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*** The Happy Prince ***


 
thp kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Oscar Wilde meinte: „Ein großer Künstler sieht die Dinge niemals so, wie sie sind.“ Rupert Everett zeigt uns als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller, wie er die letzten Jahre dieses großen Künstlers sieht.
 
„Ich sterbe über meine Verhältnisse“
 
Oscar Wilde ist am Ende. Mittellos zieht er durch die Straßen von Paris. Wenige Jahre zuvor war er der erfolgreichste Schriftsteller seiner Zeit. Beliebt beim Publikum, geliebt von jungen Gentlemen. Nun ist er auf Almosen angewiesen, um sich damit körperliche Zuneigung zu kaufen zu können. Seine Gesundheit ist angegriffen. Schon beginnt ihm die Tapete in seinem winzigen Hotelzimmer zu missfallen. In Rückblenden erfahren wir von seinem tiefen Fall.
 
Rupert Everett erfüllt sich mit diesem Film einen Lebenstraum. Nachdem er Oscar Wilde bereits erfolgreich am Theater gespielt hat, ist er nun Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person. Oscar Wilde hätte es vielleicht ungefähr so ausgedrückt: An einer Aufgabe zu scheitern ist schändlich, an zwei gleichzeitig zu scheitern ist ehrenhaft. Aber an drei Aufgaben zur gleichen Zeit zu scheitern, ist wahre Kunst.
 
 
„Autor! Autor!“
 
Wenn Drehbuchautor Rupert Everett sich in seiner Filmbiografie über Oscar Wilde auf dessen schreckliche letzte Jahre beschränkt, ist das sicher eine mutige Entscheidung. Das ist etwas so, also würde man in einem Biopic über Elvis Presley, diesen nur als schwitzenden, drogensüchtigen Fettsack zeigen. Und tatsächlich kann man es mutig finden, wenn uns Everett fast ausschließlich die Schattenseiten von Wildes Leben und seiner Persönlichkeit zeigt. Man kann es aber auch für einen Fehler halten, wenn er diesen feinsinnigen Künstler, der die Schönheit um der Schönheit selbst willen liebte, gleich zu Beginn dabei zeigt, wie er sich mit erbettelten Geld die Zuneigung eines Halbwüchsigen erkauft, während er mit Absinth und Kokain dessen kleinen Bruder besticht.
 
Noch schlimmer ist es, wenn Drehbuchautor Everett seinen Oscar Wilde einfach keine guten Dialogzeilen sprechen lässt. Wilde war ein Meister des Wortspiels und der schnellen Replik. Seine „oneliner“ sind mehr als hundert Jahre nach seinem Tod immer noch legendär. In Everetts Film sehen und hören wir fast nichts davon. Als britische Touristen ihn in Frankreich beleidigen ist er erst sprachlos, läuft dann davon und geht schließlich wütend auf die Rüpel los. Als ihm der Kellner die Rechnung für ein üppiges Dinner mit einer Gruppe von Studenten vorlegt, zerreißt er diese bloß. Kaum jemals in Everetts Film erleben wir den geistreichen, brillanten Witz dieses genialen Mannes. Um wieder den Vergleich vom Anfang zu bemühen: Das ist, als würde man Elvis in einem Film nicht singen lassen. Ausgerechnet der oberflächliche Bosie bringt es auf den Punkt, wenn er den schweigsamen Wilde erinnert, „Ach komm Oscar, Du hattest doch immer was zu sagen.“
 
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„Nur das Publikum ist durchgefallen“
 
Auch der Regisseur Everett trifft ungewöhnliche Entscheidungen. Wilde lag, trotz seiner Homosexualität, immer sehr viel an seiner Frau und seiner Familie. Es ist der Drehbuchautor Everett, der uns nichts davon sehen lässt. Aber es ist der Regisseur Everett, der das armselige Weihnachtsfest der einsamen Ehefrau mit den vaterlosen Kindern parallel mit der Orgie montiert, die Wilde mit gekauften jungen Männern feiert. Dabei zeigt die Regie doch auch immer wieder echtes Können. Die Ausstattung ist superb. Die Drehorte wurden mit Kennerblick ausgesucht und mit dem Auge eines wahren Künstlers in Szene gesetzt. Das Licht in der Kirche einer Kleinstadt an der französischen Küste ist geradezu göttlich. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie lange man bei den Dreharbeiten an dieser herrlichen Stimmung gearbeitet haben muss. Leider lenkt die in rasender Wut tobende Hauptfigur von dem wunderschönen Licht ab.
 
„Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht.“ Der Schauspieler Everett macht es sich nicht leicht. Er spielt Wilde in seinen letzten Jahren übergewichtig, krank und vor der Zeit gealtert. In Rückblenden sehen wir, welche körperlichen und seelischen Qualen Wilde während der zwei Jahre im Zuchthaus erleiden musste. In Frankreich stürzt er betrunken von einem Tisch. In seinem Krankenbett beschmutzt er sich mit seinem eigenen Erbrochenen. Everett spielt diese Szenen nicht einfach, er erleidet sie. Teilweise ist es schwer zu unterscheiden, ob wir mit der Figur Oscar Wilde Mitleid haben oder mit dem Schauspieler Rupert Everett. Aber auch als Schauspieler trifft Everett schwierige Entscheidungen. In den Szenen in denen er die Körper junger Männer betrachtet, wirkt Everetts Wilde nicht wie ein Ästhet, der Schönheit aufrichtig bewundert. Nein, er glotzt leider allzu oft wie ein geiler alter Sack auf die knackigen Popos.
 
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Der Rest der Besetzung entspricht Wildes Maxime, „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack. Ich bin nur mit dem Besten zufrieden.“. Emily Watson hat leider nur wenige Szenen als Wildes Ehefrau. Das gleiche gilt für Colin Firth als Reggie Turner. Der bei uns eher unbekannte Schauspieler Edwin Thomas gibt dem Film als Robbie Ross die dringend benötigte menschliche Wärme. Edwin Thomas ist ein herrlich selbstverliebter Bosie Douglas. Ein reizender Einfall ist die Besetzung des großartigen Tom Wilkinson als Priester. Wilkinson hat vor mehr als zwanzig Jahren, in der Verfilmung mit Stephen Fry als Wilde, dessen Erzfeind, den Marquess of Queensberry, gespielt.
 
Fazit
 
Oscar Wilde meinte einmal: „Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.“. Nun, Everetts Film ist sicher sehr realistisch. Wilde meinte auch, „Besser schön sein als gut, besser gut sein als hässlich.“ An Everetts Film ist nur wenig schön, einiges gut und manches wirklich hässlich.
 
 
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