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*** Johnny English: Man lebt nur Dreimal ***


 
je3 kritik
 
Autor: Walter Hummer
      
Der dümmste Agent im Geheimdienst ihrer Majestät ist wieder im Einsatz. Und anders als der Mann mit der Lizenz zum Fehlschlag, gehen die Macher des dritten Teils der Serie keine Risiken ein.
 
I’m your man
 
England steht am Abgrund. Eine Reihe von Cyber-Angriffen drohen das Land ins Chaos zu stürzen. Nachdem bei einem der Angriffe die Identitäten sämtlicher Agenten des MI7 offengelegt wurden, ist der Geheimdienst gezwungen auf ehemalige Mitarbeiter zurückzugreifen. Nach einem kleinen Missgeschick, bei dem die letzten verbliebenen Kandidaten ausgeschaltet wurden, ist Johnny English die einzige Hoffnung des gar nicht mehr so vereinigten Königreichs …
 
Rowan Atkinson begann 1979 als Fernsehkomiker bei der BBC-Show „Not the Nine O’Clock News“. Danach schrieb er zusammen mit Richard Curtis („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) die Serie „Black Adder“ in der er selbst u.a. mit Stephen Fry und Hugh Laurie auftrat. Diese Serie ist bis heute eine der unterhaltsamsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Comedy-Serien aller Zeiten. Während der achtziger Jahre trat er in Nebenrollen in Spielfilmen auf. Er spielte neben Sean Connery in „Sag niemals nie“ und neben Emma Thompson in dem wunderbaren und heute praktisch vergessenen „Das lange Elend“ (kleiner Hinweis: wenn Filmkritiker einen alten Film erwähnen und ihn gleichzeitig als „wunderbar“ und „heute praktisch vergessen“ bezeichnen, wünschen sie sich insgeheim, dass der geneigte Leser gleichmal nachsieht, ob man den Film irgendwo streamen kann).
 
 
Aber dann 1990 strahlte die BBC die ersten Folgen von „Mr. Bean“ aus. Die Serie lebte von Atkinsons wirklich genialem Comedy-Timing, war aber tatsächlich reichlich albern. Leider kam die Figur des „Mr. Bean“ beim Publikum in aller Welt so gut an, dass auf die Fernsehserie auch noch zwei Spielfilme folgten. Und so ist praktisch alles, womit Rowan Atkinson seither erfolgreich war, reichlich albern. Seine Standup-Comedy wurde praktisch nicht wahrgenommen. Aber die albernen Barclaycard-Werbungen wurden sogar in Ländern gezeigt, in denen man gar keine Barclaycard beantragen konnte. Seit geraumer Zeit sieht man „Mr. Bean“ in einer albernen Werbung für einen Schokoriegel. Und als 2003 der erste Film mit dem Spion „Johnny English“ in die Kinos kam, war auch der reichlich albern. Die Fortsetzung 2011 war wiederum vor allem albern. Und um ein langes kurz zu machen: auch Teil Drei ist wieder ziemlich albern.
 
Französische Radfahrer
 
Natürlich ist es albern, wenn dem Agenten in seinem Aston Martin der Sprit ausgeht. Und es ist auch albern, wenn der Agent seinen eigenen falschen Namen vergisst. Es ist albern, wenn er Schlafmittel mit Aufputschpillen verwechselt und die ganze Nacht durchtanzen muss, um dann im unpassendsten Moment einzuschlafen. In Magnetschuhen einen Schiffsrumpf zu erklimmen ist albern. Und ebenso albern ist es, wenn jemand in einer Ritterrüstung stürzt und nicht mehr allein aufstehen kann. Und wenn ein Held sich als Kellner verkleidet, wird es doch immer albern. Aber obwohl das alles albern ist, ist das alles auch recht gut gemacht. All diese albernen Szenen sind so gut gemacht, wie man solch albernen Szenen eben auf die Leinwand bringen kann. Dafür sorgen das erwähnte geniale Timing von Rowan Atkinson, aber auch das ganz allgemein hohe Produktionsniveau dieses Films. Regisseur David Kerr hat bisher nur für das britische Fernsehen gearbeitet. Das sieht man dem Film aber nicht an.
 
