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*** Joker ***


ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Furiose Schauspielshow! In der Neuinterpretation des Batman-Bösewichts Joker läuft Joaquin Phoenix zu Oscar-würdiger Höchstform auf. Der Film um ihn herum, hält allerdings nicht immer, was er verspricht.
 
Kontrovers aufgenommen
 
Seit seiner Uraufführung bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wird über „Joker“ eifrig diskutiert. Erst recht, nachdem der Warner-Streifen überraschend den Goldenen Löwen als bester Film des Wettbewerbs erhielt. Für die einen hat „Hangover“-Regisseur Todd Phillips ein die Grenzen des Superheldengenres sprengendes Meisterwerk geschaffen.
 
Andere hingegen halten seine Version der Schurken-Vorgeschichte für eine große Enttäuschung, garniert mit gefährlichen ideologischen Tendenzen. Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Zweifellos bildet die mit Joaquin Phoenix stark besetzte Charakterstudie eine willkommene Abwechslung zu den bislang veröffentlichten DC-Leinwandadaptionen. Ihren hochfliegenden Ambitionen werden die Macher aber gewiss nicht durchgehend gerecht.
 

 
„Joker“ spielt Anfang der 1980er Jahre und zeigt dem Zuschauer ein verdrecktes Gotham City, in dem der psychisch angeknackste Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) von einer Karriere als Stand-up-Komiker träumt. Tatsächlich verdingt er sich aber als einfacher Werbeclown, der irgendwelche Angebotsschilder in die Luft hält. Die Kälte und die Rücksichtslosigkeit seiner Mitmenschen bekommt er beinahe täglich zu spüren. Als ihm ein Kollege eine Waffe offeriert, zögert der mit seiner kranken Mutter (Frances Conroy) zusammenlebende Arthur nicht lange und steckt sie ein.
 
Eine Entscheidung mit verheerenden Folgen. Denn als der Kostümierte mal wieder in der U-Bahn drangsaliert wird, schießt er die drei betrunkenen Jungbanker kaltblütig nieder. Auch wenn Fleck unerkannt entkommen kann, verliert er anschließend mehr und mehr den Halt. Parallel zu seinem Abgleiten in den Wahnsinn entzündet sich an seiner mörderischen Tat eine immer aggressiver werdende Protestbewegung gegen das Establishment – mit der Clownsmaske als Symbol des Widerstands.
 
Verbeugung vor Martin Scorsese
 
Wer mit der Hoffnung auf eine actiongeladene neue Origin-Story in die Kinos rennt, dürfte von „Joker“ schwer enttäuscht werden. Phillips und Ko-Drehbuchautor Scott Silver („The Fighter“) umgehen die klassischen Muster des Comic-Kinos und nutzen die aus dem Batman-Universum bekannte Titelfigur, um ein düsteres Psychodrama ins Rollen zu bringen, das sich vor den beiden Martin-Scorsese-Werken „Taxi Driver“ (1976) und „The King of Comedy“ (1982) verneigt.
 
01 ©2019 Warner Bros Pictures02 ©2019 Warner Bros Pictures03 ©2019 Warner Bros Pictures04 ©2019 Warner Bros Pictures
 
Schon die altmodischen Schriftzüge am Anfang weisen auf die Ästhetik des Filmschaffens in den 1970er und 1980er Jahren hin. Und auch danach verpassen der Regisseur und sein Kameramann Lawrence Sher ihren atmosphärischen Bildern einen unverkennbaren Retro-Look. Die Hommage an die genannten Scorsese-Klassiker kommt allerdings nicht nur in der Optik zur Geltung, sondern spiegelt sich auch auf inhaltlicher Ebene wider. Ähnlich wie Travis Bickle aus „Taxi Driver“ und Rupert Pupkin aus „The King of Comedy“ – beide gespielt von Robert De Niro – sehnt sich Arthur nach ein bisschen Anerkennung und entfesselt auf seiner Suche destruktive Kräfte. Phillips‘ Reverenzen an diese Antihelden und ihre beunruhigenden Geschichten fallen manchmal sehr deutlich aus (so taucht De Niro in „Joker“ als Fernsehmoderator auf), sind aber nicht so platt, wie es manch ein Kritiker bemängelt.
 
Da Arthur in schneller Abfolge diverse schlimme Dinge widerfahren, mag seine unheimliche Wandlung etwas forciert erscheinen. Mehr als einmal unternimmt das Drehbuch Ausflüge in den Bereich der Küchenpsychologie. Und die nach den U-Bahn-Morden losbrechenden Unruhen auf den Straßen Gotham Citys – ein klarer Bezug zur erhitzten Stimmungslage der Gegenwart – werden nicht überzeugend genug unterfüttert. Diese erzählerischen Schwächen sind offensichtlich, verlieren allerdings dank der mitreißenden Performance des Hauptdarstellers ein wenig an Gewicht. Joaquin Phoenix, der für die Rolle des zum Joker reifenden Möchtegernkomikers diverse Kilos abnahm und einen schmerzhaft ausgemergelten Eindruck macht, spielt sich wahrlich die Seele aus dem Leib und lädt fast im Alleingang viele Szenen mit einer bedrohlichen Intensität auf. Beispielhaft sind die quälenden Momente, die Arthurs besondere Macke illustrieren.
 
In denkbar unpassenden Situationen bricht bei ihm ein unkontrolliertes Lachen hervor, gegen das er sich nur mit äußerster Kraftanstrengung wehren kann. Augenblicke wie diese wecken Mitleid für den Protagonisten. Gleichzeitig unterstreichen Phoenix und Phillips aber auch, wie weit sich Fleck von der Realität entfernt und wie grausam sein Handeln ist. „Joker“ bebildert die Geburt eines Soziopathen, glorifiziert seinen Rundumschlag jedoch nicht.
 
Fazit
 
Mit seinem nervenaufreibenden Tour-de-Force-Ritt verleiht Joaquin Phoenix dem etwas unrunden, einige Klischees mit sich herumschleppenden Joker-Film eine ungeahnte Wucht.
 
 
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