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*** Dumbo ***


dumbo kritik
 
Autor: Walter Hummer
      
Disney bringt seit einiger Zeit immer mal wieder Realfilmversionen seiner Zeichentrick-Klassiker auf die Leinwand. „Dumbo“ von 1941 scheint eine merkwürdige Wahl für eine solche Neuverfilmung zu sein. Und ausgerechnet Tim Burton scheint eine noch merkwürdigere Wahl für den Regisseur eines solchen Projekts.
 
Sarasota, Florida 1919
 
Die Geschwister Milly und Joe holen ihren Vater vom Bahnhof ab. Der ehemalige Zirkusreiter Holt Farrier (Colin Farrell) kehrt aus dem Krieg heim. Er hat einen Arm auf dem Schlachtfeld gelassen, seine Frau ist in seiner Abwesenheit verstorben und dem Zirkus geht es schlecht. Der Zirkusdirektor (Danny DeVito) kann dem Kriegsinvaliden nur einen Job als Betreuer für die Elefanten anbieten. Holt muss sich um seine Kinder kümmern und willigt widerstrebend ein. Elefantendame Jumbo hat Nachwuchs bekommen. Zunächst lachen die Leute über den kleinen Elefanten mit den großen Ohren. Aber mit der Hilfe von Milly und Joe entwickelt „Dumbo“ bald ein unglaubliches Talent. Davon erfährt auch der skrupellose Geschäftsmann V.A. Vandervere (Michael Keaton) …
 
Die kurze Inhaltsangabe verrät es bereits: Die Handlung von Tim Burtons „Dumbo“ von 2019 unterscheidet sich doch stark von der des Originals von 1941. Die bisherigen Realverfilmungen früherer Klassiker haben sich inhaltlich selten weit von ihren Vorlagen entfernt. „Die Schöne und das Biest“ mit Emma Watson war beinahe ein Bild-für-Bild-Remake der Zeichentrickversion von 1991. „Dumbo“ von 1941 war aber zu schräg, zu finster und an einigen Stellen zu grausam, um auf ähnliche Weise ins Blockbuster-Kino des 21. Jahrhunderts übertragen zu werden. Die neue Version von Drehbuchautor Ehren Kruger und Regisseur Tim Burton ist nun auf ganz andere Art und Weise schräg, finster und an einigen Stellen recht grausam ausgefallen.
 
 
Kruger hat bisher die Drehbücher zu so unterschiedlichen Filmen wie „Arlington Road“, „Wild Christmas“ und verschiedenen Teilen der „Transformers“-Reihe verfasst. Seine Version der Geschichte um den fliegenden Elefanten vereint fantastische Elemente wie einen futuristischen Freizeitparkt mit der Drolligkeit des Titelhelden und dem harten Realismus der Geschichte eines Vaters, der seine durch Krieg und Krankheit zerstörte Familie zusammenhalten und sein eigenes Leben wieder in den Griff bekommen will.
 
Für die Verfilmung eines solch widersprüchlichen Stoffes empfiehlt sich kaum ein Regisseur so sehr wie Tim Burton. Was viele vielleicht vergessen haben: Tim Burtons erster Spielfilm war „Pee-wees irre Abenteuer“, der Film zu einer in den USA in den 80er-Jahren sehr populären Kinderserie. Bereits dieser Film war damals ziemlich abgedreht und zwar nicht bloß für einen Kinderfilm. Danach folgte der auch nach über dreißig Jahren immer noch herrlich schräge „Beetlejuice“, bevor Burton 1989 mit „Batman“ die erste Comic-Verfilmung für ein erwachsenes Publikum ins Kino brachte.
 
Baby Mine
 
Und das führt uns auch schon zur wichtigsten der vielen Informationen dieser Kritik: Tim Burtons „Dumbo“ ist KEIN Kinderfilm. Die FSK wird diesen Film voraussichtlich ab 6 Jahren freigegeben und zeigt damit wieder mal die Grenzen ihres eigenen Systems auf. Wer seinen Sechsjährigen diesen Film ansehen lässt, muss sich nicht wundern, wenn er in der folgenden Nacht nicht viel Schlaf bekommt und das Bettzeug des Kindes wechseln darf.
 
