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*** Rambo: Last Blood ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
37 Jahre nach dem ersten Film und nun auch schon wieder 11 Jahre nach dem vierten und bislang letzten Teil kehrt Sylvester Stallone im Alter von 73 Jahren als Rambo auf die Kinoleinwand zurück.
 
Nichts ist vorbei! Gar nichts!
 
Seit seiner Rückkehr nach Arizona vor mehr als 10 Jahren lebt John Rambo mehr oder weniger friedlich auf der Ranch seines verstorbenen Vaters. Dort hat er ein unterirdisches Tunnelsystem gegraben das den Vietcong neidisch gemacht hätte. Und er besitzt mehr Schusswaffen als ein friedliebender Mensch brauchen sollte. Auch die Dämonen seiner Vergangenheit lassen ihn längst nicht in Ruhe. Als die Tochter seiner Haushälterin von mexikanischen Mädchenhändlern verschleppt wird, muss der alte Kämpfer nochmal in die Schlacht ziehen.
 
1985 war ich zwölf Jahre alt, als ich „Rambo II – Der Auftrag“ im Kino gesehen habe. Der Film war erst ab 16 Jahren freigegeben. Aber ich hatte mich bereits in frühen Jahren nie geschont und sah daher deutlich älter aus. Der erste Teil war einige Zeit später einer der ersten Filme überhaupt, den ich als VHS-Kassette daheim hatte. Ich hatte den Soundtrack zu Teil Eins, Zwei und Drei auf Vinyl. Der Vietnamveteran John Rambo war einer DER Helden meiner Jugend. Es fällt mir also nicht leicht, hier festzustellen, was für ein heilloses Durcheinander, was für einen faschistoiden Unsinn und was für einen ganz allgemein miesen Film ich eben sehen musste.
 

 
Vor einiger habe ich anlässlich von „Star Wars: Die letzten Jedi“ festgestellt, dass es bei Star Wars längst nicht mehr darum geht, ob der neue Beitrag zur Serie ein guter Film sei oder nicht. Es ginge nur noch darum, ob das nun ein guter Star Wars-Film sei oder nicht. Die Macher von „Rambo: Last Blood“ waren mit ihrem Projekt so überfordert, dass Ihnen nicht aufgefallen ist, dass das gar kein Rambo-Film ist.
 
Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden
 
Im heute leider unterschätzten ersten Film war Rambo ein Anti-Held der von einem seine Macht missbrauchenden Polizisten zum Kampf gezwungen wurde. Im deutlich schwächeren Teil Zwei wird Rambo von einem korrupten Regierungsvertreter verraten und so zum Kampf gezwungen. Im dritten und auch im vierten Teil macht sich Rambo auf, Unschuldige aus der Gewalt sadistischer Verbrecher zu befreien. Rambo war immer ein Kämpfer, aber nie ein Rächer. In keinem der Filme war es je um Rache gegangen. Im neuen Film geht es um nichts anderes.
 
Rambo war Soldat. Er hat im Kampf getötet, aber in keinem der Filme je eine wehrlose Person verletzt. Im neuen Film foltert er bereits seinen ersten Kontakt auf eine Weise, die Liam Neesons Aktionen in „Taken“ daneben wie bloße Belästigung wirken lassen. In Teil eins hat Rambo einen Nervenzusammenbruch, nachdem er darüber spricht wie er als „Babykiller“ verleumdet wurde. In diesem Film droht er einer jungen Frau damit, sie zu erschießen wenn sie ihm nicht hilft. Er foltert und enthauptet einen Gangster, nur um dessen Kopf dann achtlos aus dem Autofenster zu werfen.
 
Natürlich waren die Gewaltdarstellungen der früheren Filme nichts für Zartbesaitete. Aber Rambo war nie ein Sadist. Und die Kritiker, die den früheren Filmen entsprechende Vorwürfe gemacht hatten, können die Filme nie richtig gesehen haben. Im neuen Film wirkt es, als wären Stallone, sein Co-Autor Matthew Cirulnick („Absentia“) und sein Regisseur Arian Grundberg („Get the Gringo“) fest entschlossen gewesen, diesen Kritikern nachträglich Recht zu geben. Hier ist Rambo kein Mann, der kämpft nachdem er in die Enge getrieben wurde. Hier ist Stallones Held zum sadistischen Racheengel verkommen.
 
