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***Bauernopfer - Spiel der Könige***

bo kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Bauernopfer - Spiel der Könige ist ein sehr intimer und intensiver Film über die Grenzen zwischen Genialität und Wahnsinn. Das Schachspiel ist dabei in seiner konsequenten Logik nur scheinbar die Rettung vor der emotionalen Irrationalität des Alltags.

Ein psychotisches Ausnahmetalent

Zuerst sei gesagt, dass zum Verständnis des Films nicht zwingend tiefgreifende Schachkenntnisse nötig sind, doch wer sich so gar nicht für das sogenannte Spiel der Könige interessiert, wird damit seine Zeit verschwenden. Für alle anderen ist es durchaus spannend, diese auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte zu verfolgen und damit den komplizierten Menschen Bobby Fischer zumindest ansatzweise zu ergründen. Nebenbei bekommt man Zeitgeschichte einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel serviert.

Bobby Fischer (Tobey Maguire) wächst auf mit einer politisch engagierten Mutter, die sich jedoch im streng kapitalistischen Amerika ausgerechnet zu marxistischen Idealen hingezogen fühlt. Dieses revolutionäre Brodeln und die vielen Hausgäste verunsichern den jungen Bobby, der sich zunehmend in die Welt des Schachs zurückzieht, die ihm logischer und in ihren Risiken kalkulierbarer erscheint. Relativ schnell wird klar, dass er ein außerordentliches Verständnis für das Spiel auf den schwarz-weißen Feldern besitzt. Er wird umfassend gefördert und wächst zum Ausnahmetalent in der Schachszene heran.

Hier holt ihn auch die Politik wieder ein, sein ursprünglicher Grund für die Flucht in das Spiel. Ausgestattet mit der Unterstützung und den Geldern der amerikanischen Regierung wird ihm die Aufgabe zuteil, den dominierenden sowjetischen Großmeistern im Schach zu zeigen, dass Amerika auch auf diesem Gebiet der Sowjetunion das Wasser reichen kann. Langsam beginnt neben dem Schach- ein Psycho-Spiel zwischen Bobby und Spassky (Liev Schreiber), dem amtierenden Weltmeister aus Moskau. Im Finale ihres Duells droht Bobby vollkommen im Wahnsinn zu versinken.
 
 
„Der kalte Krieg" als absurdes Theater
 
Ein beliebtes Motiv amerikanischer Filmemacher ist stets die gute alte Zeit, in der die Welt noch schwarzweiß war und die Grenzen klar gezogen werden konnten. Darin sind sich der kalte Krieg und das Schachspiel sehr ähnlich, weswegen der Film auch als Metapher so gut funktioniert. Man weiß nicht genau was einem absurder scheint, die grundsätzliche Exzentrik der zwei Protagonisten in diesem hochsensiblen Denksport, oder die Tatsache, dass gerade in diesem eher abseitigen Schaukampf die politischen Großmächte meinen, unter allen Umständen punkten zu müssen.
 
Das erinnert einerseits ein bisschen an Männer die auf Ziegen starren und hält entsprechend komische Momente bereit. Andererseits wird hier auch der Aufstieg und Fall eines angehenden Popstars gezeigt, was einen streckenweise an The Wolf of Wall Street denken lässt. Dazwischen sind es vor allem die Schachpartien die möglichst packend in Szene gesetzt werden, aber leider anders als bei Harry Potter nicht animiert sind und das Spiel daher visuell so dröge erscheinen lassen wie es in der Realität letztlich ist. Die entsprechende Genialität hinter den Zügen zu sehen erfordert eben doch zumindest ein paar Grundkenntnisse der Spieldynamik.
 
Dass schmälert jedoch nicht die historische Dimension der Ereignisse, deren Medienecho einen ungeahnten Boom in dem Spiel ausgelöst hat und bis heute zu den einzigartigen Geschichten in der Schachwelt gehört, natürlich wegen der extravaganten Charaktere, aber gerade auch wegen der surrealen Umstände der Beteiligten. Dass dabei zudem kein einziger Schuss fällt und die Herren in Uniform eher als hilflose Statisten im Hintergrund auftreten, macht diesen Film zu einer spannenden Ausnahme im Kanon der sowjetisch-amerikanischen Kriegsfilme.
 
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So komplex wie eine Partie Schach
 
Ein Problem, dass sich der Film mit dem Hauptdarsteller teilt, ist seine fast schon schizophrene Haltung. Denn einerseits versucht er der politischen Dimension der Ereignisse gerecht zu werden, andererseits sollen auch die psychischen Tiefen des Protagonisten ausgelotet werden. Das gelingt streckenweise mit der intimen Kameraführung (Kamera: Bradford Young) und einem facettenreich spielenden Tobey Maguire, an vielen Stellen wirken aber manche Handlungsstränge geradezu hölzern (Buch: Steven Knight).

Wenn zum Beispiel der junge Bobby nebenbei seine Unschuld an die Prostituierte verlieren will, trägt das weder zur Charakterzeichnung bei, noch bringt es die Handlung voran. Entsprechend wird dieser Erzählstrang auch kurz darauf fallen gelassen, andere Figuren tauchen ebenso sporadisch auf und sorgen eher für Verwirrung. Warum der Regisseur (Edward Zwick) sich da nicht auf wenige wesentliche Begleiter des Schachmeisters beschränkt hat, erschließt sich leider nicht. Trotzdem ist die Geschichte von Bobby Fischer durchaus erzählenswert und der Film meistert zu großen Teilen die schwierige Aufgabe, ein komplexes Thema spannend zu erzählen.
 
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Fazit:

"Bauernopfer" ist zudem nicht nur mit Tobey Maguire als Hauptdarsteller, nebenbei auch Produzent, relativ überzeugend besetzt und scheut sich auch nicht vor großen Bildern und Emotionen. Ob man das alles im Kino anschauen muss, ist eine Frage die sich dann mit ja beantworten lässt, wenn man weiß was eine sizilianische Verteidigung ist. Alle Anderen wissen dank des Films nun wenigstens, dass der alte Spiderman-Darsteller immer noch Filme macht und nicht völlig in der Versenkung verschwunden ist, im Gegensatz zu Bobby Fischer, der gegen Ende seines Lebens zeitweise einsam und geistig verwirrt in der Wildnis lebte.
 
 
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