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*** Ready Player One ***


 
rpo kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Steven Spielberg präsentiert uns einen Film über Teenager im Jahr 2045 für Teenager im Jahr 2018 und füllt ihn mit Zitaten aus den 1980er-Jahren. Das funktioniert. Das funktioniert sogar sehr gut. Das funktioniert aber nur weil die Zuseher mit so unglaublich vielen Bildern überschüttet werden, dass für jeden etwas dabei ist.
 
Reality is a bummer
 
Wade Owen Watts weiß, im Jahr 2045 achtzehn Jahre alt zu sein, ist noch übler als 2018. Die Städte sind überbevölkert, die Weltwirtschaft ist endgültig den Bach runter gegangen, jeder ist verschuldet und die wenigen Menschen, die noch Jobs haben, werden ausgebeutet. Kein Wunder, dass nicht nur Wade, sondern praktisch die ganze Welt so viel Zeit als möglich in OASIS verbringt.
 
In dieser endlos wirkenden Multiplayer-VR hat der geniale Game-Designer James Donovan Halliday vor seinem Tod ein ganz besonderes Easter-Egg versteckt. Dem Finder winkt die alleinige Kontrolle über OASIS und damit über das wertvollste Unternehmen der ganzen Welt. Um dieses wertvolle Ei zu bekommen, muss man erst drei Schlüssel finden. Bisher scheiterte aber jeder Spieler bereits beim Versuch, den ersten Schlüssel in einem wilden Autorennen zu gewinnen. Und das obwohl unter anderem der Multinationale Konzern IOI immer wieder Horden eigener Profispieler ins Rennen schickt.
 
 
Auch Wade versucht es in Gestalt seines Avatars Parzival immer wieder. Bei einem der Rennen lernt er die geheimnisvolle Art3mis kennen und verliebt sich. Von ihr inspiriert, findet er den ersten entscheidenden Hinweis in Hallidays alten Aufzeichnungen und gewinnt den ersten der drei Schlüssel. Nun interessiert sich natürlich auch IOI für Parzival …
 
Steven Spielberg ist der Vater des Blockbuster-Kinos. Aber wie ein Nobelpreisträger zu sagen pflegte, „the times, they are a-changing“. Vor mehr als vierzig Jahren dauerte es in „Der weiße Hai“ gut anderthalb Stunden, bis wir endlich den Hai zu sehen bekamen. Vor über zwanzig Jahren musste man in „Jurassic Park“ eine Viertelstunde auf den ersten Dinosaurier warten. Aber 2018 will das Kinopublikum nicht mehr warten. Und anders als sein Held, gibt der Film daher von Anfang an Vollgas und blickt niemals zurück. Bei all den Zitaten aus den 80er-Jahren ist „Ready Player One“ eindeutig ein Film für Leute, die im 21. Jahrhundert zum ersten Mal im Kino waren.
 
Und weil mein erster Kinobesuch nun doch schon vierzig Jahre her ist, frage ich mich natürlich, ob Spielberg eigentlich klar war, wie viele visuelle Gags und Anspielungen seines Films vom größten Teil des Publikums einfach nicht wahrgenommen werden? Ein älterer Herr wie ich findet es natürlich witzig, wenn Parzival zum Rennen in Marty McFlys DeLorean antritt. Für den durchschnittlichen Teenager ist das aber gerade noch irgendwie ein cooles Auto.
 
Der Ford Falcon von Mad Max geht in der Startaufstellung praktisch unter. Und wenn einer von Parzivals Mitstreitern in Bandits Trans Am am Ziel ankommt, nimmt das nun wirklich niemand mehr zur Kenntnis. Bei der Szene, in der Parzival dann im Aufzug von Buckaroo Banzai zum ersten Date erscheint, habe ich selbst in den Gesichtern der versammelten Presseleute kein Zeichen des Wiedererkennens feststellen können. Im Film wird auch nie erklärt, warum 2045 die ganze Welt von der Popkultur der 1980er-Jahre besessen ist. Klar, das war das Lieblingsjahrzehnt des verstorbenen Game-Designers. Aber ich kenne jede Menge Leute, die elektronische Geräte nur benutzen, wenn ein angebissener Apfel drauf ist. Trotzdem geht die Verehrung für den Firmengründer nicht so weit, dass sie dauernd in Rollkragenpullovern rumlaufen.
 
