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*** Im Netz der Versuchung ***


indv kritik

Autor: Walter Hummer
 
Matthew McConaughey und Anne Hathaway treffen in einem Film aufeinander  der zunächst ein film-noir ist, bevor er dann zum Mystery-Thriller wird. Als film-noir funktioniert der Film noch mehr schlecht als recht …
 
Heißer Sex, dann eine Zigarette …
 
Baker Dill hat ein Fischerboot auf einer tropischen Insel. Auf dem Meer jagt er einen Thunfisch, dem er den Namen „Justice“ gegeben hat. An Land trinkt er viel Rum und hat heißen Sex mit der schönsten Frau der Insel (Diane Lane). Im Anschluss an den heißen Sex verlässt er sie immer gleich, um dem Thunfisch nachzujagen oder Rum zu trinken.
 
Eines Tages taucht eine noch wunderschönere Frau auf der Insel auf. Karen (Anne Hathaway) ist Bakers Exfrau. Ihr neuer Mann misshandelt sie regelmäßig und so bietet sie Baker Zehn Millionen Dollar, wenn er ihren Mann auf einem Bootsausflug umbringt. Aber da ist noch ein geheimnisvoller Anzugträger, der Baker verfolgt. Und plötzlich ist alles nicht mehr so einfach …
 
Die erste Hälfte des Films wirkt wie ein klassischer film-noir. Vor Siebzig Jahren hätten Kirk Douglas oder Robert Mitchum Matthew McConaugheys Rolle gespielt. Und Anne Hathaway sieht in ihren ersten Szenen auch ein bisschen aus, wie die zweite Siegerin bei einem Veronica-Lake-Ähnlichkeitswettbewerb. Diese erste Hälfte des Films wirkt zwar furchtbar altmodisch mit all den lächerlichen Dialogen, klischeehaften Figuren und plumpen Symbolismen, ist aber vielleicht gerade deshalb noch halbwegs unterhaltsam.
 
 
Die Regeln
 
Leser die unter Angst vor „Spoilern“ leiden, müssen jetzt entweder sehr stark sein oder einfach die nächsten paar Absätze überspringen. Ich muss nun leider auf die überraschende Wendung der Handlung eingehen. Würde ich das nicht tun, müsste ich den größten Teil des Films unkommentiert lassen. Das wäre so als würde man „From Dusk Till Dawn“ besprechen, ohne den Teil mit den Vampiren zu erwähnen (für alle die „From Dusk Till Dawn“ noch nicht gesehen haben: sorry, aber im „Titty Twister“ arbeiten nur Vampire).
 
Die überraschende Wendung wird zunächst sehr interessant eingeleitet. Einige Ungereimtheiten ergeben plötzlich Sinn, wie z.B. das Kennzeichen, das nicht zum Lenkrad von Bakers Pickup passt und warum alle Einwohner der Insel so gut informiert sind. Leider ergeben allzu viele Teile der Handlung nun plötzlich gar keinen Sinn mehr. Drehbuchautor und Regisseur Steven Knight („No Turning Back“) präsentiert uns hier einen Film, der nicht halb so schlau ist wie er gerne wäre.
 
Wenn alles auf dieser Insel, also auch die Einwohner und alles was diese tun und sagen, von der gleichen Person programmiert wurde, wieso ist dann alles so widersprüchlich? Wenn alles von Bakers dreizehnjährigem Sohn programmiert wurde, nur weil dieser Sohn den neuen Mann seiner Mutter tot sehen will, warum versuchen dann so viele der von ihm programmierten Figuren Baker von dem Mord abzuhalten? Warum zieht der Programmierer denn nicht einfach sein Programm durch?
 
Sobald wir wissen, dass der Sohn alles und jeden rund um seinen im realen Leben bereits verstorbenen Vater programmiert hat, lässt das unter anderem Bakers Beziehung zur Figur von Diane Lane reichlich schräg erscheinen. Wenn eines meiner Kinder nach meinem Tod ein Spiel programmiert indem mein Geist, meine Seele oder was auch immer regelmäßig heißen Gelegenheitssex mit Diane Lane hat, hoffe ich mein Kind findet den Weg zu einem guten Therapeuten. Und wie soll es funktioniert haben, wenn Vater und Sohn am Ende des Films wieder vereint zu sehen sind? Müsste der Sohn dazu nicht verstorben sein?
 
