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*** Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Das Jugendbuch von Judith Kerr, indem sie die Emigration ihrer Familie in den Jahren 1933 bis 1935 beschreibt, gehört seit Jahren zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen. Muss nun demnächst jedes Schulkind die Verfilmung von Caroline Link sehen?
 
Berlin, Februar 1933
 
Anna ist neun Jahre alt als sie mit ihren Eltern Deutschland verlassen muss. Nur das Nötigste wird mitgenommen. Selbst Annas Kuscheltiere, unter ihnen ein rosa Kaninchen, müssen zurückgelassen werden. Gerade noch rechtzeitig vor der Machtergreifung der Nazis gelangen Anna, ihr Bruder und ihre Mutter nach Zürich um dort den Vater zu treffen. Aber das Leben in der Schweiz ist nicht einfach für die kleine Anna und ihre Familie. Und als das Kind sich halbwegs eingelebt hat, geht die Flucht auch schon weiter …
 
Nach ihrem großartigen Kinodebüt „Jenseits der Stille“, „Pünktchen und Anton“ und zuletzt „Der Junge muss an die frische Luft“ erzählt Regisseurin Caroline Link wieder eine Geschichte aus der Sicht eines Kindes. Diesmal nach der Vorlage eines der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuches über das dritte Reich. Und auch wenn Link den Film sicher in der besten Absicht gedreht und dabei einiges richtig gemacht hat, macht sie als Filmemacherin lauch einiges falsch.
 
 
Die Deutschen sind von allen guten Geistern verlassen
 
In technischer Hinsicht fällt der Film nicht weiter auf. Die Kamera arbeitet solide aber uninspiriert. Der Ton klingt manchmal ein bisschen flach und vermittelt nur selten eine belebte Umgebung. Die Ausstattung fällt passabel aus, leistet sich aber ein paar Schnitzer. Die Anzüge und Hemden des Vaters sehen im zweiten Jahr der Emigration einfach zu gepflegt aus. Und in den Schweizer Alpen blüht im März kein Löwenzahn und die Tomaten hängen zu der Jahreszeit auch noch nicht am Strauch. Aber das sind vergleichsweise kleine Fehler. Größere Fehler gehen zu Lasten von Regie und Drehbuch von Link und Anna Brüggemann („Drei Zimmer/Küche/Bad“).
 
Zunächst wird die Geschichte aus der Sicht der kleinen Anna erzählt, was naheliegend und nachvollziehbar ist. Mittendrin vergessen die beiden Autorinnen aber ihr eigenes Konzept, wenn etwa Szenen mit Vater und Sohn oder mit Vater und Mutter gezeigt werden, bei denen Anna nicht dabei ist. Wenn der Vater dann Geschriebenes aus dem Off vorliest, bereichert das den Film nicht. Der Film wirkt dadurch nur uneinheitlich und nicht wie aus einem Guss.
 
Regie und Buch lassen den Film nur selten ausgewogen wirken. Einzelne Szenen sind nett geschrieben und kompetent inszeniert. Ein Telefongespräch zu Annas Geburtstag berührt uns tief. Ähnlich ergeht es uns, wenn der Vater ein Stück Torte für die Mutter kauft. Andere Szenen funktionieren einfach nicht richtig. Wenn Anna vom Tod des Onkels erfährt, wirkt das einfach nur plump. Eine Szene, in der sich die Familie vor der Vermieterin versteckt, ist ungeschickt gestaltet.
 
Manchmal wirkt der Film, als würden Teile fehlen. In einer frühen Szene fragt Anna die Mutter, ob sie schon wieder ins Konzert gehe. Weil der Vater gleichzeitig krank im Bett liegt, wartet man auf den Konflikt, der nie kommt, weil dieser Dialog nirgendwohin führt. Wenn Anna Münzen aus dem kalten Wasser eines Brunnens fischt, fällt die anschließende Szene zu kurz aus um die Sequenz zu einem Abschluss zu bringen. Über eine Nachbarin wird erst immer wieder gesprochen, nur damit diese dann eine einzige boshafte Bemerkung machen kann. Die Nebenhandlung um die Vermieterin wird auch nicht wirklich aufgelöst, weil wir nie erfahren, wie der Vater sich von ihr verabschiedet.
 
Dabei nimmt sich der Film immer wieder Zeit für Dialog. Dialog der immer und immer wieder vor allem die Handlung erklärt. So erläutert die Mutter erst minutenlang, warum die Familie Deutschland verlassen muss und am Ende versteht Anna doch nicht, warum sie an der Grenze still sein soll. Der Vater ist Schriftsteller und Journalist. Seine Rede vor anderen Journalisten auf einem Schiff fällt aber banal aus. Wenn der Onkel einer Zehnjährigen erklärt, „Da brennt ein warmes kleines Licht in Deinem Herzen“ klingt das vor allem pathetisch.
 
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Eine sehr dramatische kleine Person
 
Ebenso uneinheitlich wie der Rest des Films fallen auch die Leistungen der Besetzung aus. Die junge Riva Krymalowski spielt in ihrem ersten Film gleich die Hauptrolle der Anna. Riva ist sicher ein liebes Mädchen. Aber gerade Kinderschauspieler brauchen eine sensible, verständige Regie. Zwar wirkt die junge Hauptdarstellerin in vielen Szenen ganz bezaubernd. Aber Regie und Drehbuch lassen sie leider an vielen Stellen hilflos im Regen stehen. Und dann wirkt ihre Figur schon mal altklug und zuweilen auch anstrengend.
 
Burgschauspieler Oliver Masucci („Er ist wieder da“) weiß auch unabhängig von der Regie, was er zu tun hat. Seine Darstellung von Annas Vater wirkt immer stimmig. Masucci liefert die einzige souveräne Leistung des Films ab.
 
Marinus Hohmann („Willkommen bei den Hartmanns“) ist noch viel zu jung, um gegen seine einfallslos geschriebene Rolle als Annas älterer Bruder anspielen zu können.
 
Für Carla Juri kann diese Entschuldigung nicht gelten. Sie hat zuletzt in „Intrigo: In Liebe, Agnes“ eine furchtbar dumme Rolle furchtbar dumm gespielt. Hier spielt sie die langweilig und uninspiriert geschriebene Rolle der Mutter konsequent langweilig und uninspiriert.
 
Justus von Dohnányi hat zuletzt in „Safari – Match me if you can“ und “Der Vorname” sein Talent verschwendet. Hier fällt er weder positiv noch negativ auf.
 
Warum man einer Legende wie Anne Bennent die Chargenrolle der französischen Vermieterin angeboten hat, ist unklar. Warum Bennent diese Rolle auch noch angenommen hat, ist ein Mysterium.
 
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Fazit
 
Link hat ein Buch verfilmt, das seit Jahrzehnten Pflichtlektüre an deutschen Schulen ist. Lehrer könnten Schlimmeres anstellen, als diesen Film demnächst im Unterricht vorzuführen. Den zukünftigen Schülern hätte man aber einen deutlich ausgewogeneren Film gewünscht.
 
 
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