01 ©2018 Warner Bros Entertainment02 ©2018 Warner Bros Entertainment03 ©2018 Warner Bros Entertainment04 ©2018 Warner Bros Entertainment
 
Und noch etwas scheint Spielberg vergessen zu haben. Die sympathische Botschaft des Films ist ganz klar, wie wichtig das Team rund um den Helden ist. Wie konnten die Drehbuchautoren dann gerade diese Figuren praktisch links liegen lassen? Am Ende des Films haben wir gerade mal erfahren, wie die anderen Mitspieler aussehen, aber nicht mehr.
 
Auch in anderer Hinsicht haben sich die Drehbuchautoren nicht überanstrengt. Der Plot ist lächerlich. Als das Versteck der Truppe von den Schergen der IOI gestürmt wird, sorgt die Heldin Art3mis/Samantha selbst dafür, dass sie von Wade getrennt wird. Das ergibt zwar überhaupt keinen Sinn, aber nur so kann sie gefangen genommen und anschließend wieder gerettet werden.
 
Witzig ist auch, was man in den USA mit der Altersfreigabe „PG-13“ und bei uns „ab 12 Jahren“ bereits sechsjährigen in Begleitung Erwachsener zumuten darf. Ganze Sequenzen aus Stanley Kubricks „Shining“ werden nachgespielt. Dabei bekommen wir zwar noch viel mehr Blut zu sehen als im Original und verwesende Riesenzombies, die im Original gar nicht vorkamen. Aber der Anblick nackter Brüste wird den Schulkindern natürlich vorenthalten. Am Ende einer Sequenz, in der minutenlang darüber gesprochen wird, dass Art3mis in der VR eine künstliche Frau zu küssen hat um den nächsten Schlüssel zu bekommen, ist der Kuss dann natürlich nicht zu sehen. Wir merken uns; endlose Schießereien mit vollautomatischen Waffen, Familien die in Explosionen umkommen, moderne Sklavenhaltung und jede Menge Monster sind für Grundschulkinder durchaus geeignet. Bevor aber eine entblößte Brust zu sehen wäre oder ein weiblicher Avatar ein künstliches weibliches Wesen küssen sollte, steigen wir aus. Irgendwo muss man zum Schutz der Kinder schließlich eine Grenze ziehen.
 
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Player One, Player Two, …
 
Tye Sheridan haben wir zuletzt als jungen Cyclops in „X-Men: Apocalypse“ gesehen. Er macht seinen Job gut, ist aber meistens ohnehin bloß als computeranimierter Avatar zu sehen.
 
Olivia Cooke war in „Limehouse Golem“ großartig und wirkt hier als Art3mis/Samantha ganz bezaubernd. Hätten die Drehbuchautoren ihr tatsächlich eine echte Rolle geschrieben, wäre ihre Leistung sicher noch besser gewesen.
 
Ben Mendelsohn, T.J. Miller und jede Menge junge Leute wirken auch noch in diesem Film mit. Da sie alle miteinander aber meistens ohnehin bloß als Pixelhaufen herumspringen, laufen, schießen und kämpfen, muss man darüber nicht viele Worte verlieren.
 
Fazit
 
„Ready Player One“ ist ein Film wie ein Computerspiel. Dauernd fliegt etwas in die Luft, springt etwas auf einen zu oder rast davon. Ununterbrochen passiert ganz viel ganz furchtbar schnell. Das alles ist hervorragend gemacht. Manch einer würde sich aber vielleicht wünschen, der Film hätte dazwischen mal den Fuß vom Gas genommen.
 
 
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