Und wie kommt man als Drehbuchautor und Regisseur auf die Idee, einen nackten Mann verträumt auf sein Kind zutauchen zu lassen? Fantasie oder Programm hin oder her, dieses Bild ist einfach komplett daneben. Spätestens an dieser Stelle hätte ein wohlmeinender Produzent oder Studioboss mal ein ernstes Wort mit Steven Knight reden müssen. Warum das offensichtlich nicht passiert ist, wissen wir leider nicht. Wir wissen nicht, warum dieser Film komplett aus den Schienen gesprungen ist. Aber wir sehen, an welcher Stelle das passiert ist und ab wann der Rest des Films komplett neben der Spur läuft.

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Es gibt ein Du und ein ich, irgendwo
 
Matthew McConaughey spielt den Fischer, Trinker und Liebhaber in der ersten Hälfte des Films mit vollem Körpereinsatz. Nachdem wir in „Interstellar“ gesehen haben, wie gut er verzweifelte Liebe zu einem durch Raum und Zeit getrennten Kind spielen kann, lässt seine Leistung in der zweiten Hälfte des Films vermuten, dass er selbst recht bald bemerkt hat was mit seinem neuen Film alles nicht stimmt.
 
Anne Hathaway erinnert in ihren ersten Szenen an die Damen aus Hollywoods schwarzer Serie wie Jane Greer oder Lauren Bacall. Im weiteren Verlauf erinnert ihre Darstellung dann eher an Fernsehserien aus den 80-Jahren. In einigen Szenen wirkt Hathaway wie Linda Gray an einem besonders anstrengenden Tag auf der Southfork-Ranch. Sicher wäre jede Darstellerin an einer Rolle gescheitert, die in der ersten Hälfte des Films eine Ansammlung von Klischees darstellt und in der zweiten Hälfte keinen Sinn mehr ergibt. Man kann nur hoffen, dass diese kompetente Schauspielerin sich ihre Projekte demnächst wieder mit mehr Bedacht aussucht.
 
Auch Diane Lanes Rolle ist in der ersten Hälfte des Films ein Klischee und in der zweiten Hälfte einfach nur … pfh … ja, was eigentlich? Diane Lane macht das Beste daraus. Das Gleiche gilt für den immer verlässlichen Djimoun Hounsou.
 
Jason Clarkes Rolle als brutaler Ehemann ist das Klischee eines Klischees. Alle Darsteller haben in diesem Film ihren Anteil an lächerlichen Dialogzeilen abbekommen. Aber Jason Clarke hat sich offensichtlich dreimal Nachschlag geben lassen.
 
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Noch ein Gedanke zum deutschen Verleihtitel: Der englische Originaltitel „Serenity“ bedeutet so viel wie „Gelassenheit“ und ist der Name des Boots der Hauptfigur. Ich kann mir nur vorstellen, wie die Entscheidungsträger des deutschen Filmverleihs aus Langeweile während des Films jedes Mal einen Kurzen gekippt haben, wenn Matthew McConaughey den Himmel anschreit oder sich nackt auszieht (beides tut er oft). Anschließend meinten sie wohl: „Ach was, scheiß drauf. Jeder schreibt jetzt den dümmsten deutschen Titel auf, der ihm einfällt. Aus den Zetteln falten wir Papierflieger und der Titel, der am weitesten fliegt, der wird’s dann. Prost!“
 
Fazit
 
Ein Film wie ein Verkehrsunfall. Man weiß man sollte nicht hinschauen, tut es aber trotzdem und fragt sich dabei wie denn sowas passieren konnte. Und wie fast jeder Fahrer mal einen Unfall hatte, hat fast jeder gute Schauspieler in seiner Filmographie ein oder zwei komplett misslungene Filme. Matthew McConaughey und Anne Hathaway teilen sich in nächster Zukunft wohl die Erinnerung an diesen Unfall.
 
 
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