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Ich habe ein paar Schüsse abgefeuert
 
In der schlimmsten Szene des vierten Teils reißt Rambo einem Mann den Kehlkopf aus dem Hals. Rückblickend war das ein harmloser, fast unschuldiger Spaß. 2019 sticht der Held mehr als einem Mann nicht in den Hals sondern durch den Hals durch. Er hackt einem stehenden Mann den Fuß ab. Und eine seiner vielen Fallen spaltet einem Mann den Schädel horizontal an zwei Stellen. Das wäre alles halb so wild, wenn all diese Gewaltszenen gut gemacht wären. Oder halbwegs originell. Denn so lächerlich es klingt: auch übertriebene Gewaltdarstellungen sollten irgendwie einen Sinn ergeben.
 
Warum zum Beispiel wird der Hauptbösewicht wie der Heilige Sebastian von Pfeilen durchbohrt? Das sieht nicht besonders aus und ergibt keinerlei Sinn. Und natürlich kann man seinen Helden drohen lassen, jemandem das Herz aus der Brust zu reißen. Wenn man seinen Film aber halbwegs ernst nimmt, kann man das doch nicht wörtlich nehmen und tatsächlich so zeigen. Erfahrene, professionelle Filmemacher, die auch den Überblick über ihr Werk behalten, wären sich dessen bewusst gewesen.
 
Leider ist dieser Film von Leuten zusammengeschustert worden, die keine Ahnung von ihrem Metier haben. Figuren werden eingeführt, um dann nie wieder eine Rolle zu spielen. Wozu hören wir Dialog, der uns über die Pläne des Schurken informiert, sich mit einem noch größeren Gangsterboss zusammenzutun, wenn danach nie wieder die Rede davon ist? Warum reißt der Handlungsstrang um den Vater einer jungen Frau plötzlich ab um nie wieder aufgenommen zu werden? Was hat es mit Rambos Pillen auf sich, die mehrmals gezeigt werden um dann nie wieder Thema zu sein?
 
In technischer Hinsicht schwankt die Qualität des Films zwischen mittelmäßig und mies. Kamera, Ton und Schnitt funktionieren mal mehr, mal weniger. Der Film ist voller Anschlussfehler. Einige Actionsequenzen sind unübersichtlich ausgefallen. Die Filmmusik trägt nur zur Stimmung bei, wenn sie sich der Motive des verstorbenen Altmeisters Jerry Goldsmith bedient.
 
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Wenn Du dazu gezwungen wirst, ist Töten so einfach wie atmen
 
Die Action ist brutal, aber kein bisschen spannend. Die Handlung ist sinnlos und wird daher nie wirklich interessant. Die Dialoge sind zu lang, zu viel und klingen viel zu hölzern um ernst genommen werden zu können. Alles was gezeigt wird, wird auch erklärt. Alles was passiert, wird auch kommentiert. Selbst die größten Löcher der Handlung werden auf der Leinwand besprochen. An einer Stelle meint eine Figur tatsächlich über den Helden: „Wir hätten ihn töten sollen.“. Tatsächlich? Wäre es besser gewesen, man hätte diesen extrem gefährlichen Feind aus dem Weg geräumt, als man Gelegenheit dazu hatte? Jetzt hör aber auf!
 
Stallone kann ein sehr viel besserer Darsteller sein, als man ihm oft zugesteht. Aber das was er sich diesmal ausgedacht hat, ist keine echte Figur mehr. Daher gibt es für ihn auch nichts mehr darzustellen. Er stakst durch die Szenen, nuschelt sich durch den Dialog und metzelt. Mehr hat er nicht zu tun.
 
Auch die Nebenfiguren sind nur Abziehbilder. Die noch recht unbekannte Schauspielerin Yvette Monreal muss eine junge Frau spielen, die sich sehr dumm anstellen muss damit die Handlung in Gang kommen kann. Mit so einer Rolle wüssten erfahrenere Darstellerinnen auch nichts anzufangen.
 
Mittendrin ist Paz Vega („Spanglish“) kaum wiederzuerkennen in einer Rolle, die nur dazu dient die ohnehin offensichtliche Handlung zu erläutern. Der Rest der Besetzung besteht aus finster dreinblickenden, lateinamerikanischen Männern, die das Klischee vom drogendealenden, vergewaltigenden Mexikaner bedienen müssen bevor sie der Reihe nach dahingemetzelt werden.
 
Fazit
 
Mit 73 muss man als Schauspieler noch lange nicht an den Ruhestand denken. Die Figur des John Rambo hätte Stallone aber lange vor diesem Film in Rente schicken sollen. Dann hätte er sich und uns diese Katastrophe von einem Film erspart.
 
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