatoren-Prämisse erstaunlich ernst. Mit Haleys Betreten des ungemütlichen, verdreckten, kontinuierlich volllaufenden Kriechkellers, dem Hauptschauplatz der Handlung, baut sich eine beklemmende, mit gelegentlichen Schockeffekten und unheimlichen Unterwasserperspektiven angereicherte Atmosphäre auf, die im weiteren Verlauf nicht in sich zusammenstürzt.
 
Die Krokodile zeigt der Franzose schon sehr früh in ihrer ganzen Pracht und bringt sie erfolgreich als furchteinflößende Antagonisten in Stellung. Wo andere Regisseure auf billig getrickste Geschöpfe zurückgreifen müssen, kann er überzeugend animierte Reptilien aus dem Ärmel schütteln – und steigert so den Terrorgrad. Ein dickes Lob gebührt Aja und seiner Crew – gerade vor dem Hintergrund des bescheidenen 13,5-Millionen-Dollar-Budgets – auch dafür, wie der Hurrikan und seine Auswirkungen in Szene gesetzt werden. Dauerregen, Überflutungen und durch Fenster krachende Bäume – der Film fährt alles auf, was es braucht, um eine glaubhafte Untergangsstimmung zu erzeugen.
 
01 ©2019 Paramount Pictures02 ©2019 Paramount Pictures03 ©2019 Paramount Pictures04 ©2019 Paramount Pictures
 
Zu den Stärken des kurzweiligen, einige blutige Spitzen verschießenden Survival-Horrors gehört fraglos auch Hauptdarstellerin Kaya Scodelario, die ihre bodenständig gezeichnete Rolle mit großem Körpereinsatz ausfüllt. Haley ist weder eine strunzdumme Pappfigur noch eine alles überstrahlende Superheldin, sondern eine patente Überlebenskämpferin, die hin und wieder an sich und ihrer misslichen Lage zu verzweifeln droht.
 
Dass die Drehbuchautoren Michael und Shawn Rasmussen versuchen, der Beziehung zwischen Tochter und Vater etwas Fleisch zu geben, ist löblich. In diesem Fall wirken die holzschnittartigen melodramatischen Einschübe und das Glaub-an-dich-Gerede aber schon ein wenig störend. Ins Auge sticht zudem, dass der Film auf der Zielgeraden etwas zu sehr mit der Glaubwürdigkeit spielt. Wie sich Dave trotz gravierendster Verletzungen fortbewegen kann, grenzt an ein kleines Wunder. Weil es Aja dennoch gelingt, die Spannung zu konservieren, hält sich der Ärger über diese Schwächen jedoch in Grenzen.
 
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Fazit
 
„Crawl“ ist ein simpel gestrickter, handwerklich kompetent umgesetzter Tierschocker, der sich die Albernheiten vieler ähnlicher Filme aus den letzten Jahren dankenswerterweise erspart.
 
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