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*** Einsam Zweisam ***


ouatih kritik

Autor: Peter Osteried
 
Cedric Klapisch ist ein Regisseur, der zumeist auch an den Drehbüchern seiner Filme mitschreibt. Weil sie sich nur allzu oft sehr persönlich für ihn anfühlen. Das ist eine Qualität, die sich in den Filmen widerspiegelt, weil sie auf diese Weise auch die Zuschauer sehr persönlich involvieren. Klapisch erzählt von normalen Menschen, normalen Situationen, normalem Leben, in das manchmal das Unerwartete einbricht.
 
Über Nähe und Distanz
 
Remy steht gerade in der U-Bahn, ist eigentlich guter Dinge, zumindest aber nicht betrübt, als ihn aus heißerem Himmel eine extrem starke Panikattacke erwischt. Irgendwann ist dieser Moment, in dem man glaubt, dass man gleich stirbt, aber auch vorbei – selbst, wenn es länger als nur ein Moment ist. Remy kommt wieder zur Ruhe, findet seine Fassung wieder und geht hinaus in die Welt. Leute treffen, das könnte ja helfen, aber leicht fällt das dem Mann nicht wirklich.
 
Ganz anders als seiner Nachbarin Melanie, die eigentlich nie alleine ist und immer jemanden um sich herumhat. Auch Dates ist sie nicht abgeneigt. Aber ebenso wie Remy ist sie nicht wirklich glücklich damit, wie sich ihr Leben entwickelt hat. So leben beide aneinander vorbei, einsam zweisam sozusagen. Dabei könnte alles anders sein. Das Leben in der Stadt Klapischs Filme sind immer kleine Kunstwerke.
 
 
Solche, die sich der üblichen Einordnung entziehen. Das gilt auch für EINSAM ZWEISAM, diesen Film mit dem ungewöhnlichen Titel, der sehr passend vom Gefühlszustand seiner beiden Hauptfiguren zeugt und wirkt, als hätte man es mit einer typisch französischen Romanze zu tun, bei der am Ende nur das Happy End stehen kann. Aber dafür interessiert sich Klapisch nicht. Denn er verzichtet auf Herzschmerz, auf Kitsch sowieso, und er erzählt von seinen Figuren, die zwar nach er Liebe suchen, aber zu blind sind, sie wirklich zu erkennen. EINSAM ZWEISAM ist viel, aber keineswegs eine Romanze.
 
Stattdessen betrachtet Klapisch die Stadt mit ihren immensen Widersprüchen, mit dem Leben Seite an Seite, aber mit der Anonymität, die mit dem Leben in der großen Metropole einhergeht. Man kennt die Nachbarn, aber man kennt sie nicht wirklich. Und wenn einer von ihnen die große Liebe sein könnte, dann ist vor allem die Wahrscheinlichkeit hoch, eine Chance nicht nur zu verpassen, sondern sie gar nicht zu erkennen.
 
Lachen und Weinen
 
Klapischs Filmen ist immer zu Eigen, dass sie nicht nur amüsant, sondern komisch sind, während schon um die nächste Ecke ein Moment der Traurigkeit lauert. Das ist hier nicht anders, denn nicht nur spielt er mit Erwartungen und zeigt die beiden Protagonisten bei fast gleichen Tätigkeiten, ohne dass sie einander wirklich gewahr werden würden, nein, er dringt auch tief in die Psychologie dieser Figuren ein. Denn er schickt sie zum Therapeuten. Nicht solch einem, wie er in Filmen häufig vorkommt. Einer, der echt wirkt, der in die Tiefe geht, der subtil und mit Feingefühl bohrt, der aber den Schmerz zum Vorschein bringt. Denn auch das ist das moderne Leben. Eines, in dem wir unsere Wunden und Narben verbergen, aber dennoch immer wieder von ihnen beeinträchtigt und gepeinigt werden.
 
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Das macht EINSAM ZWEISAM zu einem sehr eindringlichen Film, weil er mit großer Menschlichkeit daherkommt.
 
Fazit
 
Der französische Regisseur Cedric Klapisch hat das perfekte Gespür dafür, Geschichten von hoher Menschlichkeit zu erzählen und das Komische neben dem Tragischen zu drapieren. Das ist ihm hier besonders gut gelungen, weil er auch mit der Form spielt und so einen Film abgeliefert hat, der üblichen Konventionen zuwiderläuft. Er hat einen anrührenden Film erschaffen, der aber nie kitschig ist.
 
 
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