Aber der Film ist eben nicht nur albern. Drehbuchautor William Davies hat nicht nur die Drehbücher für die ersten beiden Filme der Serie geschrieben. Er hat unter anderem auch an den Drehbüchern für „Flutsch und weg“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ und „Der gestiefelte Kater“ mitgearbeitet. Und wie in einem guten Animationsfilm, stecken auch in „Johnny English – Man lebt nur Dreimal“ eine Menge Gags für Kinofans mit einem etwas anspruchsvolleren Geschmack. Alleine die Rolle der erst kürzlich gewählten aber bereits komplett überforderten Premierministerin (Ähnlichkeiten zu aktuellen Regierungschefinnen sind sicher rein zufällig) hebt diesen Film aus der Masse alberner Genreparodien hervor. Wenn wir English als Lehrer erleben, ist das herrlich anzusehen. Die Szene, in der er den für die Ausrüstung verantwortlichen Mitarbeiter erst nach einer Waffe fragen muss, ist köstlich. Und auch die Sequenz mit dem Wagenpark des Geheimdienstes verläuft ebenso logisch wie witzig.
 
01 ©2018 Universal Pictures02 ©2018 Universal Pictures03 ©2018 Universal Pictures04 ©2018 Universal Pictures
 
Eine weitere Parallele zu guten Animationsfilmen bilden die vielen kleinen Gags, die vielen Zusehern vielleicht beim ersten Mal entgehen. Wenn der analog arbeitende Agent statt einer mail ein meterlanges Fax auswerten muss ist das für alle lustig. Wenn nach einem Cyberangriff weltweit sämtliche Linienflüge nach Luton umgeleitet werden, muss man den kleinsten der Londoner Flughäfen allerding mal persönlich erlebt haben, um den Witz würdigen zu können. Auch die Auswahl des fahrbaren Untersatzes ist ein Gag für sich. Der Vantage dieser Baureihe gilt Autokennern als einer der am wenigsten interessanten Aston Martins, weil er kein Klassiker, wie die älteren Modelle, und kein echter Sportwagen, wie die neueren Modelle, ist. Somit passt das Fahrzeug natürlich zum Fahrer.
 
London-Lemming
 
Rowan Atkinson ist nicht nur ein Meister des Comedy-Timings. Er ist auch ein wirklich guter Schauspieler. In einigen Szenen des Films kommt zwar „Mr. Bean“ durch. Aber am besten wirkt Atkinson, wenn er einen Mann spielt, der sich für sehr viel cleverer hält, als er jemals sein wird.
 
Die große Überraschung des Films ist Emma Thompson. Natürlich ist es keine Überraschung, dass Emma Thompson brillant ist. Sie hat bisher sogar in den weniger gelungenen Filmen ihrer Karriere immer großartige Leistungen gezeigt. Aber in ihrer Rolle als Premierministerin schafft Thompson etwas, das sie bisher noch nicht geschafft hat. Emma Thompson, die sicher eine der intelligentesten Frauen im internationalen Filmgeschäft ist, spielt eine furchtbar dumme Person. Und sie ist nicht nur absolut überzeugend, als dumme, überforderte Opportunistin. Sie zeigt auch, wie gefährlich solche Menschen in hohen Ämtern sein können, wenn sie aus reinem Populismus handeln. So ganz nebenbei liefert sie einen der besten Auftritte seit langem, wenn sie mit ihrer ersten Dialogzeile bereits klar macht, mit was für einer Figur wir es hier zu tun haben.
 
Ein ganz besonderes Schmankerl bildet eine Allstar-Runde ehemaliger Agenten aus Michael Gambon, Edward Fox und Charles Dance. Diese drei Legenden zeigen mit ihrem Kurzauftritt echten Sinn für Humor. Man wünscht sich fast, English hätte sich dieses eine Mal nicht so dumm angestellt.
 
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Fazit
Im dritten Abenteuer von Britanniens dümmsten Agenten macht Rowan Atkinson wieder was er gut kann und was beim Publikum ankommt. Einige nette kleine Gags und eine – wie immer – großartige Emma Thompson machen aus einer durchaus passablen Agentenparodie eine durchaus sehenswerte Agentenparodie.
 
 
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