Wenn der kleine Elefant durch das Zirkuszelt fliegt, ist das jedes Mal traumhaft schön anzusehen. Aber jedem dieser Flüge gehen alptraumhaft furchtbare Szenen voran. All diese Sequenzen zeigen Burton, den Erschaffer fantastischer aber auch bedrohlicher Kinowelten in Topform. Aber gerade, weil Burton das was er macht so gut kann, haben die Szenen in denen Menschen fast zu Tode stürzen und Tiere gequält werden eine so furchtbare Wirkung auf das Publikum.
 
Daneben präsentiert uns „Dumbo“ nicht nur einen sondern gleich zwei Schurken, die den kleinen Elefanten sogar dann quälen, wenn es selbst aus der Sicht der Schurken gar keinen Sinn mehr ergeben kann. Eine der schrägsten Ideen der Filmemacher war es, Michael Keaton eine bizarr böse Version des Mannes spielen zu lassen, der den Disney-Konzern begründet und ihm seinen Namen gegeben hat. Solche und viele weitere abgedrehte Einfälle machen „Dumbo“ zu einem herrlich durchgeknallten Filmvergnügen, das aber wirklich nur für Kinofans geeignet ist, die deutlich älter als sechs Jahre sind.
 
01 ©2019 Walt Disney Pictures02 ©2019 Walt Disney Pictures03 ©2019 Walt Disney Pictures04 ©2019 Walt Disney Pictures
 
Artisten, Tiere, Attraktionen
 
Colin Farrell spielt den Kriegsinvaliden angenehm zurückhaltend. Ohne großes Drama vermittelt er, wie sich der menschliche „Krüppel“ in dem „missgestalteten“ Tier wiedererkennt.
 
Eva Green spielt wieder mal die geheimnisvolle Schönheit. In ihrer dritten Zusammenarbeit mit Tim Burton darf sie als Trapezkünstlerin Colette durch die Zirkuskuppel fliegen und die Männer verwirren. Beides gelingt ihr mit beiläufiger Mühelosigkeit.
 
Michael Keaton hat früh erkannt, dass seine Rolle des Bösewichts V.A. Vandervere als Parodie auf eine Schurkenrolle geschrieben wurde und spielt den Part dementsprechend.
 
Auch wenn der Film visuell überaus gelungen ist, bietet er leider nur wenig gelungene Dialoge. Danny DeVito hat als Zirkusdirektor Medici fast alle guten Zeilen und serviert sie uns mit meisterhaftem Sinn für Timing.
 
Die jungen Darsteller Nico Parker als Milly und Finlay Hobbins als ihr Bruder Joe wirken beide sehr sympathisch. Leider gibt ihnen das Drehbuch nur wenig zu tun. Vor allem die Rolle des Bruders trägt praktisch nichts zur Handlung bei.
 
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Der Star des Films ist natürlich „Dumbo“. Disney hat spätestens bei der Neuverfilmung von „Das Dschungelbuch“ gezeigt, wie fantastisch computergenerierte Tiere wirken können. Der kleine Elefant und die vielen anderen Tiere wirken in jeder Szene überzeugend. Das Drehbuch gesteht dem Tier allerdings an manchen Stellen ein bisschen arg viel Einsicht ins Geschehen zu.
 
Aber nicht nur die Tiere auch die Schauplätze tragen zur Wirkung des Films bei. Der Zirkus wirkt überaus lebendig und der Freizeitpark des Schurken wirkt wie eine bizarre Mischung aus Disneyland und Gotham. Computergenerierte Effekte, Bauten, Ausstattung und Kostüme schaffen eine ganz besondere Optik, die neben dem kleinen Elefanten die zweite Hauptattraktion dieses Films ist.
 
Fazit
 
“Dumbo” ist ein typischer Tim-Burton-Film: Witzig, traurig, schaurig und dabei originell und herrlich abgedreht. Die hervorragende Besetzung und die anspruchsvolle visuelle Umsetzung überspielen kleine Schwächen des Drehbuchs mühelos.
 
 
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