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Kritik: Wochenendrebellen

sub kritik
 
Autorin: Melanie Fibich
 
Nach OSKARS KLEID darf Florian David Fitz erneut als Vater eines außergewöhnlichen Kindes die sich daraus ergebenden Konflikte lösen. Feinfühlig, warmherzig und unter der Regie von Genre-Kenner Marc Rothemund. Aber zieht der uns auch mit dieser Geschichte in den Bann?
 
56 Vereine, 1 Mission
 
Schon im Kindergartenalter stellt sich heraus: Jason (Cecilio Andresen) ist Autist. Die guten Vorsätze seiner Eltern Mirco (Florian David Fitz) und Fatime (Aylin Fezel) ihren Sohn deshalb noch mehr zu unterstützen, rücken für den Workaholic Mirco schnell in den Hintergrund. Die Erziehung bleibt an Fatime hängen.
 
Streitereien mit Mitschülern handeln Jason schließlich eine drohende Versetzung auf eine Förderschule ein. Die Lösung findet sich, als Jason in der Schule damit aufgezogen wird, dass er keinen Lieblingsfußballverein hat. Wenn Jason alles dafür tut sich nicht mehr provozieren zu lassen, verspricht Mirco sich zusammen alle 56 deutschen Fußballvereine live in dessen Heimatstadion anzuschauen, bis Jason seinen Lieblingsverein gefunden hat.
 
Eine Überraschung
 
Die Erwartungen für WOCHENENDREBELLEN hielten sich bei mir vorerst in Grenzen. Zunächst habe ich gedacht: Ein typischer deutscher Film mit Florian David Fitz, der sich dieses Mal eben um Fußball dreht.
 
 
Doch weit gefehlt. WOCHNENDREBELLEN behandelt unterhaltsam und mitreißend das Stadion-Abenteuer von Vater und Sohn, die sich endlich richtig kennenlernen. Die Geschichte beruht außerdem auf einer wahren Begebenheit und wurde schon im Buch Form zu einem Erfolg. Etwas, dass wohl auch Regisseur Marc Rothemund (u.a. Dieses bescheuerte Herz) dazu bewogen hat, diesen Stoff für das Kino umzusetzen. Sowie neben Fitz mit Cecilio Andresens die Idealbesetzung dafür gefunden hat.
 
Authentisch autistisch
 
Mit authentischen Umsetzungen hat Rothemund jedenfalls eine Menge Erfahrung. Vor allem wenn die Protagonisten tatsächlich existieren oder noch unter den Lebenden weilen. Deshalb hat er auch bei diesem Film den echten Jason, sowie dessen Vater Mirco Juterczenka in den Entstehungsprozess mit einbezogen.
 
Und denen lag vor allem am Herzen, dass der Autismus so realitätsnah wie möglich dargestellt wird. Momente, die deshalb auch im Film schonungslos ehrlich sind und wohl die Realität von vielen betroffenen Eltern widerspiegeln.
 
So wie beispielsweise bei den Stadionbesuchen, welche für den Autisten Jason eine große Herausforderung sind. Menschenmassen, die laut im Chor schreien, Abtasten beim Einlass, unterschiedlich farbige Schuhe der Fußballer und peinliche Maskottchen. Dieses Gefühl vermittelt uns Regisseur Marc Rothemund durch einen dramaturgisch perfekten Schnitt, sowie Cecilio Andresens Mimik. Seine Angst, Verwirrung und auch Freude fühlt man in jeder Einstellung.
 
Besonders im Kopf bleibt dabei die Szene, die auch als Cover für den Film dient, bei dem beide nachts auf Drängen von Jason im Stadion Nordlichter anschauen. Seine Leidenschaft für Astronomie wird auch am Ende vom Film wieder aufgegriffen und bietet Jason somit eine positive Zukunft, ohne dabei eine vereinfachte Lösung oder spontane Heilung von Autismus in den Raum zu schmeißen.
 
02 ©2023 LEONINE03 ©2023 LEONINE04 ©2023 LEONINE07 ©2023 LEONINE
 
Ins Stadion mit der Deutschen Bahn
 
Jason ist außerdem großer Verfechter von Umweltschutz. Für das Groundhopping benutzen sie deshalb die deutsche Bahn, welche im Film ein auffällig positives Image genießt. Mitarbeiter reißen kleine Witze, alles ist sauber und der Zug kommt pünktlich…im echten Leben wohl eher unrealistisch. Da Jason aber auch im wahren Leben für das Thema Umwelt brennt und es ein Teil seines Charakters ist, wirkt es außerhalb der DB Traumvorstellung nicht unnötig aufgezwungen. In vielen kleinen Situationen wie z.B. am Essenstisch wird das Thema immer wieder eingebaut und auch der zukünftige Lieblingsfußballverein soll möglichst klimafreundlich arbeiten. Somit entsteht ein glaubwürdiges Bild davon, dass Jason der Umweltschutz wirklich am Herzen liegt und nicht nur als Bildungseffekt eingebaut werden musste, um die ein oder andere Medienanstalt zur Zusammenarbeit zu überzeugen.
 
Vater, Mutter, Kind - mit Leidenschaft
 
Florian David Fitz geht in seiner Rolle als Vater komplett auf. Neben den schönen Vater-Sohn Momenten, die einem ans Herz gehen, stellt er auch die andere Seite des Elternseins ähnlich wie in OSKARS KLEID überzeugend dar. Wenn er mit Jason streitet glaubt man ihm, dass er sauer ist und wenn er sich danach fürchterlich fühlt, sieht man ihm förmlich an, dass er selbst Vater ist.
 
Aylin Tezel würde ich sofort glauben, wenn sie behaupten würde, Cecilio wäre ihr eigener Sohn. In ihrer Rolle wirkt sie authentisch und kämpferisch. Während sie am Anfang des Filmes die überforderte Mutter spielt, die sich mit Herzblut für ihren Sohn einsetzt, merkt man förmlich wie sich ihre Anspannung im Verlauf des Filmes löst. Aylin Tezel kauft man sowohl die Mutterrolle, als auch die Beziehung zu Fitz absolut ab.
 
Cecilio Andresen hat zwar noch nicht viele große Filme gemacht, spielt seine Rolle dafür aber umso eindrucksvoller. Autismus wirklich authentisch rüberzubringen ist eine große Herausforderung und trotzdem schafft es Cecilio die vielen Emotionen überzeugend umzusetzen, sowie mit Jason eine lebendige Figur auf die Kinoleinwand zu bringen.
 
Fazit
 
WOCHENENDREBELLEN erzählt keine Geschichte über Fußball, sondern viel mehr über das Menschsein. Und gewährt uns gleichzeitig einen herzerwärmenden Einblick in eine ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung. Ein Film, den man also auf keinen Fall im Kino verpassen sollte und den Saal anschließend mit tollen Gedanken wieder verlässt.
 
 
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