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***Alibi.com***

 
alibicom kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Für alle, die sich immer schon gefragt haben, wie wohl Opas Boulevardkomödie für die Generation youtube aussehen könnte, kommt jetzt die Antwort aus Frankreich.
 
Ein ungewöhnlicher Mix
 
Jeder kennt mindestens ein paar dieser altmodischen Boulevardkomödien. Oft geht es um Lügen und Schwindeleien, die verborgen werden sollen. Immer kommt es zu Verwicklungen, die durch die Bemühungen des Helden nicht besser sondern schlimmer werden. Früher wurden solche Stücke noch öfter verfilmt. In „Oscar“ musste sich vor über 50 Jahren zunächst Louis de Funès, und dann vor über 25 Jahren nochmal Sylvester Stallone mit identischen Koffern verschiedenen Inhalts herumärgern.
 
In „Boeing-Boeing“ ist Tony Curtis mit 3 Flugbegleiterinnen gleichzeitig verlobt und Jerry Lewis muss ihm helfen, ein Aufeinandertreffen der Damen zu verhindern. Wenn man einen dieser oder ähnlicher Klassiker nachträglich mit jeder Menge Bezügen auf Filme (Star Wars, Bloodsport, Fast & Furious,…), Videospiele (Assassin’s Creed) und Musikvideos anreichern könnte, würde das Ergebnis ziemlich genau wie „Alibi.com“ aussehen.
 
 
Die Welt ist ein Dorf
 
Greg ist Betreiber einer Agentur, die untreuen Menschen Alibis für Ihre Seitensprünge besorgt. Als er die hübsche Flo kennenlernt, belügt er sie gleich von Anfang an und erzählt, er wäre Flugbegleiter. Als Flo ihn ihren Eltern vorstellt, erkennt er in ihrem Vater einen Kunden, den er für das kommende Wochenende ein Alibi für einen Seitensprung organisieren soll. Wer das für einen unwahrscheinlichen Zufall hält, darf sich auf einiges gefasst machen. In den meisten Boulevardkomödien treffen ja ständig irgendwelche Leute aufeinander, die nicht aufeinander treffen sollten.
 
Das liegt daran, dass diese Theaterstücke üblicherweise in einem begrenzten Raum, wie einem Haus, spielen. „Alibi.com“ spielt in Paris und Cannes. Diese 2 Städte haben zusammen weit mehr als 2 Millionen Einwohner. Trotzdem treffen sämtliche handelnden Personen immer und immer wieder aufeinander. Wie wahrscheinlich ist es, wenn Mutter und Tochter für ein Mädchenwochenende das gleiche Hotel auswählen, in dem der Vater mit seiner Geliebten feiert? Moment, wir sind noch nicht fertig. Als der Vater seiner Frau auf dem Hotelflur aus dem Weg gehen will, verschwindet er durch die erstbeste offene Tür.
 
Na, in wessen Zimmer muss er sich wohl im Schrank verstecken? Genau, in dem seiner Frau. Noch ein Beispiel gefällig? Der Held Greg benötigt ein Foto von sich mit einem Zebra. Zufällig findet er nachts mit seinen Freunden einen Wanderzirkus. Leider kann das Zebra entkommen. (was die Freunde dann mit dem schneeweißen Pony anstellen, das noch im Gatter war, muss wohl nicht extra erwähnt werden, oder?). Als Greg am nächsten Tag eine Autopanne hat, trifft er zufällig auf genau diesen Wanderzirkus. Zufällig wollen die Schläger dieses Zirkus sich in seinem Beisein das Überwachungsvideo vom Zebradiebstahl ansehen. Zufällig trifft er noch einmal einen Tag später auf genau diese Schläger in einem Krankenhaus.
 
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Youtuber oder Filmemacher?
 
Hauptdarsteller, Regisseur und Co-Autor Philippe Lacheau hat bisher nur zwei Filme gemacht: „Project Babysitting“ und die Fortsetzung „Ab in den Dschungel“. Diese beiden Komödien im „found footage“-Stil waren in Frankreich so erfolgreich, dass Lachaeu und sein Co-Autor und Co-Star Julian Arruti nun diese eher konventionelle Komödie produzieren durften. Trotzdem wirkt der Film manchmal wie eine Aneinanderreihung von YouTube-Videos.
 
Über Humor lässt sich nicht streiten
 
Boulevard-Komödien sind natürlich immer altmodisch. Emanzipierte Frauenfiguren kann man in ihnen lange suchen und der Umgang mit Themen wie Sex und Minderheiten ist selten sehr sensibel. Im Folgenden werden 3 Szenen beschrieben, die tatsächlich alle in diesem Film zu sehen sind:
 
Flo und Gregs erstes Date findet in einer Bowlinghalle statt. Als Flo das Spiel verliert, muss sie sich dafür auf der Straße bis auf die Unterwäsche ausziehen. Vor zufällig vorbeifahrenden Autofahrern darf sie dann mit zwei Ästen auf dem Kopf einen Hirsch imitieren. Das soll witzig sein, weil neben ihr ein Schild vor Wildwechsel warnt.
 
Einer von Gregs Mitarbeitern leidet an Narkolepsie und ist arabischer Abstammung. Während einer Überwachung schläft er auf der Luftmatratze ein und treibt so aufs Mittelmeer hinaus. Als er dann von einem Schlauchboot voller Flüchtlinge aus dem Wasser gezogen wird, gratulieren diese ihm zu seiner tollen Idee. Nachdem sie gemeinsam an Land gegangen sind, macht er die Polizei auf die Flüchtlinge aufmerksam.
 
Ein Freund der Familie, der offensichtlich eine Schwäche für Flos Mutter hat, bekommt die Schlüssel zum Haus um den Hund zu füttern. Während Greg sich mit seinen Mitarbeitern unter dem Bett versteckt (bitte nicht fragen), nimmt der Gast ein gerahmtes Portraitfoto der Mutter von der Wand und masturbiert dazu. Erst landet ein Papiertaschentuch auf dem Boden und dann ein wenig später noch ein zweites. Das war dann auch die Pointe dieser Szene.

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Fazit
 
Wenn man es lustig findet, wenn eine junge Frau sich ausziehen muss, weil sie ein Bowlingspiel verloren hat oder wenn jemand das Vertrauen seiner Freunde missbraucht um auf das Bild der Gastgeberin zu onanieren, dann kann man an „Alibi.com“ seinen Spaß haben (die Flüchtlingskrise ist ja sowieso immer für einen Lacher gut).
 
Dazu bekommt man noch eine Menge Zitate aus der Populärkultur der letzten 30 Jahre. Ach ja, einem Mann werden seine Hoden von einer Katze zerkratzt. Zuvor sieht man die Hoden noch in Nahaufnahme im Gegenlicht baumeln.

 
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