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***Ice Age - Kollision voraus!***

ia5 kritik
 
Autor: Manuel Boecker
 
Wie erwartet ist Scrat auch in „Ice Age 5 - Kollision voraus!“ wieder der ächzende und piepsende Star. Unzählige Deformationen und slapstickhafte Verrenkungen seines Körpers muss die urzeitliche Kreuzung aus Eichhörnchen und Ratte über sich ergehen lassen, bevor er diesmal nichts weniger als eine kosmische Katastrophe anrichtet. Doch genauso vehement wie Scrat seine Nuss in den Boden treibt, schlägt Regisseur Michael Thurmeier mit „Kollision voraus!“ den Sargnagel in die Ice Age – Reihe. Schade.
 
Nach Eiszeit, Tauwetter, Dino-Alarm und Kontinentaldrift nun der Meteoriteneinschlag Doch von Anfang an: Nach bisher 2,8 Milliarden eingespielten Dollars steht nun mit Teil 5 das nächste Sequel auf dem Programm. Eiszeit, Tauwetter, Dino-Alarm und Kontinentaldrift (man beachte die Reihenfolge, beim Thema Erdzeitalter scheinen die Autoren in der Schule gefehlt zu haben) haben unsere tierischen Helden schon bewältigt. Diesmal gilt es also einen Meteoriten abzuwehren, den Scrat natürlich unbeabsichtigt aus dem All auf die Erde schleudert.
 
Aus dieser brauchbaren Grundkonstellation macht BlueSky jedoch einen dramaturgischen Bandsalat, der sich so fahrig im Klein-Klein der Nebenbaustellen verheddert, dass man selbst als erwachsener Zuschauer ständig den Faden verliert. Man könnte meinen, jede minder begabte Autorenrunde hätte mit den Bildern der letzten Filme vor Augen in einem feucht-fröhlichen Brainstorming ein würdevolleres Storyboard zusammen getackert. Maßstäbe setzt der Film wieder einmal bei der computertechnischen Umsetzung, die 3D-Bilder sind brillant, die Bewegungen perfekt animiert.
 
Doch bei Entwicklung einer innovativen Handlung, in der die wunderbaren Figuren, vor allem mit ihrem schrägen Humor, glänzen dürfen, ist Drehbuchautor Michael J. Wilson bei „Kollision voraus!“ wohl öfter der Computer abgestürzt.
 
 
Die verworrenen Handlung lässt den Figuren wenig Raum
 
Kostproben gefällig? Scrat verirrt sich beim Ringen um ein Versteck für seine Nuss in ein Ufo, das im ewigen Eis geschlummert hat. Einige Sequenzen später, die zu den unterhaltsamsten des Films gehören, (Scrat wird mitsamt Nuss geklont, durch einen Luftschlauch gesogen und durch zigfach erhöhte Anziehungskraft auf die Bodenplatten gequetscht) hat die Urzeit-Ratte die Milchstrasse soweit ins Chaos gestürzt, dass ein Meteoritenhagel auf die Erde niedergeht.
 
Auf eben dieser hat Manni gerade seinen Hochzeitstag mit Elli verschwitzt, so dass ihm das kosmische Feuerwerk bei der Flucht vor seinem nervigen Schwiegersohn und der erzürnten Gattin ganz gelegen kommt. Plötzlich erwacht der unterirdische Dschungel aus dem dritten Teil wieder zum Leben, die Meteoriten-Kernschmelze befreit eine fliegende Dinofamilie auf ihrem Rachefeldzug gegen Buck, das leicht verrückte Wiesel aus der Unterwelt. Buck offenbart Diego, Sid und den anderen durch ein paar Steinplatten (eine Anspielung auf Weltuntergangsszenarien der Mayas?), dass ein noch größerer Meteorit zur Erde unterwegs ist, um die Menschheit, äh, Tierwelt auszulöschen.
 
