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***The Accountant***

 tacc kritik
 
Autorin: Timea Sternkopf
 
Noch nie gab es einen derart sympathischen, autistischen Buchhalter mit Hang zum Töten! Ben Affleck spielt in “The Accountant” das Mathematikgenie Christian Wolff, der die Bücher von Unterweltorganisationen poliert und dafür ordentlich abkassiert. Die Bezahlung erfolgt neben dem branchenüblichen Bargeld auch in Form eines Original Pollocks oder gar eines Renoirs.
 
“Die Welt ist kein reizreduzierter Ort” - der Vater (Robert C. Treveiler) des autistischen Christian Wolff (Ben Affleck) lehnt die gut gemeinten Behandlungsvorschläge eines Therapeuten kategorisch ab. Als Soldat der US-Army bevorzugt er andere Methoden, um seinem besonderen Sohn mit hochfunktionalem Autismus das Überleben in der harten Wirklichkeit voller gemeiner Kinder zu lehren. Er will Christian nicht isolieren, sondern ihn auf die Welt da draußen vorbereiten. Er soll lernen, sich vor Mobbing und anderen Herausforderungen selber zu schützen. So wird Christian und sein nicht autistischer Bruder zu regelrechten Kampfmaschinen gedrillt. Praktisch im Hinblick auf seine spätere Karriere als Buchhalter von Verbrecherorganisationen und besonders nützlich im Kampf gegen Auftragskiller.
 
Und Kämpfe gibt es genügend in “The Accountant”! Die Gewalt im Film ist roh und spürbar, selbst aus dem bequemen Kinosessel. Der Einstieg gelingt Regisseur Gavin O’Connor (“The Warrior”) mit einer Liquidierungsszene in einer Mafia-Hochburg, die durch einen beeindruckenden Sound dem Zuschauer mit jeder Kugel unter die Haut geht. So wird nach einigen Minuten klar, dass mit “The Accountant” kein langatmiges Drama mit der Spannung einer Steuererklärung erzählt wird, sondern ein actionreicher Thriller mit einem ganz besonderen Protagonisten, der weder vor frisierten Büchern der Unterwelt, noch vor Mord Halt macht.
 
Bei zwischenmenschlichen Beziehungen ist Christian Wolff allerdings maßlos überfordert. Hier spielt der Film gekonnt mit schwarzem Humor. Als Christian zur Abwechslung mal einen legalen Job als Bilanzprüfer in einer High-Tech-Robotikfirma übernimmt, um Unstimmigkeiten in Lamar Blacks (John Lithgow) Konzern aufzudecken, sieht sich der hochbegabte Autist mit echtem Small Talk konfrontiert. Diese Art der üblichen Kommunikation zwischen Kollegen bedeutet für einen Autisten wie Christian den reinsten Horror. Er hat gelernt Gefühle einzuordnen und zu heucheln - allerdings gelingt ihm das nicht sonderlich gut. Dies führt zu amüsanten Szenen zwischen Ben Affleck und Anna Kendrick, die die Buchhalterin Dana Cummings spielt.
 
 
“Wie überlebt man solche Klienten?”
 
Mit diesem vermeintlich seriösen Job beginnen die Verstrickungen in der Story von “The Accountant”. Nachdem Christian und Dana auf der Abschussliste eines Auftragskillers landen, zieht das Tempo des Films ordentlich an. Christian Wolffs Leben wird aus seiner gewohnten Routine gerissen. Er sieht sich auf einmal auf der Flucht vor Verbrechern und gleichzeitig auch vor Ermittlungen der US-Steuerbehörde. Director Raymond King (J.K. Simmons) und seine Kollegin Agentin Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson, bekannt aus der Serie “Spartacus”) sind Christian seit längerem auf der Spur. “Wie überlebt man solche Klienten?” - Raymond King ist fasziniert von dem unbekannten Zahlendreher der Unterwelt, er jagt ihn und doch kann er seine Bewunderung für ihn nicht verheimlichen.
 
Die Geschichte rund um den Steuerfahnder Raymond Kind ist eine von mehreren Storylines, die in “The Accountant” ineinander einfließen. Emotionale Rückblenden in Christians Kindheit, sorgen für die nötige Tränendrüsen-Dramatik, eines klassischen Hollywood-Werkes. Auf die obligatorische Romantik wirkt auch nicht verzichtet, in Form einer untypischen, sehr leise angehauchten Liebelei zwischen Christian und Dana. Erfrischend für Hollywood: eine kaum angedeutete Romanze, die komplett ohne körperliche Nähe auskommt.
 
Für Gewalt sorgen vor allem die Szenen mit dem mysteriösen Auftragskiller. Hier merkt man, dass Regisseur Gavin O’Connor vom Fach ist. Mit dem mehrfach ausgezeichneten Drama “Warrior” (2011) bewies er bereits sein Händchen für das Inszenieren von brutalen Kampfszenen.
 
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Noch nie war ein autistischer Buchhalter so sexy
 
Ben Affleck kann in “The Accountant” ausnahmsweise mit einem Mangel an facettenreicher Mimik punkten. Der schmallippige Schauspieler verkörpert überzeugend eine Figur, die Probleme hat Gefühle zu zeigen.
 
Ben Affleck beweist mit seinem durchtrainierten Körper außerdem wie sexy ein autistischer Buchhalter sein kann. Anna Kendrick spielt die übliche süße, schrullige Mädchenrolle, wie schon mit George Clooney in “Up in The Air”.

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Fazit
 
“The Accountant” ist trotz satter 128 Minuten bis zum Ende ein spannender Thriller, wobei sich das letzte Drittel in übertriebener Action und sehr konstruierten Wendungen verirrt.
 
 
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