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*** Downton Abbey ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Die Crawleys und Ihre Dienerschaft erobern die große Leinwand. Aber vielleicht ist Kino nicht das gleiche wie Fernsehen. Und vielleicht braucht es für das eine etwas mehr als für das andere …
 
„Große Träume sind wichtig“
 
Hoher Besuch kündigt sich an. Das Königspaar wird Downton Abbey einen Besuch abstatten. Der Earl of Grantham bleibt gewohnt gelassen. Aber die Dienerschaft ist in Aufruhr, die monarchistische Lady Mary macht sich Sorgen wie der irisch-republikanische Schwager reagieren mag, Lady Edith hat ganz andere Sorgen und die greise Countess of Grantham hat ihre ganz eigene Agenda für den Besuch …
 
Jede Kunst hat ihre verschiedenen Formen. Und jede dieser Kunstformen erfordert unterschiedliche Qualitäten. Daher hat ein großartiger Stückeschreiber vielleicht nicht unbedingt einen vergleichbaren Roman in sich. Komponisten eingängiger Popsongs haben kaum jemals große Symphonien geschaffen. Kein großes Deckenfresko wurde je von einem Miniaturmaler gemalt. Und eine Fernsehserie ist nun mal kein Spielfilm. Denn jede dieser Kunstformen unterliegt unterschiedlichen Regeln.
 

 
Und auch wenn „Downton Abbey“ (man möchte fast „Downton Abbey – Der Film“ schreiben) demnächst in Kinosälen auf Kinoleinwände projiziert wird, wird bloß deshalb daraus noch lange kein Kinofilm. Was wir geboten bekommen ist eher ein extrem hochwertig produziertes Finale für eine ohnehin schon sehr hochwertig produzierte Fernsehserie. Fans der Serie werden darüber hinwegsehen. Aber für jeden, der (wie der Verfasser dieser Zeilen) nur einige wenige Folgen der Serie gesehen hat, ist das offensichtlich. Und um eines gleich klar zu stellen: uneingeweihten Kinofans ohne Vorkenntnisse kann man vom Ticketkauf nur abraten.
 
Dazu hetzt Regisseur Michael Engler viel zu schnell durch die von Julien Fellowes erdachte Handlung. Engler hat bisher nur für das Fernsehen gearbeitet und das merkt man. Hier gibt es eine Beziehungskrise zwischen der Jungköchin und einem der Diener. Dort taucht ein gefährlicher Fremder im Dorf auf. An einer Stelle entspinnt sich eine Liebesgeschichte und an einer anderen Stelle noch eine. Wieder an anderer Stelle treffen wir auf eine unglückliche Prinzessin. Und dann kommt es auch noch zu einer – natürlich nur gutgemeinten - Palastrevolte der Dienerschaft. Und das ist noch nicht alles …
 
Keiner dieser Geschichten wird netto mehr als eine Viertelstunde Laufzeit gewidmet. Und jeder einzelne dieser vielen Handlungsstränge muss in einigen wenigen Szenen rechtzeitig zum Staffelfinale … pardon … zum Schluss des „Films“ ein glückliches Ende finden. Kurz wird die politische Lage in Irland erwähnt. Aber danach kein Wort mehr davon, das Thema ziemt sich für diese Kreise nicht. Es gibt ein illegitimes Kind. Aber auch diese Situation wird Contenance behandelt. Sogar ein Attentatsversuch wird nicht weiter erwähnt. Man will wohl die unfeine Geschichte nicht weiter erwähnen. Hauptsache, am Ende sind alle glücklich.
 
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„Der Höhepunkt meiner Karriere“
 
Am glücklichsten wirkt das Personal. Weil die unteren Schichten ja ohnehin nur froh sind, wenn sie dienen dürfen, sind sie folgerichtig besonders glücklich wenn sie König und Königin dienen dürfen. Wer auch nur eine Ahnung vom Arbeitsalltag der unteren Schichten im frühen 20. Jahrhundert hat, kann darüber bloß traurig lächeln. Man sieht ja leider auch im Jahr 2019 immer wieder Filme, die schrecklich altmodisch gemacht sind. Aber selten sieht man einen Film, der ein so altmodisches Weltbild pflegt. Jetzt wo die Serie zu Ende ist, wie wäre es mit einer Neuverfilmung von „Onkel Toms Hütte“?
 
Und wo wir bereits die hochwertige Ausstattung erwähnt haben, muss man doch festhalten, dass auch diese auf recht altmodische Art hochwertig aussieht. Alles wirkt viel zu schön und daher oft unrealistisch. Das Interieur des Schlosses erstrahlt bereits vor dem Besuch des Königspaars im Paradeglanz. Selbst die Bereiche der Dienerschaft wirken so einladend, man möchte sofort einziehen. Wenn der royale Rolls Royce und der Bentley einer adeligen Dame auf Hochglanz poliert durch Yorkshire rollen ist das stimmig. Wenn allerdings sogar das Postauto und die Straßenbahn in jeder Szene wie frisch gewachst aussehen, wirkt das übertrieben.
 
„Ich denke, wir sitzen hier fest“
 
Fast alle Darsteller aus der Serie sind wieder versammelt. Die soliden aber unspektakulären Leistungen werden also kaum überraschen. Aber die verschiedenen Charaktere werden nicht eingeführt und entwickeln sich auch nicht. Sie sind einfach da, weil sie bereits in der Serie da waren.
 
Und sie sind so wie sie sind, weil sie so bereits in der Serie waren. Hugh Bonneville soll wohl die Gelassenheit des erfahrenen Patriarchen vermitteln, wirkt in seinen wenigen Szenen aber ebenso gelangweilt wie langweilig. Elizabeth McGovern wirkt als seine Ehefrau nicht einmal langweilig. Sie wirkt gar nicht.
 
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Dame Maggie Smith tut, was schon in der Serie getan hat. Sie tauscht mit Penelope Wilton bissige Bemerkungen aus. Aber Dame Maggie tauscht seit Jahrzehnten bissige Bemerkungen mit ihren Co-Stars aus und hat das schon oft sehr viel besser gemacht. Sie hat 1978 in „California Suite“ verbale Duelle mit Michael Caine ausgefochten. Fünfzehn Jahre später hat sie Whoopi Goldberg gezeigt, wo das Kruzifix hängt. Und dann war da noch diese kaum erwähnenswerte kleine Filmserie über einen Zauberschüler … So ist das was Dame Maggie in „Downton“ anstellt zwar unterhaltsam aber weder besonders noch neu.
 
Michelle Dockery hat als Lady Mary ihren Handlungsstrang alleine zu tragen, weil sowohl Matthew Goode als auch die von ihm gespielte Figur des Ehemanns Besseres zu tun hatten und erst gegen Ende des Films kurz reinschauen.
 
Fast alle aus der Serie bekannten Darsteller machen ihren Job ebenso gut wie in der Serie. Irgendwann fällt einem auf, dass Lily James gar nicht dabei ist. Aber eine Lücke hinterlässt sie nicht. Dazu ist in diesem Staffelfinale zu viel los.
 
Fazit
 
Ein Film-Regisseur hätte mit einem Film-Drehbuch vielleicht einen Kino-Film aus „Downton Abbey“ machen können. So sehen wir bloß ein sehr aufwendiges Finale für eine Fernsehserie. Fans der Serie mögen ins Kino strömen. Echte Filmfans sind mit einem echten Kino-Film besser bedient.
 
 
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