Wer sich hier an bestehende Blockbuster erinnert fühlt, liegt genau richtig, denn von nun an spielt Regisseur Michael Thurmeier mit Filmzitaten und Anspielungen auf „Independence Day“ und Co. Problematisch nur, dass die Kinderzielgruppe diese Referenzen überhaupt nicht kennt. Bei den familieninternen Streitereien der Mammuts werden eher Anleihen bei den Feuersteins gemacht, Manni verzweifelt an seinem dümmlich nassforschen Schwiegersohn in spe und kann nicht akzeptieren, dass seine Tochter eigene Entscheidungen fällt.
 
Der Familienzwist schrammt immer scharf am Kitsch vorbei, bis er in der Schluss-Szene darin ersäuft, denn zum ersten Mal werden, wie bei Disney auch, Musical-Einlagen über die Figuren gestülpt. Die Handlung holpert derweil unwitzig weiter, die Freunde müssen, ohne recht zu wissen warum, einen Felsen in der Ferne erreichen, um dem drohenden Untergang zu entgehen. Langatmige Ausflüge in die theoretische Elektrolehre mit Blitzen, Magnetismus und statischen Aufladungen bringen weder Spannung noch Spass, bis endlich der Ort des finalen Einschlags erreicht ist.
 
Hier liegt schon ein älterer Meteorit vor Anker, bevölkert von durchgeknallten rosa Hasen und tiefenentspannten Lamas. Auch hier verpuffen die Gags in Querverweisen auf Alice im Wunderland und den Yoga-Wahnsinn moderner Großstädter. Mit der finalen Schlacht um die Abwehr der fliegenden Bedrohung ist der Zuschauer jedoch noch nicht erlöst, denn die Hochzeits-Schmonzette zwischen Peaches und ihrem Verlobten muss auch noch zu Ende gebracht werden. Insgesamt viele verworrene Einfälle im Skript, mit denen die eher bodenständigen Figuren oft nichts anzufangen wissen.
 
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Urzeit-Säuger werden zu Kuscheltieren
 
Überhaupt unsere Helden: Als wäre eine Dating-Plattform der Werbepartner des Films gehen alle Verschrobenheiten der Figuren im Pärchenwahnsinn unter. Diego wird an der Seite seiner Angetrauten zum Kuscheltiger, die listige Raubkatze ist schon irgendwo in Teil 4 abhanden gekommen.
 
Die Mammuts sind ebenfalls nur noch im Schmuse-Doppelpack zu haben und selbst Sids Oma findet noch ihr Liebesglück. Nur Sid selber muss bis ganz zum Schluss und eher auf einen Zaubertrick warten, bis auch seine verzweifelte Suche nach einem Deckelchen endlich abgeschlossen wird. Otto Waalkes schmeisst sich wie gewohnt in die Synchronisation und verleiht Sid sein bekanntes Lispeln, doch die Gelegenheiten als Sprecher zu glänzen sind rar gesät.
 
Wenn man bei computeranimierten Figuren überhaupt davon sprechen kann: Irgendwie haben Diego, Sid und Manni ihre charmante und bisweilen bockige Eigenwilligkeit verloren, treffende Gags verwandeln sich in Teil 5 in laue Kalauer und das ständiges Gequassel zerfasert die Geschichte nur, anstatt sie voran zu treiben. Bei aller Kritik gibt es natürlich auch Volltreffer. Die Oppossums Crash und Eddie lassen im ständigen Vollgasmodus keinen noch so blöden Gag am Wegesrand liegen. Sids Oma liefert ein paar gute Sprüche zum Mitschreiben und der reichlich mit Lob bedachte Scrat, zu recht Star eines eigenen Spiels, zieht den gesamten Film phasenweise aus dem Niveau-Loch.
 
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Fazit
 
Und doch: „Ice Age 5 – Kollision voraus!“ fühlt sich an wie ein lang ersehntes Wochenende mit lauter alten Freunden. Die Erinnerung an vergangene Zeiten treibt ein wohliges Schmunzeln auf die Gesichter, aber irgendwann merkt man, dass sich die Kumpels klammheimlich verändert haben und den eigenen Humor gar nicht mehr teilen. Vielleicht liegt es auch am Fehlen von Arne Elsholtz, der in vier Filmen Manny seine Stimme lieh und im April verstarb.
 
 
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